War da was?

Gestern war Länderspiel, falls es niemand bemerkt haben sollte. Angesichts der trost- und freudlosen Vorstellung gegen das Fußballentwicklungsland Belgien (Unglaublich, dass dieses Land vor 28 Jahren den EM-Finalisten stellte) muss es erlaubt sein, die Sinnfrage zu stellen.

Worin liegt der Nutzen eines Länderspiels, das so offensichtlich zum falschen Zeitpunkt kommt. Neue Erkenntnisse für die anstehende EM-Quali dürfte der wie immer bestens gekleidete Joachim Löw gestern kaum gesammelt haben. Okay, vielleicht die, dass Klose auch mit Kapitänsbinde derzeit grausam Fußball spielt und auch Schweinsteiger durch das Kapitänsamt keinerlei Leistungsverbesserung erfährt. Da kann er noch so oft Führungsspieler-like den Elfmeter schießen. Der – nebenbei bemerkt – auch in die Kategorie “schöne neue Fußballwelt 2008/2009″ fällt.

Aber sonst? Das gestrige Team wird in dieser Konstellation nie wieder auf dem Platz stehen, weshalb also dieser Test? Dass Enke zwischen den Pfosten stehen kann und Westermann ein mehr als solider Abwehrspieler ist, stand schon vor der EM fest. Konsequenzen aus diesem Wissen hat Löw nicht gezogen. Zumindest nicht die richtigen. Die Posse um Tasci, den man durch einen Einsatz im DFB-Team der türkischen Nationalelf wegschnappen wollte, kommt knapp zehn Jahre zu spät. Der begnadete Altintop, Gelsenkirchener durch und durch, hat bei der EM in der Schweiz und Österreich gezeigt, “was für ein gefährlicher Eddy er ist” (Eigenzitat, so viel Arroganz muss sein).

“Ja, gut sicherlich”, Hitzelsperger hat im Mittelfeld quasi “die Fäden gezogen”, Rolfes aber wieder einmal im Nationalteam am Rande der Unscheinbarkeit gespielt. Fritz? Vernachlässigenswert. Der Sturm? “Physisch und körperlich” zumindest auf dem Platz. Lahm, wie immer eifrig, aber trotzdem weit von Normalform entfernt. Nur konsequent also, dass Kollege Goldschuhe_aus und ich bereits ab Minute drei lieber über den desolaten Zustand der Eintracht philosophierten oder Freiburgs fehlendes Image geißelten und darüber ganz vergaßen, dass gestern ein neuer Kommentator im ZDF von der Nationalelf berichten durfte: Oliver Schmidt. Hockey-Experte Bela Rethy war in Peking unabkömmlich, ganz im Gegensatz zu unser aller Liebling Johannes B., der im Anschluß an die Übertragung wieder flugs rüber gemacht hat, um seiner Karin zu assistieren.

Auf den Punkt brachte den gestrigen Abend das belgische Fernsehen: Dort wurde das Spiel erst gar nicht live gezeigt. Die wußten schon warum…