Der schwarze Abt

Klaus Gerster war schon alles. Co-Trainer in Frankfurt, Manager in Frankfurt, Manager bei Borussia Dortmund. Er hat sogar den Schritt gewagt, nach seiner Zeit in Frankfurt auch in Offenbach als Manager anzuheuern. Auch beim traditionsreichen, aber chronisch erfolgsarmen FSV Frankfurt war er lange tätig. Bei keiner seiner Stationen als direkter Machthaber des Fußballs war er sonderlich erfolgreich. Gleichwohl ist sein Einfluss als indirekter Machthaber, sprich Spielerberater, enorm.

Doch Gerster, in ganz Deutschland mittlerweile besser als „der schwarze Abt“ bekannt, gilt öffentlich als Sinnbild des windigen Spielerberaters, den sein Konto mehr interessiert als alles andere und der alle Regeln des angemessenen Umgangs miteinander zu Gunsten seines persönlichen Erfolgs außer Kraft setzt. Doch warum ist ausgerechnet Gerster der personifizierte Feind?

Gerster gehört zu den Vertretern seiner Zunft, die das Berufsbild des Spielerberaters kontinuierlich ruinieren. Gemeinsam mit seinem Partner Paul Koutsoliakos vertritt er aktuell 37 Spieler. Übrigens ein „who-is-who“ der aktuellen Fußballsympathen, was sich da um ihn versammelt.
Wann immer sein Name auftaucht, wittern Fans und Verantwortliche Intrigen und finanzielle Ausbeutung. Wie kommt es, dass ausgerechnet Gerster als Sinnbild des abzockenden Beraters gilt? Ist er vielleicht genau dieser Prototyp?

Es gibt drei Aspekte, die ihn noch unsympathischer erscheinen lassen als andere windige Vertreter seiner Zunft. Während diese wenigstens dezent im Hintergrund mauscheln, drängt es Klaus Gerster nur allzu oft in die Öffentlichkeit, da er wohl auch von persönlicher Eitelkeit getrieben ist. Und das häufig äußerst dämlich.

Der erste Aspekt ist untrennbar mit einem anderen Namen verbunden: Andi Möller. Dieser setzte schon frühzeitig in seiner Karriere auf Klaus Gerster als Berater, was vermuten lässt, dass auch dieser seinen Anteil an dem erstaunlich negativen öffentlichen Bild des Andy M. besitzt. In der traditionellen Fehlerkette des schwarzen Abtes ist es üblich, seine Schützlinge zu öffentlichen Treueschwüren anzuleiten. Siehe Möller in Dortmund, siehe Möller in Frankfurt Teil I. Das an sich ist noch nicht schlimm.

Schlimm ist es nur, wenn dann stets wenige Tage nach diesen Schwüren der Wechsel zum nächsten Verein verkündet wird. So kann man sich lächerlich machen. Das hat bei Möller gleich mehrfach dazu geführt, dass er sowohl bei abgebendem wie auch aufnehmendem Verein alles andere als wohlgelitten war. Sprich: Vielleicht wäre Möller mit einem anderen Berater gar nicht so einen großes Feindbild geworden.

Aspekt zwei der der Fehlerkette des Klaus Gerster wird wiederum an Andi Möller dokumentiert. Gerster versuchte, im Sinne seines Schützlings öffentlich Einfluss auf Vereinsangelegenheiten zu nehmen und verließ dabei konsequent den Weg der seriösen Professionalität, die nun mal das Steckenpferd eines jeden Beraters sein sollte, ganz gleich, in welchem Segment er berät.

Nachdem der damalige Frankfurter Trainer Willi Reimann nicht recht begeistert von der Idee war, den inzwischen 36er-jährigen Möller nach dessen bereits verkündetem Karriereende nochmals in den Bundesligakader der Eintracht zu integrieren, kam es zu einem in dieser Schärfe selten erlebten öffentlichen Schlagabtausch zwischen Trainer und Berater. Gerster tat, was ihm überhaupt nicht zustand: Er attackierte Reimann öffentlich mit den Worten: „Es ist eine Sauerei, wie Reimann den Andy vom ersten Tag an behandelt hat. Das ist stil- und respektlos. Reimann duldet keine Götter neben sich.“ Das mag vielleicht sogar richtig gewesen sein, mit welchem Recht allerdings ein profaner Spielerberater solche Sätze raushaut, ist nicht nachzuvollziehen.

Was als Replik folgte, war die wohl beste Leistung von Container-Willi Reimann in seiner Frankfurter Zeit. Sätze, wie in Stein gemeißelt: „Ich kann mich nur wundern, dass gewisse Leute immer wieder eine Plattform bekommen, um sich zu produzieren. Zu Gerster kann ich nur sagen: Das ist ein fürchterlicher Schmutzfink, ein ganz, ganz dummer Mensch.“ Oder: „Da wird Arschlöchern von gewissen Medien ein roter Teppich ausgerollt. […] Dann kommen solche Schmierfinken, verstecken sich, fummeln hinten rum und schaden der Sache. Das ist eine bodenlose Unverschämtheit. Dieser Gerster gehört gefedert und geteert vom Hof gejagt.“

Eine solche öffentliche Ohrfeige musste sich wohl noch kein Berater von einem Vereinsverantwortlichen abholen. Danach galt Gerster zunächst als Persona non grata bei der Eintracht, auf Grund der Marktgesetze ließ sich dies aber nicht lange praktizieren, schließlich werden auch aus dem heutigen Kader diverse Kicker vom schwarzen Abt „beraten„.

In diesem Fall hat Gerster schlichtweg den Weg der Professionalität zu Gunsten seiner Freundschaft mit Möller (Gerster in der Bildmitte) verlassen. Man sollte halt Beziehung und Beruf nie miteinander verquicken, möchte ich fast sagen.

Der letzte Aspekt, der die deprimierenden Machenschaften des schwarzen Abts wie der gesamten Branche aufzeigt, ist seine stellenweise fragwürdige Beratungsleistung, die stets dem gleichen Muster folgt.
Wir erinnern uns: Power-Michi Thurk möchte von Mainz 05 nach Frankfurt wechseln, der Karnelvalsverein weigert sich aber, den Spieler freizugeben, was im Gegensatz zur herrschenden Beratermeinung sein gutes Recht ist. Was macht Power-Michi? Er überwirft sich mit seinem Trainer, behauptet von seinem Verein getäuscht worden zu sein und deshalb „fühle ich mich hier verarscht“. Es gibt also kein Vertrauensverhältnis mehr für eine weitere Zusammenarbeit.

Fühlt sich da jemand an eine Methode erinnert? Albert Streit, Vertrag bis 2009 in Frankfurt, beginnt in der letzten Saison mit anderen Angeboten zu kokettieren und zeigt in Training wie auch Spiel provokante Lustlosigkeit. Daraufhin wird er von Trainer Funkel kurzzeitig aus dem Kader gestrichen. Streit kommentiert die Situation mit Gerede von „einem zerrütteten Verhältnis zum Trainer“ und einem „absoluten Vertrauensbruch“. Erst gegen die Zusage, den Verein nach der Saison verlassen zu dürfen, zeigt er sich gönnerhaft und kündigt an „in den letzten drei Spielen wieder richtig Gas zu geben“.

Ist es Zufall oder Taktik, dass in beiden Fällen Stunk im Verein provoziert wird, um anschließend aus dem Vertrag heraus zu kommen? Die Liste ähnlicher Fälle unter Gersters Schützlingen ließe sich noch verlängern, wenn man beispielsweise an die Scharmützel beim Wechsel von Abt-Klient Mimoun Azaouagh von Mainz nach Schalke denkt. Man verdient ja schließlich bei jedem Transfer hübsch mit. Ein Schelm, wer bei all dem Böses denkt.

Michael Horeni von der FAZ ist offensichtlich ein solcher Schelm und zeigt „Die dunklen Seiten des Transfergeschäfts“ in einem sehr schönen Artikel auf. Darin wird klar, dass Gerster sicher nicht der einzige Spielerberater ist ist, der nach solchen Mustern verfährt. Aber er ist immer wieder der „öffentlichste“ Berater, der sich mit dieser Methode in Verbindung bringen lässt.

Als Fazit lässt sich festhalten: Klaus Gerster ist nicht böser als andere „Berufs“-Kollegen, er ist dabei nur lauter und benimmt sich in der offensichtlichen Dreistigkeit gerne wie ein Elefant im Porzellanladen. Es gibt viele, die mindestens genauso mies sind wie er, doch da Gerster häufig in aller Öffentlichkeit und äußert plump seine windigen Geschäfte betreibt, wurde er zur Projektionsfläche alle Ressentiments gegenüber dem Berater an sich.

Einerseits hat er das verdient, andererseits dürften ihm die Gerd vom Bruchs oder Kon Schramms dieser Welt dankbar dafür sein, dass sie erst den Pranger in der zweiten Reihe gepachtet haben.

Über den Autor: Goldschuhe aus

Agent provocateur erster Güte. Ansonsten Misanthrop und Eintracht Frankfurt-Fan. Frisur: vorhanden.

11 comments

  1. Don

    *huld* @ Artikel
    *huld* @ JPG
    *huld* @ Treutler
    und
    *huld* @ Reimann-Spruch

    Ganz ganz großes Blog-Tennis, das ich einmal mehr nur unterschreiben kann!

  2. schneider3

    Großartiger Beitrag, obwohl das Bild mit Möller wohl das Schlimmste ist, was ich in den letzten Wochen gesehen habe. Reimanns Aussagen sind allerdings sensationell.

  3. Goldschuhe aus

    obwohl das Bild mit Möller wohl das Schlimmste ist, was ich in den letzten Wochen gesehen habe.

    Das ist geil, ne? Man könnte auch ein Gewinnspiel daraus machen: Finde den Abt!

  4. Don

    Dat is dat Aida-Maskottchen – das ging mir auch tierisch auf den Piss. Der wollte immer erst noch rumalbern, bevor er das Freibier rausgerückt hat. Nach den ersten 10 Bier (also gegen 14h) hab ich ihm dann gesagt, dass er den Quatsch lassen soll, oder es he߸t gleich „Ameise über Bord“.

  5. Goldschuhe aus

    @7: Ich stelle mir vor, wie der Don wegen mangelnden Biers das Vieh über Bord wirft. Ich lach mich kapott….

  6. Goldschuhe aus

    Klingt für mich aber auch nach einer eleganten Lösung, den blinden van Burik endlich loszuwerden. Wenn das aber wirklich stimmt, glaube ich, dass er eher der uneheliche Sohn des schwarzen Abtes ist, der in Holland unter dem Decknamen „Karl van Burik“ auftritt.

  7. Vollspann!

    So, habe den Text jetzt auch gelesen. Großartige Abhandlung über ein Individuum, das anscheinend charakterlich alles vermissen lässt.