Genug! (Ein unvollständiger Spieltagsbericht)

Ich habe an diesem Spieltag zwei Begegnungen via Premiere verfolgt: Frankfurt gegen Hannover und Berlin gegen Bochum. Mir reichts. Das Pokalspiel der Eintracht in Dortmund werde ich demonstrativ nicht wie geplant im Stadion verfolgen. Auch, wenn diese Demonstration unbemerkt verpuffen wird.


Dieser Fußball der Bundesliga ist so unerträglich für den Zuschauer, dass ich mich mehr und mehr frage, wieso jede Woche alle Stadien voll und die Einschaltquoten gigantisch sind. Ich will nicht behaupten, dass der Fußball qualitativ schlecht ist, der in Deutschland gekickt wird, er ist vielmehr von der Taktik zerfressen und zerstört.

Nehmen wir als Beispiel Frankfurt gegen Hannover. Da standen exakt zwei Leute auf dem Platz, die ausschließlich offensiv ausgerichtet waren: Amanatidis und Hanke. Daneben 18 weitere Feldspieler, deren Aufgaben von ihren Trainern mehr oder weniger stark ausgeprägt mit einem “Fehler vermeiden, zu null spielen” umrissen wurden.

So macht das keinen Spaß. In den beiden Spielen, die ich an diesem Wochenende gesehen habe, habe ich eine einzige wirklich Torchance gesehen: das 2-0 für die Berliner. Ansonsten stehen sich 18 Leute im Mittelfeld auf den Füßen und es folgt ein Rumgestochere, was jeder Beschreibung spottet.

Der Kick in Frankfurt war dabei noch wesentlich schlimmer als der in Berlin, da nicht mal ein albernes Eigentor fallen wollte. Ich habe das Gefühl, in der Bundesliga wird durchweg nicht mit der vielzitierten “Doppelsechs” sondern eher mit einer “Vierfachsechs” gespielt. Keine der Mittelfeldspieler sind mal dauerhaft an Offensivaktionen beteiligt.

Einzige rühmliche Ausnahme der Tristesse war in Frankfurt Patrick Ochs, der zumindest in der zweiten Halbzeit zwei bis drei sehr erfolgversprechende und dynamische Vorstöße hatte. Ansonsten war das unwürdig.

Ich mag den Frisuren-Ali inzwischen wieder richtig gerne, weil er sich wenigstens nicht an der verbalen Verschwörung um diese Geschehnisse beteiligt, sondern klipp und klar sagt, was alle anderen dieser Fußballmentalitätsverbrecher beschönigen. Beispiel gefällig? Zum Kick gegen Hannover sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung:

Wir haben oft die Möglichkeit, uns deutlich von unten abzusetzen und oben festzubeißen. Jedes Mal vergeben wir sie kläglich. Es ist total unbefriedigend, auf der Stelle zu treten, wenn man andere Ambitionen hat.

Und:

Ja, ich hätte nach diesem Spiel auch gepfiffen. Es war ein grausamer Kick. Ganz, ganz dünn. Es war richtig schade für die Fans, die eine Menge Kohle dafür bezahlt haben. Es war ja schon auf dem Platz schlimm. Und von der Tribüne hat es bestimmt noch schlimmer ausgesehen.

Weiter:

Wir haben ohne Mumm rumgedümpelt. Der Ball wurde oft viel zu unüberlegt von hinten nach vorne gebolzt. So was macht keinen Spaß und verscheucht die Fans.
Hinten sicher stehen, das reicht nicht im Fußball. So dürfen wir uns jedenfalls nicht mehr präsentieren.

Und was sagen die anderen Protagonisten?

Funkel:

Die Pfiffe zeigen, wie verwöhnt die Zuschauer sind.

Amanatidis:

Wir haben uns vorgenommen, einen Punkt zu holen. Das haben wir erreicht

Noch Fragen?

Ich habe darauf keine Lust mehr. Ich bin mir in Frankfurt, wo die Stimmung langsam gegen Funkel kippt, unsicher, ob es wirklich seine Schuld ist. Ich meine, bis auf Bremen und Bayern spielen in der Liga ja derzeit alle so. Was Berlin da beispielsweise bis zum lächerlichen Geschenk von Maltritz seinen Fans im heimischen Stadion bot, war schon eher die Karikatur des Fußballs.

Was ist, wenn Funkel in Frankfurt jetzt rausgeschmissen wird, dann kommt der nächste und der Fußball bleibt so grottenlangweilig. Was dann?

Ich glaube, dieser ständig zitierte permanente “Boom” der Bundesliga wird nicht mehr lange anhalten. Nach jedem Spieltag kommen tausende Fans aus den Stadien und erzählen ihren Freunden und Bekannten auf die Frage, wie es denn im Stadion war: “Scheiße”.
Das wird bald kippen, die Stadien werden sich leeren. Und schuld daran, sind die Vereinsbosse und Trainer, die sich zu einem kollektiven Nichtangriffspakt und Angsthasenfußball hüben wie drüben verständigt haben.

Es widert mich an, mir diese Darbietungen noch weiter anzusehen. Ich habe in dieser Saison 7 Spiele der Eintracht live am Fernseher oder im Stadion verfolgt. Mit Ausnahme der ersten Halbzeit gegen Rostock (die allerdings da noch richtig desolat waren) sahen alle gleich aus.  Furchtbar. Ich war geduldig. Ich habe auf Besserung gehofft. Aber jetzt: Ohne mich!

Über den Autor: Goldschuhe aus

Agent provocateur erster Güte. Ansonsten Misanthrop und Eintracht Frankfurt-Fan. Frisur: vorhanden.