Quelle: Wikipedia

Depp des Tages: Ulrich Exner von der Welt

„Chaos“, „Skandal“, „Todesangst“, „Blutbad“, „Schande“. Nein, die hysterischen geschätzten Kollegen aus der deutschen Presselandschaft haben mit diesen Worten nicht die Zustände in Syrien oder die Konflikte in Ägypten beschrieben. Es geht  tatsächlich und allen Ernstes um ein Fußball-Spiel, bei dem feiernde Fans eine Minute zu früh auf den Rasen gestürmt sind, um den Aufstieg ihrer Mannschaft zu feiern. Unbestritten eine dämliche Aktion, aber hier kam kein gewaltbereiter Lynchmob aufs Spielfeld, sondern normale Anhänger und sogar Familien. Das sollte man immer im Hinterkopf behalten, wenn man so drastische Worte in den Mund nimmt. Und eine weitere Anmerkung sei hier erlaubt: Im Stadion wurde auf der Anzeigentafel keine Nachspielzeit angezeigt und man kennt ja Dynamiken von emotionalisierten Menschenmassen zur Genüge.

Man könnte wirklich meinen, es hätte Tote und Verletzte gegeben, liest man sich die Berichterstattung durch, die ihren unrühmlichen Anfange mit dem völlig frei drehenden Tom Bartels nahm. Zur Rolle der Presse empfehle ich übrigens diesen großartigen Artikel von publikative.org, der alles wunderschön auf den Punkt bringt.

Den bisherigen Vogel abgeschossen, hat aber ein gewisser Herr Ulrich Exner von der Welt, der dieses Spiel als gelernter und radikaler Springer-Scharfmacher zum Anlass nimmt, drakonische Strafen vom DFB für die beiden Vereine zu fordern:

„Man kann jetzt lange darüber streiten, welches Strafmaß das Richtige ist – Wiederholungsspiel unter Ausschluss der Fans, Ausschluss beider Vereine aus der Bundesliga für das kommende Spieljahr oder ein Jahr Stadionsperre für Fortuna Düsseldorf – aber wenn der DFB erneut irgendeine Alibi-Entscheidung Marke Geldstrafe trifft, hat er seine moralische Reputation auf Jahre verspielt.“

Man möchte sich gar nicht vorstellen, was von diesem Herrn gefordert wird, sollte wirklich einmal etwas passieren. Komplettes Fußball-Verbot? Auflösung von Vereinen? Beseitigung des Rechtsstaats und alle Fußball-Fans in den Knast?

Und verstanden hat er sowieso nichts und wirft wild Bengalos, Randale und feiernde Fans durcheinander:

„Man kann Spiele abbrechen, schon wenn das erste Bengalo brennt. Das werden zwei, drei harte Entscheidungen – aber danach ist mit großer Sicherheit Schluss mit lustig bei den so genannten Ultras, die immer nur eine verschwindende Minderheit im Stadion sind.“

Alles an diesem Artikel ist so unsäglich dumm und falsch, widerlich und ekelhaft, dass ich mich gar nicht weiter damit beschäftigen möchte. Oder um Exners schicke Artikeleinleitung zu zitieren: „So nicht!“

Bitte lest selbst und beschert dem Online-Auftritt der seriösen Zeitung „Die Welt“ – der dieses Zeugnis der Peinlichkeit und Falschheit sogar auf Platz 1 der Startseite gehievt hat –  ein paar Klicks.

 

Über den Autor: Guru von der Kreuzeiche

Leidensbereiter sowie leiderprobter SSV-Reutlingen-Fan und Unsympath. Empfindet die Bezeichnung “Unglaublicher Demagoge” als Kompliment. Trinkt was Schnäpse angeht nur klar.

69 comments

  1. Goldschuhe aus

    Im Übrigen: Auch super, dass über Karlsruhe keiner mehr redet. Ungefähr das einzige Spiel in dieser Saison, bei dem WIRKLICH Randale passiert ist, die sanktioniert werden müsste.

  2. Goldschuhe aus

    Es wird immer besser: Auch der Innenminister zeigt sich als profunder Kenner des Fußballs:

    „Ich erwarte, dass die 54 Fußballvereine in den drei Profiligen vor Beginn der nächsten Saison ein gemeinsames, konkretes Handlungskonzept vorlegen, in dem es unter anderem um bundesweite Stadionverbote für gewaltbereite Ultras geht sowie um ein Verbot von Pyrotechnik“

  3. Guru von der Kreuzeiche

    Nächster Depp des Tages: Christoph Schickhardt:
    „Die Spieler saßen veränstigt, leichenblass, mit Todesangst in der Kabine. Die Spieler von Hertha BSC sind die einzigen Opfer an diesem Tag.“

  4. Goldschuhe aus

    Und es geht weiter mit Deppenterror: Das ZDF sendet doch tatsächlich um 19.20 ein Spezial. Wahrscheinlich werden KMH und der Titan uns dann mal die Fanwelt erklären. Ich freue mich.

  5. Esleben

    Naja, der Schickhardt muss als Hertha-Anwalt natürlich dramatisieren. Seltsam, dass die Berliner nicht leichenblass in die Kabine gehuscht sind, als ihre Fans pyrotechnisch blank gezogen haben…

  6. schneider3

    Ich bin verwirrt. Sind Ultras jetzt Ultras oder sogenannte Ultras oder gar selbsternannte Ultras? Haben sie die Macht in den Kurven oder sind sie nur eine vernachlässigbare Minderheit? Und wer sind diese Hooligans, die sich in Netzwerken verabreden, um synchron Feuerwerkskörper abzubrennen? Was ist mit den ganzen verletzten Gewaltopfern passiert? Und, ist das schon die nächste Schnittstelle, die nächste Stufe der Eskalation oder sogar schon die danach? Und, hatten die Berliner Angst oder war das Stark die feige Sau?

  7. Guru von der Kreuzeiche

    Und: Welche Rolle spielen die Mütter mit ihren Kindern beim Platzsturm? Ist das schon die letzte Kolonne des Hooliganismus? Und sind Ultras Hooligans? Sind Hooligans Kinder? Ist Todesangst eigentlich nur Abstiegsangst? Fragen über Fragen. Bitte beantworten, Schneider3!

  8. Goldschuhe aus

    Verantwortungslose Opfer ihrer selbst. Rabeneltern, die ihre Kinder in Lebensgefahr (!) bringen. Da muss das Jugendamt mal was machen.

  9. Max

    Naja, die meisten Kommentare sind tatsächlich lächerlich, aber meiner Meinung müsste das Spiel eindeutig wiederholt werden. Die gesamte Nachspielzeit war sportlich ein Witz, die Zuschauer standen schon ab der 90. Minute am Spielfeldrand und dass das Spiel erheblich beeinflusst, ist ja wohl klar.

    Es geht ja gar nicht so sehr darum, ob da jetzt Ultras, Frauen oder Kinder aufs Spielfeld laufen (war ja irgendwie alles zusammen, unter den paar Hundert Deppen waren sicher nicht nur liebe, kleine Kinder, die ein bisschen jubeln wollten), sondern dass Hertha einfach mindestens 2 Minuten, eher 7, geklaut wurden, um noch ein Tor zu machen.

    Was davor war, mit den Bengalos und Leuchtkörpern, und so weiter: Meiner Meinung nach sollte auch mal ein Spiel abgebrochen werden, wenn so etwas aufs Spielfeld fliegt, das geht einfach nicht. Dass die Raketen von beiden Lagern kamen, ist mir klar.
    Ich hab nichts gegen Bengalos, die einigermaßen unter Kontrolle auf der Tribüne abgefackelt werden, aber auf andere Menschen werfen geht einfach gar nicht. Da müsste der DFB halt mal die Eier haben, das durchzuziehen, aber das ist wohl zuviel verlangt.

    Das hat aber nicts mit der Nachspielzeit zu tun, die schlichtweg zu Ungunsten von Hertha irregulär war und was alles in so einer Nachspielzeit passieren kann, müssen wir wohl nicht diskutieren.

  10. Guru von der Kreuzeiche

    Dann hätte man das Spiel aber schon abbrechen müssen als Hertha-Fans die Bengalos aufs Feld geworfen haben. Und das hätte dann schön einen Sieg am grünen Tisch für Fortuna bedeutet.

  11. schneider3

    Ich glaube nicht, dass sich Hertha allzu große Hoffnungen machen sollte (auf so ne Kackidee wie eine Bundesligasaison mit 19 Teams kann auch nur der dünne und schwache Preetz kommen): „Insgesamt sieben Minuten waren aufgrund der Vorkommnisse in diesem Spiel angemessen und wurden auch offen vom Vierten Offiziellen angezeigt. Nach fünf Minuten und 50 Sekunden rannten Zuschauer auf das Spielfeld. Die Spielunterbrechung dadurch dauerte gut 20 Minuten. Nach der Spielfortsetzung lief das Spiel noch eine Minute und 30 Sekunden. Das war völlig korrekt so“, Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter des Deutschen Fußball-Bundes (DFB)

  12. Max

    Ja meine Rede!! Ich wäre für eine Wiederholung des Spiels unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
    Keine Ahnung, wie das dann am grünen Tisch gewertet würde, man könnte auch argumentieren, dass der Veranstalter für die Sicherheit verantwortlich ist und nicht Verein, dessen Trikots diese Idioten anhaben. Anscheinend ist man in Düsseldorf mit Spielen dieser Größenordnung überfordert, das hat man gestern an der Menge der Bengalos und vor allem durch das Geschehen in den letzten Minuten gesehen.
    Der Punkt ist einfach, dass man das auch mal machen müsste.
    Letztlich wird immer viel geredet und geredet, aber wenns hart auf hart kommt, hat der DFB eben doch nicht die Eier. Wenn so ein Spiel mal abgebrochen würde, dann wärs auch mal vorbei mit dieser versteckt eben doch vorhandenen Solidarität mit den Krawallmachern.

    Nochmal: Ich hab nichts gegen Pyros, die im Block einigermaßen kontrolliert abgefackelt werden und nicht den Spielablauf stören.
    Aber dieses Gewerfe aufs Spielfeld und diese Scheißselbstinszenierung, nach dem Motto: „Wenn Ihr einen Fehlpass spielt, machen wir eben gleich das ganze Spiel kaputt“ geht mir mittlerweile nur noch auf den Sack. Ich hab keinen Bock mehr auf diese Vollidioten, die meinen, das Spiel für sich gepachtet zu haben und sich deshalb jeden Scheiß erlauben zu müssen.

  13. schneider3

    Warum spricht eigentlich niemand über den wahren Skandal? Nämlich das unfassbar hässliche Aufstiegsshirt der Fortuna. Wer macht denn sowas?!?

  14. Esleben

    @Max: Ich denke, man muss hier klar unterscheiden. Die Pyroaktionen auf beiden Seiten kommen mir im Nachhinein klar wie die von dir erwähnte Selbstdarstellung vor. Wie tief die Pyroaktionen in der Düsseldorf Fanszene aber verwurzelt sind, sieht man daran, dass Lumpi Lambertz nach Spielschluss schön mit der Fackel durchs Stadion gerannt ist.

    Der sogenannte „Platzsturm“ ist mMn aber nur deshalb so aufgebauscht worden, weil die Fortunen die Uhr nicht lesen können. Als ich den letzten Aufstieg des SCF in Koblenz feiern konnte, sind auch alle aus dem Freiburg-Block aufs Feld gerannt. Und das ist schon ein bisschen her, ohne dass es irgendjemand thematisiert hätte. Weitere Beispiele in der Historie werden ja gerade überall ausgegraben, aber für „friedliches“ Feiern von Fans mit der Mannschaft muss man sicher nicht bis in die frühen 90er oder 80er zurückgehen. Und nichts anderes war ja das, was die Düsseldorfer gemacht haben.

  15. Max

    Ich stimme euch beiden zu, absolut.
    Alles was ich sage, ist: Egal, ob das feiernde oder randalierende Fans waren: Ein faires Spiel war das in der Nachspielzeit nicht mehr. Und wenn ich als Profi auf dem Rasen stehe, während immer mehr gegnerische Fans sich knapp neben dem SPielfeld versammeln und dann auch noch das Spielfeld stürmen, dann sind auch keine fairen Bedingungen mehr gegeben. Dann nach 20 Minuten nochmal für 90 Sekunden anzupfeifen, mag zwar aus sicherheitstechnischen Gründen die richtige Entscheidung gewesen sein, aber mit Fußball hatte das doch nichts mehr zu tun.

    Was wäre denn passiert, wenn Hertha in diesen 90 Sekunden im Strafraum gefoult worden wäre? Hätte es dann Elfmeter gegeben? Was wäre dann passiert? Mit einer tausendfachen Menge, die direkt neben der SPielfeldlinie bereit stand? Oder wenn ein Tor gefallen wäre?
    Wären das dann auch noch feiernde Kinder gewesen oder hätten sich dann nicht doch eher die Chaoten durchgesetzt?

  16. Esleben

    Na ja, die Düsseldorfer argumentieren jetzt natürlich, dass durch den Aufmarsch der Staatsmacht vor dem Berliner Block schon kein richtiger Spielbetrieb mehr möglich gewesen wäre. Konsequenterweise hätte man da abbrechen müssen, dann wäre alles andere hinfällig.

  17. Max

    Richtig, aber was soll die Argumentation denn? Wieso kann ich denn nicht mehr Fußball spielen, wenn ein paar Polizisten neben dem Spielfeld stehen? Die werden mir wohl keine reinhauen, wenn ich ein Tor schieße…

  18. Halblinks

    es machen sich jetzt so viele über die Formulierung mit der Todesangst lustig.
    Ich stelle mir aber gerade vor, dass ich als Herthaspieler zum eigenen Tor blicke (weil dort ja gerade der Ball war) und mich umdrehe, um die letzten Sekunden aufs Düsseldorfer Tor zu stürmen und sehe auf einmal eine Masse Menschen auf mich zu laufen.
    Im Nachhinein stellen die Düsseldorfer das jetzt alles als freudetrunkende Fans dar. Klar. Aber woran merke ich das als Spieler in dem Moment wo es passiert. Zudem existieren durchaus Fotos, wo von freundlichen Düsseldorfern (gegenüber Herthanern) nicht so viel zu sehne ist.
    Dass da der eine oder andere Spieler tatsächlich einen fiesen Schecken/Schock bekommt halte ich garnicht für so weit hergeholt. Ob Todesangst die treffende Beschreibung ist, darüber kann man streiten.

  19. Guru von der Kreuzeiche

    Max, ich kann deine Argumentation nicht nachvollziehen. Denn auch die Düsseldorfer hätten Angst um ihre Sicherheit haben können. Nämlich genau dann wenn Bengalos auf den Rasen fliegen. Davon redet keiner mehr. Vielleicht war die Situation später auch deshalb so kritisch, weil dadurch massiv Ordner und Polizisten gebunden waren?

    Und Halblinks, bei diesen Geschehnissen haben sich die schreckhaften Herthaner aber nicht gefürchtet oder wie? Ich finde das alles so dermaßen verlogen. Sie waren ja auch noch so stark, später Spieler zu bespucken oder den Schiri anzugreifen. Ganz peinliche Schergen sind das in meinen Augen. Die ganze Saison hatten sie Zeit und jetzt liegt es an einer Minute, die alles geändert hätte. Das sagt alles über diesen Verein und diese Mannschaft. Und die Medien machen auch noch mit.

  20. Biertrinkischauchgern

    Also der Tagesschaukommentar ist endlich ein wenig reflektierter als diese albernen hysterischen Beiträge.
    Und was mich besonders freut, der Kommentator macht unter anderem die Kollegen seines eigenen Senders mitverantwortlich für die ganze Misere, dass nenn ich endlich mal Unabhängigkeit.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Spiel wiederholt wird, denn der Schiedsrichter hat das Spiel regulär zu Ende gebracht und dies wird denk ich entsprechend im Schiedsrichterbericht festgehalten. Daher wird es eben das Übliche geben mit Geldstrafe, Platzsperre, Geisterspiele….usw. Und ich bin auch der Meinung, damit sollte man diese Angelegenheit belassen. Denn das, was die Hertha-Fans gemacht haben, ist wie schon einige Kommentatoren davor genannt haben, ebenfalls sicherheitsgefährdend gewesen.

    Wie Kollege Goldschuh aber schon richtig festgestellt hat, rückt der viel größere Skandal, nämlich das was da in Karlsruhe sich abgespielt hat, in den Hintergrund.
    Hier wurde ganz gezielt körperliche Gewalt gegen Sicherheits- und Ordnungskräfte, Spieler usw. ausgeübt. Und das widerwertigste an dem Abend war für mich die Äußerungen von Manager Kreutzer, dass er Verständnis für diese Rektion hat. Gut, was will er sagen, wenn er nach dem Abstieg den Mob aufs Spielfeld rennen sieht. Trotzdem darf er sich zu solchen Äußerungen nicht hinreissen lassen, denn damitgibt er ja in gewisser Weise zu, dass der Verein vor dieser Meute kapituliert hat.

  21. Volker Geile

    Ich bin der Meinung, dass man dieses Spiel wiederholen muss. Nicht wegen der Bengalos, sondern weil sich wohl kaum abstreiten lässt, dass Hertha, die noch ein Tor schießen musste, massiv aus dem Spielrhythmus gebracht wurde. Und darüber hinaus würde ich die Wirkung von Hunderten – oder waren es Tausende? – von Fans einer gegnerischen Mannschaft auf die Hertha-Spieler würde ich mal nicht unterschätzen. Wer sagt denn in dem Moment, dass alle friedlich und voller Feierabsichten sind? Das sah im Verlauf des Spiels ganz anders aus – auch aus dem Düsseldorfer Blog sind so einige Bengalos geflogen, was selten ein Zeichen für hundertprozentig friedfertiges Verhalten ist.

    http://fusskopfball.de/2012/05/17/pladoyer-fur-ein-wiederholungsspiel/

  22. Max

    1. Soweit ich weiß, flogen auch aus dem Düsseldorfer Block bengalos.
    2. Ich finde es total unerheblich wie die Saison vorher war, mit der Begründung müsste man die Relegation gleich abschaffen, der erstligist hat ja immer die schlechtere saison als der Zweitligist gespielt.
    3. Aus Angst wird Wut und Aggression bei den Herthaspielern, da muss man kein Psychologe sein, um das nachvollziehen zu können. Auch wenn es natürlich nicht in Ordnung ist.
    4. Nach den Bengalos hätte man schon abbrechen müssen. hat man aber nicht. Danach war die Situation aber wieder unter Kontrolle durch die Präsenz der Polizei vor dem herthablock. In der Nachspielzeit herrschten aber keine regulären bedingungen mehr, erst recht nicht nach den zwanzig Minuten Pause. Und wenn man dann nicht Ordnungskräfte im Stadion hat, um beide fanblöcke zu kontrollieren, ist das die Schuld der Veranstalter.

  23. Guru von der Kreuzeiche

    Deine Argumentation ist seltsam. Man hätte also abbrechen sollen, hat man aber nicht und deshalb fällt das dann auch unter den Tisch? Du wirst wohl nicht bestreiten wollen, dass aus dem Hertha-Block mehrheitlich Bengalos auf den Rasen flogen. Auf der anderen Seite habe ich das nicht beobachtet. Aber darauf wollte ich auch gar nicht hinaus. Ich habe die Hertha-Bengalos als Argument angeführt, weil ich es so lächerlich finde, dass sie von Todesangst und Blutbad sprechen und Protest einlegen, obwohl von ihren Fans das halbe Stadion angezündet wurde. Das ist unglaublich. Vor allem, weil die 7 Minuten Nachspielzeit ihre Ursache in dieser Aktion haben. Und wenn diese Mädchen von Hertha-Spielern schon Todesangst haben, wenn ein paar Fans um das Spielfeld herumstehen, dann sollten sie nie in der Landesliga oder so spielen. Wie gesagt: Stark genug, nachher Spieler zu bespucken und Schiedsrichter zu schlagen, waren sie ja. Wenn man dafür als Belohnung noch ein Wiederholungsspiel bekommt, dann möchte ich mit diesem Sport nichts mehr zu tun haben.

    Meiner Meinung nach sollten einfach alle mal akzeptieren, dass das Spiel zuende gespielt wurde und dass Düsseldorf sich in diesen beiden Spielen durchgesetzt hat. Hertha hat den Abstieg verdient, nicht aber ein Wiederholungsspiel. Das wäre absolut grotesk. Dann muss man auch den Schiedsrichtern die Gewalt über die Spielleitung absprechen, wenn es danach eh anders kommt, obwohl das Spiel rechmäßig abgepfiffen wurde.

    Und zur Relegation: Richtig, bitte abschaffen! Hab ich schon immer gesagt:
    http://www.5-freunde-im-abseits.de/2011/05/20/relegation-institutionalisierte-ungerechtigkeit/

  24. Max

    Irgendwie tust du so, als hätten die Hertha-Spieler die Bengalos aufs Spielfeld geworfen.

    Es geht nicht darum, den einen Scheiß (Bengalos aufs Spielfeld) gegen den anderen Scheiß (1 Minute vor Abpfiff aufs Spielfeld rennen) aufzuwiegen. Unrecht macht kein Unrecht gut.
    Es geht einfach darum, dass das Spiel nicht unter fairen Bedingungen zuende geführt wurde. Egal, wer das verursacht hat und welche Farben die Idioten, die dafür verantwortlich sind, getragen haben. Sondern schlichtweg darum, jeder Mannschaft eine faire Chance zu ermöglichen, innerhalb der Spielzeit (90 Minuten + Nachspielzeit) ein Tor zu schießen. Und das war hier nicht der Fall.

    Und ja, ich finde es genauso beängstigend (wenn nicht mehr), wenn 1000 Fans auf dich zurennen, die alle für deinen Gegner sind und denen du kaum entkommen kannst, als wenn Bengalos aufs Spielfeld geworfen werden (egal, von welchen Fans), denen man entgehen kann, indem 20 Meter nach vorne läuft.

    Und unter den Fans waren sicher nicht nur Frauen und Kinder.

  25. Guru von der Kreuzeiche

    Ach so, und die Düsseldorfer Spieler haben das Feld gestürmt oder wie? Beide Mannschaften hatten in Berlin über 90 Minuten und in Düsseldorf sogar über 97 Minuten die Möglichkeit, Tore zu schießen. Punkt. Das Spiel wurde regulär vom Schiedsrichter abgepfiffen. Nach der voll gespielten Nachspielzeit. Genau das war der Fall. Das ist die faire Chance. Alles was jetzt passiert, hat mit Fairness nichts mehr zu tun.

    Und mir kommen einfach nur noch die Tränen, wenn ich dieses Angst-Arguement höre. Dann sollen sie halt im Wohnzimmer häkeln, meine Fresse. Keinem einzigen Spieler ist etwas passiert. Die wollten doch gar nichts von denen. Der einzige Verletzte war der Schiedsrichter.

  26. Halblinks

    @Guru: ist ja ok, wenn du die Hertha nicht leiden kannst. Und JA, diese Truppe hat den Abstieg mehr als verdient. Nur darum geht es hier doch garnicht.
    Es geht um die Frage, ob dieses Spiel, den Regularien folgend, korrekt zuende gespielt wurde. Es werden auch Spieler mit roten Karten des Feldes verwiesen, weil der Gegenspieler sich „hätte verletzen können“, ganz unabhängig, ob er sich verletzt hat oder nicht. Was wäre denn passiert, wenn die Hertha tatsächlich ein Tor macht, während die Fans direkt am Rasen stehen? Wer garantiert da noch für Sicherheit? Und dafür gibt es eben Regeln. Und für deren Einhaltung in Düsseldorf hat der Heimverein zu sorgen.
    Natürlich war es Mega-Unfug, was da einige Berliner Fans abgezogen haben. Das stellt niemand in Abrede und will auch niemand verharmlosen. Selbstredend gehört auch dafür eine entsprechende Strafe ausgesprochen.
    Und noch ein Nachsatz zu der „Todesangst“. Ich habe nicht behauptet, dass alle Herthaspieler davon „betroffen“ waren. Christian Lell ganz offensichtlich z.B. nicht. Dennoch will ich nicht in deren Haut stecken. Erst rennst du, zumindest verschreckt, vor anstürmenden Fans in die Kabinen (Du weist ja nicht, dass die „nur“ feiern wollten) und steckst dort dann 20min fest. Die Spieler haben (im Gegensatz zu uns Zuschauern) ja nicht erlebt, was auf dem Rasen passierte. Wir hatten die Chance, das zu bewerten und festzustellen, dass die Fans ULTRAdämlich, aber immerhin friedlich waren. Diese Einschätzung war den Spielern aber vorenthalten. Die saßen in der Kabine oder im Gang. Ich war nicht dabei und will nichts beschönigen, aber dass dann als Folge der Anspannung und Erregung im Kabinengang auch etwas unschönere Formulierungen gefunden wurden, kann ich mir zumindest vorstellen.
    Egal, welche Entscheidung nun getroffen wird, es wird immer eine Gegenpartei geben, die argumentieren wird, dass man Platzstürme dann zukünftig zu seinem Nutzen einsetzen könne.

  27. Guru von der Kreuzeiche

    Und als kleiner Nachtrag zum Blutbad-Märchen der Berliner, ein Interview mit dem Polizeipräsidenten:
    http://www.rp-online.de/region-duesseldorf/duesseldorf/nachrichten/fortunen-waren-nicht-aggressiv-1.2835971

    „Die Aggression ging ausschließlich von Hertha-Fans aus. Und dass wir als Polizei die Spieler auf den Platz zurück genötigt hätten, ist schlicht unwahr.“

    Es war also nie, wie vom Hertha-Anwalt behauptet, die Rede von einem drohenden Blutbad bei Abbruch?

    “ Nein. Der Schiedsrichter hat unseren Einsatzleiter gefragt, ob der, nachdem der Innenraum frei war, Sicherheitsbedenken gegen eine Fortsetzung habe. Die hatte er nicht. Und das war’s.“

  28. Halblinks

    der Typ ist ja ein Heuchler vor dem Herren. Auch der Einsatzleiter der Polizei hat natürlich das Anrecht darauf Fortunafan zu sein.

    Herthafans sind sauer wegen des Gegentores und werfen Pyros auf den Rasen = ganz böse und gefährlich!

    Düsseldorffans freuen sich, laufen auf den Rasen zünden dort Pyros und werfen sie rum/auf den Rasen = Ganz toll und harmlos!!! vor allem „geordnet“!!!!

    Tut mir leid, das kann ich nicht ernst nehmen.Das ist alles abscheulich oder alles ok. Nach welchem Kriterium beurteilt er denn das Abbrennen im Düsseldorfer Block?

    Dieser Mann ist nie und nimmer unparteiisch und unvoreingenommen!
    Aber schluß, mir ist es egal. Die Hertha hat den Abstieg verdient. Nur wenn jetzt nicht endlich mal konsequent ein Zeichen gesetzt wird, dann sehe ich bald schwarz für den Fußball!

  29. Max

    Guru, du willst noch nicht verstehen. Ich sage nur, dass man das eine mit dem anderen nicht aufwiegen kann. Die herthaner schmeißen mit böllern also dürfen die anderen eigenmächtig das Spiel mit einem platzsturm beenden? Na dann gute Nacht.
    Und ja ich gestehe es auch einem fußballspieler zu, Angst vor einer heranstürmenden Menge zu haben. Jetzt bring bitte noch das Argument „die verdienen schließlich genug“.

    Linksaußen hat es gut zusammengefasst, wir können uns auch lange streiten, der DFB hat eh nicht den Mumm, das Spiel wiederholen zu lassen.

  30. Guru von der Kreuzeiche

    Nein, ich habe nicht gesagt, dass man das aufwiegen sollte. Ich habe gesagt, dass man keinen Protest gegen eine völlig überdramatisierte Sache einlegen sollte, wenn die eigenen Fans zuvor fast einen Spielabbruch provoziert hatten.

  31. Bergisches Land

    In einem Land, wo Totschläger Bewährung bekommen, Millionenbetrüger auf Bewährung rumlaufen, wo Politiker nicht auch nur ansatzweise mit ihren Parteien für Milliardenschäden aufkommen müssen, fordert dieser Pressebrandstifter 1 Jahr Stadionverbot für Fortuna Düsseldorf ? Warum darf Hertha BSC denn weiterhin im Olympiastadion spielen, nach den Vorkommnissen gegen den FCN ? Warum spielte Eintracht Frankfurt letzte Saison in der Commerzbankarena, nachdem GEWALTBEREITE Fans in beiden Fällen den Platz stürmten ?
    Herr Exner, wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Dress* halten (frei nach Dieter Nuhr).

  32. Bergisches Land

    Kleiner NAchtrag:
    Fair wäre eine Wiederholung der besagten Minuten, in denen dieH erthaspieler Küttel in der Bux hatten. Und das mit 11 Fortunen gegen 10 Herthaner.
    Warum sollte ein verein, der in den 95 Minuten vorher nicht in der Lage war auch nur eine Minute rechnerisch gerettet gewesen zu sein, eine neue Chance mit 11 Mann bekommen ? Und wenn dann eben nur in der o.g. Konstellation ohne die Spieler (4 x Hertha + Ben-Hatira und Fortuna 1x Lambertz). Keiner kann glauben, das Kobiashvili spielen dürfte, nachdem er den Schiedsrichter geschlagen hat.

  33. Max

    Ich bleibe dabei: wann soll man überhaupt ein Spiel abbrechen, wenn nicht in dem Moment in dem hunderte Fans das Spielfeld stürmen und es allein zwanzig Minuten dauert, um die wieder wegzubekommen? Die herthaspieler in Geiselhaft für ihre Idiotenfans zu nehmen ist Schwachsinn. Ich will auch nicht die fortunaspieler für ihre fans verantwortlich machen , wenn die herthafans gestürmt hätten, würd ich das gleiche fordern.

  34. Nörgelpitter

    Sagen Sie mal Max, was behaupten Sie hier für einen Unsinn?

    1. Bei der Spielfortsetzung nach der 20 minütigen Unterbrechnung waren keine Fans mehr am Spielfeldrand. Diese Tatsache lässt sich anhand der TV-Bilder leicht überprüfen.

    2. Die Unterbrechung hat nur deshalb 20 Minuten gedauert, weil sich Hertha geweigert hat weiterzuspielen. Sonst hätte das Spiel bereits nach knapp 10 Minuten fortgesetzt werden können.

  35. Esleben

    Ich glaube, es ist unstrittig, dass es in diesem Spiel zwei Anlässe gegeben hätte, das Spiel abzubrechen. Keine Mannschaft hätte sich beschweren dürfen, wenn es so gekommen wäre. Beides war für den Schiedsrichter jedoch nicht Anlass genug abzubrechen, warum auch immer. Demnach, und darauf wird sich wohl der DFB festlegen, gilt das Spiel als regulär zu Ende gespielt.

    Hätten die Fortuna-Fans nach dem offiziellen Spielschluss den Platz gestürmt, ich glaube nicht, dass wir uns heute über Dinge wie „Chaos“ oder „Skandal“ unterhalten müssten. Stattdessen wären die Zeitungen und TV-Sender voll von feiernden Fans gewesen, und statt eines Brennpunktes (sic!) hätte man sich die Übertragung der Aufstiegsfeier ansehen können. Und das ist bei der ganzen Geschichte das Verlogenste.

    Bezüglich Relegation trifft der Kommentar der Tagesthemenden nagel auf den Kopf: Durch die hohe sportliche Bedeutung wird die Relegation zum ganz großen Drama, dessen sportlicher Wert fragwürdig, dessen TV-Wert aber umso größer ist. Deshalb: Relegation abschaffen, jetzt!

  36. Goldschuhe aus

    Fakt ist auf jeden Fall: Die Fortuna hat durch die ganze Geschichte meine Sympathien gewonnen. Fand ich sie vorher noch den schlimmsten Verein der Welt (Rösler, Wolf Werner und Norbert Meier bleiben natürlich dennoch Vollhonks), sind sie jetzt definitiv nur noch der zweitschlimmste Verein der Welt. Profi-Spieler, die den Schiri vermöbeln und beleidigen? Und dann noch wegen angeblich 10 fehlenden Sekunden vors Sportgericht ziehen? Sorry, alleine dafür ist der Gang in Liga 2 mehr als verdient.

  37. Philipp

    @Max: Da du deine Meinung hier ja sehr vehement vertrittst: Die Nachspielzeit war von der 94. bis zur 96. Minute problematisch, das ist die einzige Zeit, zu der sich Fans im Innenraum befunden haben. Das haben aber weder die Schiedsrichter, noch die Herthaspieler als Anlass zu einer Unterbrechung genommen. Beim folgenden Platzsturm blieben auch die Herthaner ruhig auf dem Platz. Todesangst ist irgendwie anders. Wie Nörgelpitter schon schrieb: NACH der langen Unterbrechung war kein Zuschauer mehr im Innenraum. Das war übrigens schon nach 12 Minuten der Fall, das Feld selber war nach weniger als 2 Minuten wieder frei. Deine Argumentation ist Unsinn!

  38. Halblinks

    wenn Fortuna heute beim Sportgericht mit dem Ergebnis durchkommt, dass das Spiel Bestand hat, dann kann man den Bayernfans morgen in München ja nur raten, den Platz in der 80.Min „freudetrunken und fahneschwenkend“ zu stürmen, wenn Bayern 1:0 führt und Chelsea am Drücker ist.
    Nimmt man den Engländern das Momentum, unterbricht die Partie ein paar Minuten, verlässt den Platz wieder ganz friedlich und gewinnt das CL-Finale, weil Chelsea danach von der Rolle ist.
    Wäre doch ein gangbarer Weg. Ich meine das mitnichten sarkastisch, sondern ernst.
    Und wenn jetzt einer kommt und mir vorhält, dass darüber dann ja nicht der DFB, sondern ggf. die UEFA richten würde, dann lache ich ab. Und wenn mir weiter einer erzählen will, dass Chelsea keinen Protest einlegen würde (weil das ja schließlich nur die unsympathischen Berliner tun würden), dann lache ich nochmal ab.

  39. Goldschuhe aus

    @Halblinks: Und jetzt bitte nochmal das gleiche Szenario für ein Wiederholungsspiel anlegen! Wo ist der Unterschied? Jedes Urteil könnte theoretisch von irgendeiner Seite instrumentalisiert werden. Insofern kann es hier eh nur eine richtige Lösung geben: Tatsachenentscheidung des Schiris. Fertig. Ansonsten kommste in Zukunft nicht mehr aus dem Verhandeln raus, wenn der Tatsachenentscheid quasi abgeschafft wird.

  40. Esleben

    Der Schaden ist für beide Teams so oder so irreparabel und beide werden durch diese Hängepartie, die ja wohl noch weiter verlängert wird, im nächsten Jahr massive Probleme bekommen in ihrer jeweiligen Klasse zu bestehen. Bisher kann ja noch keins der beiden Teams planen, noch seine Spieler zwecks Regeneration in den Urlaub schicken.

    Wovor der DFB mit diesem Urteil kneift, sei einmal dahingestellt, die Berliner Spieler haben es mit ihrem Verhalten und dem nassforschen Todesangst-Schwadronieren ihres Anwalts dem DFB auch verdammt leicht gemacht, so zu urteilen.

  41. Goldschuhe aus

    Mein Gott, der Kommentar in der Berliner Zeitung ist ja ein unfassbarer Schlag in die Fresse. Mit dieser Stimmung und der aktuell laufenden hervorragenden Vorbereitung wirds ja ein geiles Zweitligajahr für die Hertha. Da ist Eisern! Union! der Bundesliga ja näher. Und das mit Recht.

  42. Guru von der Kreuzeiche

    Max glaubt noch immer, dass der DFB allen Ernstes belohnt, wenn

    1. die glatte Unwahrheit behauptet wird
    2. der Polizei Aussagen unterstellt werden, die nicht getätigt wurden
    3. das Spiel durch die eigenen Fans zwei Mal vor dem Abbruch stand
    4. Spieler den Schiedsrichter schlagen.

    In welcher Welt lebst du?

    Jetzt diese ganze Berufungssache durchzuziehen ist noch peinlicher als alles, was davor war. Wenn Preetz schlau wäre – er hat allerdings mehrfach das Gegenteil bewiesen – würde er sich jetzt auch mal auf die Saisonplanung konzentrieren. Man sieht einfach, dass er seinen wirklichen Job nicht kann bzw. nicht ernst genug nimmt. Eins hat er zumindest erreicht: Er hat den Düsseldorfern jede Feier und der Mannschaft die verdiente Reise zum Saisonabschluss verdorben. Warum kapieren manche nicht, wann sie verloren haben?

  43. Goldschuhe aus

    Naja, ich verstehe schon, dass die Berliner versucht haben, ihre Position vor Gericht durchzubringen. Ich kann sogar irgendwie verstehen, dass die sich im Recht fühlen. Nur irgendwann sollte es halt schon mal „klick“ machen. Aber bei Hr. Preetz hats ja schon öfter mal zu spät klick gemacht (vgl. Skibbe, Michael).

  44. Esleben

    Bezeichnend, dass der FAZ-Artikel von einem Feuilleton-Redakteur geschrieben wurde, der darin mehr Sinnvolles über den Fußball untergebracht hat, als seine Kollegen aus dem Sportteil, die bei der FASZ beileibe nicht die schlechtesten sind. Es krankt halt auch ganz gewaltig am Interesse der Sportpresse an ihrem Gegenstand, und dazu gehört eben nicht nur das Spiel, sondern auch das, was ich jetzt mal als Kultur des Sports bezeichnen möchte.

  45. Goldschuhe aus

    Es krankt halt einfach daran, dass auch die Sportjournalisten wenig Kontakt zum gemeinen Fußballvolk haben. Würde der Kicker-Redakteur mal eine Auswärtsfahrt mitmachen, würde er sicherlich einige Dinge besser verstehen. Aber auf der Pressetribüne hofiert, fehlt es halt an teilnehmender Beobachtung. Wobei man drüber streiten kann, ob das vielleicht tatsächlich weniger Aufgabe des Sport- als des Gesellschaftsjournalismus wäre.

  46. Guru von der Kreuzeiche

    Die meisten Sportjournalisten haben aber auch gar nicht den Anspruch, irgendetwas verstehen zu wollen. Ich glaube, dass der gemeine Kicker-Redakteur halt einfach nur stumpf ist und seine 1:0-Berichterstattung durchbringen will. Kein Ehrgeiz, nur Bequemlichkeit. Und vielleicht auch oft genug mangelndes Talent. Guck dir die Nasen doch mal beim Dopa an.

  47. Goldschuhe aus

    Nächste Absurdität: Hertha erklärt schonmal vorsorglich, das Urteil am Freitag zu akzeptieren. Da würde ich als Richter jetzt ja auch zweimal überlegen, ob ich das alles nochmal neu aufrolle oder das Urteil der ersten Instanz einfach bestätige…

  48. Esleben

    Entweder sind sie sich ihrer Sache ganz sicher, oder einfach nur von schlichtem Gemüt. Eine inzwischen absolut elende Posse, das Ganze.

  49. Guru von der Kreuzeiche

    Der Trend geht ja schon länger dahin, dass die wirklich relevanten Berichte zu Fußball nicht aus den Sportredaktionen kommen. Das beste Beispiel ist die Fast-Pleite von Borussia Dortmund. Und das Feuilleton schreibt auch immer mehr über Fußball. Das zeigt meiner Meinung nach, dass Sportredakteure schon lange nicht mehr ihrer ureigenen Rolle nachkommen, sondern sich auf 1:0-Bericht- bzw. Hofberichterstattung konzentrieren. Es ist halt auch ungemütlich, wenn man sich beim 5. Pils im VIP-Bereich vor den Vereins- und DFB-Schergen rechtfertigen muss oder – viel schlimmer für die Jungs – vielleicht gar nicht mehr in diesen elitären Kreis eingeladen wird. Ist halt eine ganz unheilige Allianz.

  50. Goldschuhe aus

    Die Frage ist halt, ob solche Fragestellungen in dem Artikel nicht wirklich eher Feuilleton-Themen sind. Vielleicht kann die Sportredaktion auch nicht mehr leisten, die sind ja nun auch primär für die Sportberichterstattung zuständig, nicht für die Einordnung in gesellschaftliche Kontexte.

  51. Guru von der Kreuzeiche

    Naja, das verlang ich ehrlich gesagt schon, vor allem von den überregionalen Medien, dass sie das Phänomen Fußball auch gesellschaftlich einordnen. Zumindest von Zeit zu Zeit mal kritisch hinterfragen.

  52. Guru von der Kreuzeiche

    Wahnsinn:
    „Das Publikum wird als wesentlicher Bestandteil eines Fußballspiels betrachtet“, heißt es dort. Und, immerhin: „Es wird nicht von den Fans verlangt, das Spiel stillschweigend anzuschauen. Wenn die Mannschaften durch Zurufe, Singen usw. angefeuert werden, kann dies die Stimmung im Geiste des Fairplay positiv beeinflussen.“