Kevin Kuranyi: Ein Nachruf

Kevin Kuranyi ist aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zurückgetreten. Eigentlich viel zu spät. Und trotz richtiger Entscheidung in der Sache zeigen die Umstände des Rücktritts, wie sehr Kuranyi seine Person und vor allem sein limitiertes fußballerisches Können überschätzt. Denn was hat der Schalker mit dem absurden Bart bis heute geleistet? Meiner Meinung nach relativ wenig. Zeit für ein paar abschließende Zeilen über Kevin Kuranyi.

Als ich für diesen Artikel nach Informationen zu Kuranyi gesucht habe, musste ich mich doch ein wenig wundern, sind seine Leistungsdaten doch durchaus ansehnlich: 103 Spiele in der Bundesliga, 44 Tore. 8 Spiele im DFB-Pokal, 5 Tore. 14 Spiele in der Champions League, 5 Tore. 52 Länder-Spiele, 19 Tore. Für diese Leistung muss man dem Kevin durchaus Respekt zollen. Woher aber kommt es, dass er in der gefühlten Wahrnehmung so schlecht wegkommt?

Die Antwort liegt nach meinem Dafürhalten in der Kombination seiner Spielweise und seines öffentlichen Auftretens. Kevin Kuranyi macht gerne Aufsehen um seine Person. Sein, formulieren wir es mal neutral, doch eher extravaganter… nein, warum eigentlich neutral: Sein absolut geschmackloser, lächerlich wirkender Kleidungsstil und sein Bärtchen („Cadeado – Das Schloss“) gepaart mit einer fußballerischen Ästhetik, die mit Hüftsteifheit noch euphemistisch beschrieben werden kann, haben dazu geführt, dass man als Fußball-Fan von Kuranyi gemeinhin nicht so viel hält. Denn wer sich als extravaganter Paradiesvogel präsentiert, muss einfach auch auf dem Platz geil abliefern. Sonst wirkt das Bohei um die eigene Person albern. Einem zurückhaltenden, sympathischen Menschen verzeiht man viel eher, wenn die Pille beim Stoppen jedes Mal 6 Meter vom Fuß springt und wenn auch die größten Chancen versemmelt werden.

Drehen wir die Zeit ein paar Jahre zurück: Als Kuranyi beim VfB Stuttgart die „große Bühne Bundesliga“ (beliebiger Kommentator) betrat, rieb man sich als Fußball-Fan verwundert die Augen. Aus dem Nichts kam plötzlich ein Spieler, der all das hatte, was ein Stürmer braucht: Schnelligkeit, eine gute Schusstechnik, Kopfballstärke und den Killer-Instinkt vor dem Tor. Unter Felix Magath hatte er einen großen Anteil daran, dass die so genannten „jungen Wilden“ zwei hervorragende Saisons spielten. Auch international machte er in der Champions League mit guten Leistungen auf sich aufmerksam.

Der Grundstein für eine große Karriere schien gelegt. Doch leider hat sich Kevin Kuranyi seitdem fußballerisch nicht weiterentwickelt. Im Gegenteil: Er ist schlechter geworden. An seiner großen Schwäche Ballbehandlung hat er nicht gearbeitet und seit er bei Schalke spielt, kam er nie mehr in „VfB-Form“. Analog zur Länge seiner Kopfbehaarung und der Anzahl der karierten Jacken in seinem Kleiderschrank nahm auch sein fußballerisches Können ab. Die Quittung gab es vor der WM 2006 als er von Klinsmann und Löw völlig zu Recht aussortiert wurde. Und ganz ehrlich: Dabei wäre es auch besser geblieben. Seitdem Kuranyi wieder zurück in der Nationalelf ist, hat sich seine Form nicht groß gebessert. Und nach seiner Flucht aus Dortmund zeigt sich, dass es ihm auch an menschlicher Größe fehlt: Die beleidigte Leberwurst zu spielen kam noch nie gut an. Und eine coole Sau wie Jens Lehmann wäre immerhin mit der Straßenbahn nach Hause gefahren.

So bleibt nach dem Rücktritt von Kevin Kuranyi aus der Nationalmannschaft nicht viel. Nur die Gewissheit, dass seine fußballerische Karriere so gut wie vorbei ist. Mir persönlich tut es ein wenig leid, dass er sein durchaus vorhandenes Potenzial nicht genutzt hat. So wird er noch ein Jahr bei Schalke spielen und nach einem erfolglosen Jahr im Ausland (Primera División, Abstieg) vergeblich versuchen, bei Bielefeld Fuß zu fassen. Zeit also, um sich zu verabschieden: Mach’s gut, Kevin und hau rein. Beim VfB fand ich dich immer gut und auch gar nicht mal unsympathisch. Schade, dass es alles nicht so gut geklappt hat.

Bildquelle: www.weltfussball.de