Der Fußball findet zu sich selbst

Quelle: www.wikipedia.deNachdem die EM an den 5 Freunden im Abseits – zumindest was die Schreibfreudigkeit betrifft – bislang etwas vorbei ging, muss etwas geschehen. Was liegt also näher, als ein kleines Resümee des ersten Spieltags zu ziehen, die bisherige Europameisterschaft also einmal „Paroli laufen zu lassen“ (H. Hrubesch)?

Für mich persönlich begann die EM relativ unspektakulär; die WM 2006 packte mich im Vorfeld und auch zu Beginn deutlich mehr. Es ist eben ein Unterschied, ob man sich an fast jedem beliebigen Ort Trikots und Fahnen verschiedener feiernder Nationen gegenüber sieht oder ob sich das ganze Spektakel 700 km südlich abspielt. Und so furchtbar sich die ganzen Event-Fans auch ausnahmen, irgendwie war eben ganz Deutschland im Fußballfieber; andere Gesprächsthemen in jenen Tagen zu finden – fast unmöglich. Trotzdem, oder vielleicht auch gerade deshalb, hat es großen Spaß gemacht!

Mir scheint es, als ob der Fußball bei dieser EM wieder ein wenig zu sich selbst gefunden hat. Fußball ist nicht mehr das Thema Nummer 1. Die Kollegen im Büro, die sich 2006 statt über das Wetter über Poldi und Schweini unterhielten, sind wieder zu ihrem Stammthema zurückgekehrt. Gefachsimpelt wird wieder unter den echten Fußball-Fans. Und wenn man sich daran gewöhnt hat, nicht jeden Horst über Xavi oder Ronaldo reden zu hören, ist diese Tatsache äußerst begrüßenswert.

Auch die Spiele sind deutlich „mehr Fußball“ als die Spiele bei der WM 2006. Wenn man es genau nimmt, war Deutschland die einzige Mannschaft, die das ganze Turnier mit meist schönem Offensiv-Fußball geglänzt hat. Bei dieser EM haben wir schon nach dem ersten Spieltag einige Spiele gesehen, deretwegen man diesen Sport so liebt. Schon von der ersten Spielminute des Eröffnungsspiels wurde von den Akteuren ein Tempo angeschlagen, das man bei der WM 2006 meist vergeblich suchen musste. Gerechter macht diese Tatsache den Fußball natürlich nicht. Und so mussten sich die beiden überaus sympathischen Gastgeber-Mannschaften leider gegen jeweils äußerst bieder agierende Tschechen bzw. Kroaten knapp geschlagen geben. Schade.

Und doch geht es bei dieser EM bisher eigentlich sehr gerecht zu: Bis jetzt gewannen – eben mit Ausnahme der beiden Gastgeber – die Mannschaften, die von Anfang an ein hohes Tempo vorlegten und durch technisch starken Offensivfußball glänzten. Hier sind Portugal, Spanien, Deutschland und natürlich auch die Holländer zu nennen, wobei ich nicht so richtig verstehe, warum Italien-Holland zum Spiel des Turniers hochgejubelt wurde. Ich habe eine desolate, total uninspirierte italienische Elf gesehen, die sich von Holland mehrmals auskontern ließ und deren Abwehr ein Schatten ihrer selbst war. Über weite Strecken des Spiels zeigten die Holländer auch keinen glänzenden Fußball. Was mich vielmehr beeindruckte waren die bisher nicht gekannte taktische Diszipliniertheit und die Abwehrstärke. Diese beiden Faktoren machen sie zu einem ernsthaften Mitfavoriten auf den Titel.

Sofort verliebt habe ich mich in das Spiel der Portugiesen und der Spanier. Unfassbare Ballsicherheit, hohes Tempo und Kombinationen aus einer anderen Welt. So schön kann Fußball sein. Ich wünsche beiden Mannschaften, dass sie in diesem Turnier sehr weit kommen. Für manche ist ja der „Titel für die Portugiesen jetzt schon gebongt“ (Goldschuhe aus). Um Spanien muss man sich ja leider immer Sorgen machen: Gestartet wird furios und kurz danach ist die Luft raus. Hoffentlich läuft es dieses Mal anders. Verdient hat es diese Mannschaft. Und vielleicht könnte das Erreichen des Halbfinales oder gar des Finales alle Spanier (auch die, die sich gar nicht als Spanier betrachten) mit ihrer Mannschaft versöhnen.

Zum Schluss noch ein paar Worte zu unserer Mannschaft. Das Spiel gegen Polen war ein guter bis sehr guter Start ins Turnier. Auf der einen Seite sind die Jungs ball- und kombinationssicher, spielen mit hoher Geschwindigkeit und „högschter Konzentration“ (J. Löw). Auf der anderen Seite geben die 30 eher weniger guten Minuten des Spiels keinen Anlass zu Übermut. Ich glaube, die Jungs wissen, was sie gut gemacht haben und was sie unbedingt noch verbessern müssen. Gute Voraussetzungen für das weitere Turnier! Es lebe der Fußball und die EM!

Bildquelle: www.wikipedia.de