Tag der Rituale

Quelle: Voodoo.deFußballmannschaften bereiten sich während der ganzen Woche auf ein Spiel vor. Manche mehr, manche weniger professionell. Viel hängt dabei auch von der Psychologie der Rituale ab. Glücksbringer, Glücksjacketts. Alles dabei. Doch nicht nur Spieler, Trainer und Vereinsfunktionäre hegen und pflegen ihre erfolgversprechenden Bräuche, auch Fans tun das. Der Beweis: Angestoßen durch die Diskussion im sehr schönen Blog-G, präsentiere ich die Ausschnitte meines (Spiel-)Tagebuchs:

Der Morgen beginnt wie üblich mit der Bedienung der Kaffeemaschine, doch bereits hier ist Vorsicht geboten: Heute keinesfalls aus der Eintracht-Tasse trinken. Habe ich letzte Woche auch nicht gemacht und wir haben gewonnen.

Ab unter die Dusche, kurzer Spiegelcheck: Müsste mich rasieren, ist aber definitiv verboten. In jüngerer Vergangenheit – so sagt die Statistik – hat die Mannschaft besser ausgesehen, wenn ich mich an Spieltagen nicht rasiert, also schlechter ausgesehen habe. Thema erledigt.

Die Kleidungsfrage ist stets heikel. Nicht immer kann ich mich daran erinnern, was ich am letzten Spieltag trug. Heute aber alles okay: Das grüne Erfolgsshirt von letzter Woche und die entsprechende Hose liegen bereit: Ich glaube, es kann nichts schief gehen.

Ab zur Bude, die Kippen sind alle. Eigentlich bin ich vor geraumer Zeit von den blauen auf die roten Gauloises umgestiegen. Aber letzte Woche gab es die an besagter Verkaufsstätte nicht, so dass ich doch wieder blau wählte. Ergebnis: 1-0 Sieg, also muss ich heute blau rauchen.

Außer Frage steht, dass ich das Spiel heute alleine bei mir zuhause vor dem Ticker verfolge. Ich habe nicht die geringste Lust, die Wohnung zu verlassen und will meine Ruhe vor der Welt. Ich rede mir diesem Umstand damit schön, dass ich auch beim letzten Auswärtssieg gegen Bremen alleine vor dem Rechner saß.

Danach folgt die Frage: Welchen Live-Ticker benutze ich heute? Ganz verboten ist für mich der Ticker der Eintracht-Website. Wann immer ich das Spiel da verfolge, setzt es derbe Klatschen. Geht also nicht. Letzte Saison habe ich meist den Sport1-Ticker benutzt, das war aber nicht sonderlich erfolgreich. Der Kicker-Ticker ist zwar langweiliger, lieferte jedoch die besseren Ergebnisse: Entscheidung getroffen.

Während des Spiels werde ich versuchen, das Ergebnis durch gezieltes “Desinteresse vortäuschen” positiv zu manipulieren. Schlechte Dinge passieren immer dann, wenn der Fußballgott merkt, wie verkrampft ich bin. Ich werde also Souveränität und Lässigkeit demonstrieren, zwischendurch immer mal für eine Minute wegschauen. Oder so.

Ob’s was bringt? Wir werden sehen. Auf jeden Fall bin ich fest davon überzeugt, dass ich und mein Handeln am Spieltag wichtig sind. Schließlich habe ich den Aufstieg der Eintracht damals im Alleingang klargemacht: Nur weil ich das Spiel alleine zuhause vor dem Ticker verfolgt habe und nicht mit in die Kneipe gegangen bin, wurde es möglich. Die letzten zwei Spiele davor, die ich live gesehen hatte, gingen nämlich verloren.

Über den Autor: Goldschuhe aus

Agent provocateur erster Güte. Ansonsten Misanthrop und Eintracht Frankfurt-Fan. Frisur: vorhanden.