Westfalia Herne, 4. Spieltag

Am Grill erzielte Westfalia Herne wieder Topergebnisse, den Platz verließen die Spieler diesmal jedoch ohne Punkte. Auch im zweiten Heimspiel der Saison 2007/2008 sprang kein Sieg heraus. Durch ein Gegentor in den letzten Sekunden verlorer die Herner sogar das sicher geglaubte Remis gegen die Zweitvertretung des VfL Bochum.

Zu dritt traten die Abgesandten der 5 Freunde im Abseits diesmal den teilweise sehr weiten, teilweise sehr kurzen Weg zum Stadion am Schloss Strünkede an. “Goldschuhe aus” nahm die U35 aus Bochum, “Don” fuhr per PKW aus Essen an und “Vollspann!” hatte als Herner die kürzeste Anreise. Wie immer gab sich die Prominenz im Westfalia-Stadion ein Stelldichein. Diesmal sichteten die 5 Freunde US-Schauspieler Jerry Stiller, besser bekannt als Arthur Spooner aus der Comedy-Serie “King of Queens”. Und in der Halbzeit sollte Atze Schröder das 5FiA-Trio ansprechen. Herne hat anscheinend ein schier unendliches Reservoir an Doppelgängern, die immer wieder geschickt das Stadtbild aufhübschen.

Kein Doppelgänger, sondern das Original von Sami El-Nounou – Ex-Westfaliakicker und Publikumsliebling in Herne – trägt seit dieser Saison das Trikot mit der Nr. 9 des VfL Bochum 2. Eine gutgemeinte Choreo der Herner Fans verpuffte allerdings im Nichts. Der Text des kurz vor Anpfiff präsentierten Banners “Den Spieler habt ihr uns genommen, unseren Sami bekommt ihr nie” ergab irgendwie nicht so recht Sinn. Da war die Version, die mir der weltbeste Fotograf aus Herne Tobi Bärmann noch etwa 11 Stunden vorher auf einer Spontanparty von Tengu-Basement-Chef Sebastian Maier verriet, etwas besser. Tobi sagte: “Den Spieler habt ihr uns genommen, den Freund bekommt ihr nie.”

Wie die Feuerwehr legte die Westfalia los, allerdings nur für 5 Minuten. Danach bestimmte der VfL, der mit Teilzeitprofis wie Heinrich Schmidtgal, von seinen Mitspielern nur liebevoll “Schmiddi” genannt, und Marc Sand antrat, die Partie. Und mit den Flügelflitzern Schmidtgal auf links und der Bochumer Nr.7, Jürgen Duah, auf rechts, einem dribbelstarken Mann, hatten die Herner ihre liebe Müh. Der Rechtsaußen vernarrte Mitte der 1. Halbzeit die gesamte Westfalia-Abwehr, passte flach in den Strafraum und irgendjemand netzte den Ball im Durcheinander trocken ein – 1:0 für Bochum. Danach tat der VfL etwas ganz anderes – nämlich gar nichts mehr. Doch den Hernern fiel außer den Jan Koller-Gedächtnisflanken, von hinten einfach nach vorne pöhlen, nicht viel ein. Und blöderweise landeten diese Pässe auch immer bei einem Bochumer.

Hatte die Bratwurst den Härtetest im ersten Heimspiel schon mit Bravour bestanden, trat Kollege “Don” an, um diesmal die Steaks zu bewerten. Und sein Urteil fiel durchweg positiv aus. Auch Kollege “Goldschuhe aus” genoss die Qualität der Fleischlappen im Brötchen, gewürzt mit ordentlich Stadion-Ketchup. Frisch gestärkt ging es in die 2. Halbzeit.

In der die etwa 500 Zuschauer eine andere Westfalia sahen. Mittelfeldspieler Arben Tahiri ließ nicht nur seine von den Zuschauern bemängelten gelben Schuhe (Auch “Goldschuhe aus” forderte lautstark: Gelbschuhe aus) in der Kabine, sondern die gesamte Mannschaft auch die “Lang nach vorne und dann mal gucken”-Taktik. Nun wurde ganz ansehnlich Fußball gespielt. Bochum tat weiterhin nichts, allerdings waren sie frisurtechnisch ganz weit vorne. Alles war vertreten: Von “desolater Frise” (O-Ton “Don” über den Olli-Kahn-Fasson von VfL-Torwart David Buchholz), über Vollglatze (Rouven Schröder) und Fußball-Popper-Schnitt (Kevin Wölk) bis hin zum Minipli (David Zajas).

Der Druck der Herner wurde irgendwann belohnt. Nach etwas Tumult im Bochumer Strafraum und einer Kerze nahm Westfalia-Kicker Dennis Gidaszweski auf der linken Seite mit links Maß und knallte den Ball trocken und humorlos halbhoch ins lange Eck. Nach seinem fulminanten Tor im ersten Heimspiel schon das zweite Tor des Monats des langen Mittelfeldspielers.

In der Folgezeit erarbeitete sich die Westfalia weitere Chancen, aber der Linienrichter, der anscheinend seinen verpassten Traumberuf Fluglotse mit seinem Linienrichter-Job zu kompensieren versucht, wedelte ein paar Mal zu oft mit der Fahne. Nicht immer war es Abseits, was die Unparteiischen entschieden. Es kam wie es kommen musste. Bochum gab wieder etwas mehr Gas. Und wieder einmal bekamen die Herner den Ball nicht aus dem eigenen 16er, was Jürgen Duah zum 2:1 in der 93. Minute nutzte.

Alles in allem bleibt festzuhalten, dass die Rahmenbedingungen bei Westfalia stimmen: Wurst lecker, Wetter gut, Stadion legendär, Menschen nett. So langsam wären aber auch mal drei Heimpunkte angebracht, um den Fußballgenuss perfekt zu machen.

Über den Autor: Vollspann!

Optimistischer Pessimist und Schöngeist aus dem Ruhrgebiet (Herne). Als hochtalentierter Passivsportler und Dauergast beim BVB kennt er Höhen und Tiefen des Fußballsports.