Ein bisschen Seele: Superpunk live in Essen

Quelle: www.superpunk.de“Naja geht schon, immerhin hat man dann immer ein Gesprächsthema” antwortete Carsten Friedrichs, der Sänger von Superpunk bei der Zigarette nach dem Konzert etwas genervt auf die doofe Frage eines “Fehns” (F. Beckenbauer), ob das Rauchverbot in Clubs und auf der Bühne ein großes Problem für ihn darstelle. Dieser kurze Gesprächsfetzen nach dem Konzert bestätigte den ersten Eindruck der Delegation von 5 Freunde im Abseits, dass das teils etwas dämliche, “schlecht angezogene” (Esleben) und zwanghaft lustige Publikum ein kleines, jedoch glücklicherweise das einzige Manko bei einem großartigen Konzert darstellte. Liebe Zuhörer, und das gilt für alle Zeiten: Bitte nie versuchen, lustiger als die Band zu sein.

Superpunk selbst sind live eine absolute Bank. Es gibt einfach nichts auszusetzen. Ohne pathetische Intros entern sie die Bühne im Essener Grend um halb 10 Uhr abends: “Es dauert noch einen Moment… Lars, kommst du bitte auf die Bühne?” Dann geht’s los mit “Ich find alles gut”, dem ersten Lied der neuen CD. Superpunk sind Routiniers, die sich über die Jahre einen perfekt passenden Sound auf den Leib gezimmert haben. Dieser wird auch live hervorragend abgemischt und mit instrumentaler Kernkompetenz dargeboten. Alles klingt, wie man es von den CDs gewöhnt ist. Saubere Leistung!

Dabei werden in dem knapp anderthalbstündigem Programm nur Hits zum besten gegeben. Und nicht etwa, weil Carsten Friedrichs und Konsorten so ein großes Herz für ihre Fans hätten. Nein, weil ihr gesamtes Oeuvre ausschließlich aus Hits besteht. Von alten Knallern wie “Matula, hau mich raus” oder “Man kann einen ehrlichen Mann nicht auf seine Knie zwingen” über neuere Hymnen wie “Ich weiger mich aufzugeben” und “Ein bisschen Seele” bis hin zu musikalischen Kabinettsstückchen der neuen Platte, unter anderem das live hervorragend rockende “Carsten ist mein Name”, “Ich trinke” und “Ja, ich bereue alles” bleiben fast keine Wünsche offen. Allein ich hätte mir das großartige nebenbei-kapitalismuskritische “Auf ein Wort, Herr Fabrikant” gewünscht, während Esleben auf “Nein Nein Nein” bestehen wollte.

Aber das sind Nebensächlichkeiten. Die “Top Old Boys” (Selbstbeschreibung der Band) sind eine Band, die es ganz hervorragend versteht, tragische Erlebnisse des individuellen Scheiterns, Alltagssorgen und Gesellschaftskritik mit Mut und Humor zu verknüpfen und so zu vertonen, dass man sie einfach mögen muss. Darüber hinaus wird durch die brillianten Texte von Carsten Friedrichs der eigene Zitatwortschatz in einem Maße verstärkt, dass man mühelos die komplette Alltagskommunikation mit Zitaten aus Superpunk-Songs bestreiten könnte. Kollege Goldschuhe aus, für den Superpunk “die beste Band der Welt” darstellt, hat völlig recht mit seinem Satz: “Wenn die Welt gerecht wäre, würde die richtig viel Geld verdienen.” Aber die Jungs haben eben andere Ideale und verkaufen ihre Konzertkarten lieber für 12 Euro und die Live-CD plus DVD für 14 Euro. Sehr sympathisch!

Am Ende verließen alle zufrieden den Ort des Geschehens. Selbst der zum Konzertbesuch überredete High-Potential-Metal-Fan Don musste zugeben, dass die “Mucke schon ganz ok” war. Auf jeden Fall werden die 5 Freunde im Abseits beim nächsten Konzert in der Region wieder dabei sein. Soviel, so denke zumindest ich, ist jetzt schon sicher. Rock ‘n’ Roll will never dead!

Und wer die Welt ein bisschen gerechter machen möchte, hat hier oder auch hier die Gelegenheit, den gesamten Back-Katalog der Hamburger und Münchner Musiker zu bestellen. Es besteht Kaufpflicht!

Bildquellen: www.superpunk.de