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Wappen VfL BochumNun ist es soweit. Der VfL Bochum ist mal wieder abgestiegen. Eigentlich unfassbar, wenn man bedenkt, dass der Verein am 24. Spieltag nach dem Unentschieden gegen Nürnberg 10 Punkte Vorsprung hatte auf den direkten Abstiegsplatz. Doch dieser Abstieg hat viele Väter, und er ist so verdient wie selten. Wir blicken zurück:

34. Spieltag der Saison 2008/2009. Der VfL Bochum ist gerettet, mal wieder. Zum dritten Mal in Folge. Also alles gut?
Leider nein. Denn auch in dieser Saison rettete sich der VfL nur dadurch, dass es drei Vereine gab, die noch dümmer waren.
Nach der Hinrunde stand man mit 11 Punkten auf dem vorletzten Platz. Genauso wie diese Saison sorgte ein Zwischenhoch zwischen dem 18. und 25. Spieltag dafür, in dem man 14 Punkte holte, für zwischenzeitliche Erholung. Danach reichte ein Sieg gegen desolate Hoffenheimer und bereits gerettete Frankfurter zum Klassenerhalt mit 32 Punkten. Selbst Gladbach rettete sich mit 31 Punkten noch.

Aber schon damals hat man in Bochums Führungsetage nichts erkannt: Zur Winterpause kam mit Diego Klimowicz genau ein Neuzugang.
Und nach der mehr als glücklichen Rettung hies es dann, der Kader sei eingespielt, er müsse nur ergänzt werden. Ein Hohn angesichts der Leistungen in der abgelaufenen Saison.
Man verpflichtete also mit Dedic einen Stürmer, der zwar Slowenische Nationalspieler ist, aber in Italiens Zweiter Liga spielte. Dazu mit Johansson einen Mitläufer aus der schwedischen Liga.

Schon damals hatte man immer den Eindruck, die Mannschaft macht nur das Nötigste: Wenn es drauf an kam, hat sie die Spiele irgendwie gewonnen, aber Worte wie Konstanz oder Weiterentwicklung waren Fremdworte.

Mit dem erwarteten Ergebnis: Der Saisonstart war eigentlich schon nach 41. Minuten im ersten Spiel dahin, denn Gladbach führte 3:0 in Bochum. In diesem Spiel schaffte man durch 2 Geniestreiche von Azaouagh und nach einer roten Karte für Gladbach noch das 3:3, aber das täuschte über Vieles hinweg. Was folgte, waren einige Niederlagen, mit einen Sieg gegen Hertha zwischendurch (wieviel der Wert war, sollte man im Laufe der Saison sehen). Nach dem 2:3 gegen Mainz wurde denn letztendlich Koller entlassen (mehr dazu in diesem Artikel). Der Schuldige war auch für die Verantwortlichen gefunden, denn von der Mannschaft waren sie ja überzeugt.
Frank Heinemann wurde Übergangstrainer, und es änderte sich wenig. Ein kurzes Aufflackern mit einem Sieg in Nürnberg, aber eben auch wieder beschämende (weil ohne Kampf) Niederlagen gegen Schalke (Pokal) und Dortmund.

Kurz darauf sollte es dann also Heiko Herrlich machen. Ein junger Trainer, voller Ideen und Tatendrang.
Nach einem etwas holprigen Start kamen auch erste Erfolge, man sah wieder ein Spielsystem, und setzte sich in der Rückrunde mit einer Serien von 8 ungeschlagenen Spielen bis auf 10 Punkte vom Abstiegsplatz ab.
Am 25. Spieltag führte man zur Halbzeit 1:0 in Wolfsburg und wähnte sich schon beim Klassenerhalt. Herrlich wechselte ohne Not Epalle und Hashemian aus, und Bochum kam noch 1:4 unter die Räder.

Und plötzlich gings nichts mehr. 1 Punkt aus den letzten 10 Spielen, darunter komplette Arbeitsverweigerungen wie das 1:4 zu Hause (!) im Derby (!) gegen Dortmund. Am 31. Spieltag konnte man sich bei den bereits geretteten, heimschwachen Kölnern ebenfalls fast sicher retten. Das Ergebnis: 0:2, desolat.

Und die Krönung dann beim letzten Saisonspiel:
Ein 0:3 gegen den direkten Konkurrenten Hannover, ohne Kampf, ohne Biss. Hier schloss sich dann der Kreis zum ersten Saisonspiel, denn auch hier stand es 0:3 zur Halbzeit. Mit dem Unterschied, dass diesmal keine Aufholjagd gelang, weil der Gegner wusste, worum es geht.

Und hier schließt sich auch dann der Kreis zum Titel dieses Artikels:

Die Spieler wollten Herrlich nicht mehr haben, sie gaben ihm die Schuld für die Leistungen der letzten Wochen. Bezeichnend: Herrlich schließt Epalle vom Training aus, weil der sich weigerte, Schienenbeinschoner zu tragen. Nachdem Teile der Mannschaft sich so lange bei der Vereinsführung beschwehrt haben, bis diese nachgab und Herrlich feuerte, laufen beim nächsten Training alle Spieler demonstrativ ohne Schienenbeinschoner auf.
Sie wollten also zeigen: Seht ihr, Herrlich war zu streng, er hat uns gehemmt. Sie hatten die Chance, es gegen Hannover zu beweisen. Das Ergebnis ist bekannt.
Das es Integranten im Verein gibt, die permanent Informationen an die Boulevardpresse rausgeben, hat Herrlich ja bereits angedeutet (zu lesen hier. Nach seiner Entlassung sagte Herrlich noch:

Wenn Spieler in Bochum offenbar die Gelegenheit haben, sich bei Leuten aus der Führungsebene zu beklagen, dann hast du als Trainer keine Chance. Das habe ich früher mal in Dortmund erlebt. Dann können die Verantwortlichen hundertmal sagen: Wir halten zum Trainer.

Wosz wurde geholt, damit er die Stimmung im Team verbesserte. Geändert an der Leistung(sbereitschaft) hat es nichts.

Das Endergebnis: Bochum steht vor einem Trümmerhaufen: Ein grottenschlechtes Team, das sich bei zu viel Druck direkt beschweren kann, ein ahnungsloser Manager, der bisher nahezu alles falsch gemacht hat, was er falsch machen konnte, wütende Fans und geschätzte 3 Millionen Euro Abfindung für Herrlich, die großartige Änderungen am Kader quasi von vorneherein verhindern.
Die Inkonsequenz von Managerazubi Ernst wird dadurch untermauert, indem er erst sagt, er gehe mit Herrlich auch in die zweite Liga, in zwei Wochen später rausschmeisst, und nachdem das auch katastrophal verpufft ist nichtmal den Mut hat, seine Unfähigkeit einzugestehen und zurückzutreten. Stattdessen will er “den Neuaufbau vorantreiben”.
Bezeichnend auch der letzte Spieltag: Erst werden 10.-12.000 Karten an Hannover verkauft und damit ein Teil des Heimvorteils verschenkt, dann wird in einer Panikaktion die Aktion des Gegners kopiert und 10.000 T-Shirts vor dem Stadion verschenkt. Eigeninitiative: Null.

Sollte sich nicht ganz schnell einiges im Verein ändern, besonders in der Führungsetage, war letzten Samstag das für lange Zeit letzte Bundesligaspiel in Bochum.
Leute von Kuntz und Herrlich, bei denen man das Gefühl hatte, sie könnten im Verein etwas bewegen, werden entlassen, Amateure wie Ernst werden behalten.
Das Anforderungsprofil des Aufsichtsratsvorsitzenden für Mitarbeiter scheint einfach zu sein: Bloß keine guten Ideen, und wehe, es kostet Geld.

Gute Nacht, VfL.