Quo vadis, VfL Bochum?

Quo Vadis, VfL Bochum?

Es ist knapp acht Wochen her. Unter der Überschrift „Schicht im Schacht?!“ versuchte ich mich an einer „steilen These“. Jetzt ist die Saison so gut wie gelaufen und am Kern der These hat sich nichts geändert. Im Gegenteil, eigentlich sieht es noch düsterer aus als Mitte März. In Duisburg schwankt man zwischen Hoffen und Bangen. Zwischen Lizenzerteilung und Insolvenz liegt ein siebenstelliger Betrag, aber wenigstens gibt es noch die Chance auf die Teilnahme im DFB-Pokal im nächsten Jahr und damit frisches Geld. Anders stellt sich die Situation in Bochum dar. Dort scheint man inzwischen nach der schlechtesten Zweitliga-Saison der Vereinsgeschichte in eine Schockstarre verfallen zu sein.

Keine Mannschaft

Es scheint, als würden die Planungen der Verantwortlichen am 17.05.2014 enden. An diesem Tag bestreitet der VfL Bochum unter seinem Trainer Peter Neururer die letzte Trainingseinheit der Saison, aus Verbundenheit zu alten VfLern gibt es am 14.05.2014 ein Testspiel gegen den Wuppertaler SV. Die Frage ist: Mit welchem Team? Der ewige Maltritz wird nach zehn Jahren endlich in den Ruhestand verabschiedet, auch Slavo Freier beendet seine Karriere. Carsten Rothenbach, Lukas Sinkiewicz, Sukatu-Pasa, Bastians, Aydin, Acquistapace, Eyjolfsson und Ermes heißen die weiteren Kandidaten, die den Verein verlassen werden. Nachwuchsstürmer Sven Kreyer, maßgeblich am Klassenerhalt als Torschütze und Vorbereiter gegen Cottbus beteiligt, wird dagegen vom Trainer in den üblich blumig-schwurbeligen Worten bescheinigt, dass „man nicht davon ausgehen (kann), dass wir mit ihm einen Stürmer haben, der uns auf Dauer in der 2. Liga weiterhilft!

Kein Trainer

Welche Spieler sind es dann, die den VfL Bochum in der nächsten Saison in der zweiten Liga halten? Denn um mehr dürfte es für den klammen Club im nächsten Jahr nicht gehen. Ob Neururer der richtige Mann dafür ist? Fraglich, zumal der Schnauz seine eigenen Entlassung vorbereitet. Vom Reviersport lässt er sich mit den Worten zitieren: „Die Stimmungslage innerhalb des Clubs ist sehr schlecht!“, um wenige Tage später den Verantwortlichen noch einmal ins Gedächtnis zu rufen, dass im Falle seiner Ablösung eine Abfindung fällig wäre: „Ich habe einen Vertrag bis 2015. Ich wüsste nicht, warum ich den nicht erfüllen sollte.“ Gewissheit über den Verbleib des Systems Neururer und seiner Günstlinge gibt es erst nach dem letzten, sportlich bedeutungslosen Saisonspiel gegen den KSC.

Keine Perspektive

Die Analyse der Saison ist erst für die Tage danach angesetzt. Während anderswo also bereits die Kaderplanung läuft, und „Wunschspieler“ von Peter Neururer inzwischen lieber an anderen Orten unterschreiben, ist in Bochum noch nichts klar. Außer auf den inzwischen irrwitzigen Fatalismus der Fans ist auf nichts Verlass, und die Hoffnung darauf, dass es doch nicht noch schlimmer kommen könnte, dabei der denkbar schlechteste Ratgeber. Doch es kann noch viel schlimmer kommen, zumal die Aufsteiger aus der dritten Liga nicht den Eindruck machen, gleich wieder abzusteigen. Da dürfte es für einen klammen Traditionsverein ohne Konzept und Vision schnell eng werden. Und während andernorts schon gejammert wird, Kunstprodukte wie RB Leipzig würden Traditionsvereinen den Platz wegnehmen, hat man in Bochum bald nichts mehr, als die eigene Tradition und einen Scherbenhaufen, über dessen Entstehung sich die Verantwortlichen gegenseitig die Schuld zuschieben.

Foto: flickr.com/peterkoeves unter (CC BY 2.0)

Über den Autor: esleben

Verrät als Freiburg-Fan Heimat wie auch Elternhaus und trinkt ansonsten ausschließlich Veuve Clicquot. Wer wohnt schon in Düsseldorf? Mehr über Esleben auf Google+

25 comments

  1. Don

    Ein sehr schönes Bild hast Du da genommen. Zum VfL fällt einem wirklich nichts mehr ein. Nach Thomas Ernst und Jens Todt scheint Christian Hochstätter der dritte Manager-Imitator in Folge zu sein und das kann kein Verein der Welt auf Dauer verkraften.

  2. Papa la Papp

    Ich hoffe ja noch, dass es die Ruhe vor dem Sturm ist. Morgen das letzte Spiel, dann Neururer weg, dann (erneut…) ein Neustart.

    Simunek steht als Neuzugang fest, dazu ist Amachaibo (Regensburg) wohl nahezu sicher.

    Ich will Hochstätter noch nicht aufgeben. Aber: Der nächste Schuss auf der Trainerbank muss sitzen, ebenso einige Treffer auf dem Transfermarkt. Sonst wirds duster.

  3. Don

    So, nach Fürth hat dieses Mal Paderborn gezeigt, wie man mit einem Mini-Etat von gerade mal 6 Millionen Euro dennoch einen sportlichen Erfolg erzielen kann. So sehr es stimmt, dass der VfL keine Kohle hat, so sehr zeigt sich auch, dass es dennoch möglich ist.

    Immerhin sollten durch die Abgänge von Maltritz und Freier (die ja sicherlich nicht gerade wenig verdient haben dürften) Mittel frei werden.

    Jetzt bräuchte man halt einen Manager, der sich in Liga 3 auskennt und von dort ein paar gute Kicker holt, die zu einem bestimmten System passen.

  4. Esleben

    Im gleichen Universum, in dem Peter Neururer (voraussichtlich) Trainer beim VfL bleibt. Wobei viele In Düsseldorf traurig sind, dass Levels geht, Zweitliga tauglich ist der allemal.

  5. Don

    Wenn man es sich häuslich in der 2. Liga einrichten möchte, dann bitte. Wenn man aber Externe aus Liga 2 verpflichtet (oder auch Liga 1 oder Ausland), dann sollte es da schon einen gewissen Anspruch geben. Levels ist halt ein kompletter Sicherheitstransfer, der zudem nicht gerade billig sein dürfte.

    Die Kohle würde ich lieber in einen guten 6er oder 8er oder 10er oder 9er stecken. Und nicht rechts hinten.

  6. Esleben

    Na, der Neururer wohl nicht, der muss ja immer in der 11-Freunde-Bar sitzen und Spiele kommentieren. Simunek ist ja ein Transfer aus der gleichen Kategorie wie Levels und bei den im Reviersport-Artikel gelobten Nachwuchskräften handelt es sich um zwei deren Verträge bald auslaufen bzw. jetzt auslaufen.

    Das geht schnurstracks in Liga drei und Neururer überlebt maximal vier Spieltage. Ja, das ist eine Wette!

  7. Don

    Den Simunek finde ich gar nicht so verkehrt. Vom Potenzial her schon einer, mit dem man aufsteigen kann. Ablösefrei kann man den schon holen

  8. Don

    Sauber: Der Nicht-ganz-so-Vollblind-Mann Sven Kreyer geht zum RWE. VfL-Zukunftkonzept, ick hör Dir trapsen.

  9. Papa la Papp

    Die beiden verliehenen Spieler vom VfL:
    – Morabit, mit 9 Toren und 5 Vorlagen als Stammspieler von Heidenheim aufgestiegen -> wird an Heidenheim abgegeben, Ablöse nicht genannt (falls da was kommt).
    – Bertram, mit 11 Toren (ja, ich weiss, 7 Elfmeter) und 7 Vorlagen als Mittelfeldspieler bei Halle eingeschlagen -> Vertrag aufgelöst, keine Ablöse.

    Wenn er noch leben würde, würde ich denken, das ist die bisher durchschaubarste Nummer von Kurt Felix.

    Das kann doch alles nicht wahr sein?

  10. Don

    Auch geil: Den Vertrag von Ilsö auf dessen Wunsch auflösen und sich dann aufregen, dass er nach China wechselt und man keine Ablöse bekommt. Dilettantenballett.

  11. Guru von der Kreuzeiche

    Klar. Der muss ja auch weg. Ich finde es nur so geil, dass seit ein paar Monaten jeder Hanswurst denkt, er könne mit so ein paar Zeilen die Welt verändern und hätte mit ein paar Klicks auch die Legitimation dazu.

  12. Don

    Du ahnst es nicht: Bochum holt Sestak zurück. In der letzten Saison satte 4 (!) Tore in der Türkei. Ohne Worte. Hat ja damals schon bei Haschemian super funktioniert.

    Kinners, so langsam macht das alles keinen Spaß mehr.