Regionalliga Süd, 3. Spieltag: Die Null-Tore-Mannschaft

Gestern hatte ich seit langer Zeit mal wieder das Vergnügen, einem Spiel des SSV Reutlingen live im Stadion beizuwohnen. Die Auswärtsfahrt führte mich und meinen alten Herrn zu den Amateuren des Karlsruher SC. Nach einer sich etwas schleppend hinziehenden Stau-Fahrt über die alte Führer-Autobahn A 8 kamen wir auf dem Nebenplatz des Wildparkstadions an, der eine halbe Stunde vor Spielbeginn schon fest in Händen des erwartungsfrohen Reutlinger Anhangs befand. Nach einem Saisonstart mit zwei torlosen Unentschieden sollte in Karlsruhe endlich der Knoten im Sturm platzen. Nach der obligatorischen Versorgung mit einem Pilsbiergetränk (namentlich leckeres Rothaus Tannenzäpfle) konnte das Spiel beginnen.

Der SSV begann recht druckvoll und erarbeitete sich mit ansehnlichen Kombinationen die ersten Torchancen. Komischerweise riss nach ungefähr 10 Minuten der Faden komplett: das defensive Mittelfeld mutierte zum Torso und die Abwehr ließ sich aufgrund fehlender Unterstützung der Vorderleute vom präzisen Kurzpasspiel des KSC regelrecht überrennen. Zwei hunderprozentige Torchancen und ein glücklicherweise nicht gegebener Elfmeter für den KSC waren die Folge. Im offensiven Mittelfeld herrschte gähnende Einfallslosikeit. Einziger Lichtblick in dieser Phase war der junge Sven Schipplock, letzte Saison in der A-Jugend-Bundesliga-Mannschaft des SSV aktiv, der sich zwischenzeitlich einige Male hoffnungsvoll durchsetzen konnte. Der Pausenpfiff wurde jedoch vom Reutlinger Anhang herbeigesehnt.

In der zweiten Halbzeit fand vor allem das Mittelfeld wieder etwas zu sich. Mit Waidmann, der den Totalausfall Vujevic (aus Siegen gekommen) ersetzte, kam deutlich mehr Aggressivität ins Spiel. Trotz des meist einfallslosen Spiels des SSV konnte sich die Mannschaft einige Torchancen erarbeiten, die jedoch in meist kläglicher Art und Weise von den Stürmern vergeben wurden. Oft waren die Angriffsbemühungen der Reutlinger zum Haareraufen: Hoher Ball des Torwarts ins Mittelfeld, einige Kopfballversuche, hohes Abspiel und Ballverlust, hervorgerufen durch schlampige Abspiele oder einfach technische Mängel.

Die Tristesse kulminierte jedoch in der 85. Minute, als der rechte offensive Mittelfeldspieler Andi Rill wunderschön auf den 5 Meter vor dem Tor platzierten Stürmer Bastian Bischoff (Neuzugang von den Stuttgarter Kickers) flankte. Dieser nahm die perfekte Flanke dankend an und setzte den Ball souverän am leeren Tor vorbei. Unfassbar! Welche Chancen müssen denn noch kommen?

Das Ergebnis lautete folgerichtig 0:0 und beschreibt treffend die Trostlosigkeit, mit der der SSV Reutlingen im Jahr 2007 agiert: Ein defensives Mittelfeld, das in diesem Spiel seinen Namen nicht verdiente sowie Offensivkräfte die einfallslos und völlig torungefährlich agieren. Wie soll so die Qualifikation für die 3. Bundesliga geschafft werden? Hoffnung geben die Tatsache, dass sich der SSV wenigstens hundertprozentige Torchancen erarbeitet und die Spieler Aybar (Innenverteidigung) , Waidmann (zentrales Mittelfeld), Rill (rechtes offensives Mittelfeld) und Schipplock (Sturm) sich in recht guter Form präsentierten. Hoffentlich macht es der Rest der Mannschaft in Zukunft besser. Ich bleibe trotz großem Frust und ruinierten Stimmbändern am Ball.

Über den Autor: Guru von der Kreuzeiche

Leidensbereiter sowie leiderprobter SSV-Reutlingen-Fan und Unsympath. Empfindet die Bezeichnung “Unglaublicher Demagoge” als Kompliment. Trinkt was Schnäpse angeht nur klar.