Mutwillige Karrierezerstörung

Die Anzeichen verdichten sich: Lukas Podolski wird voraussichtlich zu seinem Leib-und-Magen-Club FC Köln zurückkehren. Vordergründig ist das richtig toll, zumindest behaupten das alle Beteiligten: Die Bayern sind ihren Ehren-Bankdrücker endlich los, der FC Köln erhält seinen verlorenen Sohn zurück und Podolski darf wieder für seinen Stammverein hütten. Doch was soll dieser Wechsel eigentlich nun wirklich bringen?

Für den FC Bayern ist das Geschäft ein zweischneidiges Schwert. Auf der einen Seite werden sie einen Spieler los, der mit München nie richtig warm geworden ist, und der – permanent unzufrieden mit seiner Rolle – seinem Frust auch oft medial Luft machte. Aber an Toni und Klose kam Podolski zu Recht nicht vorbei. Auch der Wille, sich richtig „durchzubeißen“ (jeder Sportjournalist) fehlte ihm. Das Ende der Zusammenarbeit erscheint daher folgerichtig. Doch auf der anderen Seite lässt sich nicht verhehlen, dass die Bayern große Hoffnungen in Podolski gesetzt hatten, als sie ihn damals aus Köln für 10 Millionen Euro kauften. Ein eigentlich sinnvolles Geschäft, galt doch Podolski vor ein paar Jahren als größtes Talent des deutschen Fußballs. Wenn alles nach Plan gelaufen wäre, hätte Bayern ihn nach drei Jahren für 15 bis 20 Millionen an einen europäischen Topclub verkaufen können. Dagegen erscheinen die 10 Millionen, für die Podolski nun wieder nach Köln zurückkehrt, eher mager. Schadensbegrenzung eben, bevor der Junge noch mehr an Wert verliert, doch trotzdem ein Nullsummenspiel. Insgesamt müssen die Bayern das Thema Podolski als großen Flop verbuchen: Ein sportlicher und finanzieller Gewinn sprang nicht heraus. Die ständigen Querelen gab’s gratis dazu.

Geht der Transfer für die Bayern noch als Schadensbegrenzung durch, muss man sich dagegen um die geistige Frische der Kölner einige Sorgen machen. Denn das muss man sich einmal vorstellen: Da investiert ein Club, der gerade erst aufgestiegen ist, mal eben 10 Millionen in einen einzigen Spieler. Warum? Da kann „Prinz Poldi“ (Kölner Express) in Köln noch so oft als Symbolfigur gelten. Zum Vergleich: Werder Bremens teuerster Transfer der Vereinsgeschichte belief sich auf 8,5 Millionen. Und das nach mehreren Jahren Champions League. Irgendwas kann doch in Köln nicht stimmen. Wie auch, wenn Michael „Wie ruiniere ich einen Verein“ Meier am Ruder sitzt. Dass in den nächsten Jahren nicht genug Geld für sinnvolle Verstärkungen da sein wird, lässt sich an einer Hand abzählen. Für mich ist Köln im nächsten Jahr darum Abstiegskandidat Nummer eins. Ein Spieler allein kann es einfach nicht reißen, da bräuchten die Kölner nur ein paar Kilometer weiter nach Gladbach zu schauen, wo die Borussia auch trotz eines brillanten Marin desolate Ergebnisse einfährt. Warum also diese irrsinnige Investition in Podolski? Oder reagiert man im Verein etwa auf Zuruf des Kölner Express’?

Die Krone der Einfalt hat bei der ganzen Sache jedoch auf jeden Fall der „Prinz“ auf. Wie kann man seine Karriere schon in jungen Jahren nur so wegschmeißen? Wem schon der Wille fehlt, sich beim FC Bayern München durchzusetzen, der sollte doch wenigstens so klug sein und bei einem anderen großen deutschen Club anheuern. So hätte er weiter international spielen können und dabei seine Chancen auf einen Stammplatz in der Nationalmannschaft gewahrt. Der Wechsel ins Mittelmaß sieht eher nach mutwilliger Karrierezerstörung aus – eigentlich ein Schlag ins Gesicht eines jeden mittelmäßigen Spielers, der gerne mit dem Talent Podolskis gesegnet wäre. Besser als jetzt wird Podolski nicht mehr werden, denn oft wird vergessen, dass neben natürlich dringend notwendiger Spielpraxis auch das Training entscheidend ist: Ein Spieler der täglich mit Ribéry, Zé Roberto, Toni und Co. trainiert wird automatisch schon einmal viel mehr lernen als beim Training mit McKenna oder gar dem grässlichen Fußballer Matthias Scherz.
Es scheint, als hätte Lukas Podolski einfach kein Interesse an einer großen Karriere als Fußballer. Klar: Man kann den Wechsel auch als Triumph der Loyalität und als den Sieg der Emotionen über die monetären Verlockungen feiern. Und man kann auch die enge familiäre Bindung Podolskis rührend finden. Doch denkt man einfach mal ein Stück weiter, wird ersichtlich, dass der Transfer himmelschreiender Unsinn ist und nur die Folge aus einem kruden Gemisch von Heimweh, verletztem Stolz, simplen Gehirnstrukturen und schlechten Beratungsleistungen sein kann. Die großen Ambitionen in der Nationalelf kann Podolski damit wahrscheinlich auch begraben. Denn das höhnische Lachen von Jogi Löw möchte ich hören, wenn Poldi Ansprüche gegenüber den wahrscheinlich in Zukunft regelmäßig international spielenden Gomez und Helmes geltend macht.

Insgesamt ist der gesamte Transfer für alle Beteiligten ziemlich sinnlos. Allein die Bayern haben noch das Beste aus ihrer jetzigen Situation gemacht und können Podolski mit einigermaßen erhobenem Haupt ziehen lassen. Die Rechnung für diesen Quatsch werden dagegen die Kölner und nicht zuletzt Lukas Podolski bald präsentiert bekommen.