Olympia 2010: (Einseitiger) Zickenkrieg in Vancouver

Andrea Schöpp gönnt Maria Riesch nichtsCurling ist der beste Sport der Welt. Punkt. Und wenn man regelmäßig diesem “faszinierendem Sport” (Einsfestival-Kommentator) zuschaut, dann bekommt man eine Menge aus dem Alltag der Sportler und Sportlerinnen mit. Vor allem das deutsche Damen-Team hat sich wohl noch nicht auf die riesige mediale Aufmerksamkeit eines olympischen Turniers eingestellt. Denn was da in der Pause zwischen End 5 und End 6 von Skip Andrea Schöpp zu hören war, das war für Außenstehende sehr amüsant. Für eine frisch gebackene deutsche Olympiasiegerin aus dem Bereich Ski Alpin aber nicht.

Garmisch-Partenkirchen ist weltbekannt als Wintersportort. Aber es scheint wohl ein ziemliches Kaff zu sein. Sowohl Andrea Schöpp, Skip und somit so etwas wie die Chefin der deutschen Curling-Nationalmannschaft, als auch Maria Riesch, Ski Alpin-Star und Olympiasiegerin, stammen daher. Und scheinen wohl in direkter Nachbarschaft zu wohnen. Aber es gibt ein Problem: Man grüßt sich nicht.

Es steht 2:2 im Vorrundenspiel Deutschland gegen Kanada. Die deutschen Curlingdamen haben gerade den Ausgleich geschafft und stellen sich nun zur Halbzeit zusammen. Aber sie bereden keine Taktiken. Nein, Andrea Schöpp lenkt das Thema weg von der Curlingbahn auf die Skipiste.

“Der Maria Riesch gönne ich keine Medaille.”

Das sagte die Curling-Chefin in Anbetracht der Tatsache, dass die Ski-Fahrerin sich in der Kombinationsabfahrt eine gute Ausgangsposition verschaffte und gerade im abschließenden Slalom Gold in der Super-Kombination gewann. Und weiter:

“Wenn die mal lernt, vernünftig zu grüßen, dann gönne ich ihr auch eine Medaille.”

Die hat ja Probleme mitten im olympischen Turnier. Die Teamkolleginnen des sehr burschikos wirkenden Skips Andrea Schöpp schwiegen nur betreten. Die gerade erst 17 Jahre alt gewordene Stella Heiß, die mit ihrem unterkühlt wirkenden Tori Amos-Look inklusive Alabasterhaut ihrem Nachnamen alle Ehre macht, lächelte verlegen. Monika Wagner, die man von der Optik her wohl eher hinter der Käsetheke im Supermarkt, als bei einem olympischen Wettstreit erwarten würde, schaute mit entschlossenem Blick in die Runde. Und die Deutschkanadierin Mélanie Robillard, Typ Hollywood-Filmstar, schien gar nicht zu wissen, worum es eigentlich geht.

Der Spruch aber saß so sehr, dass der Einsfestival-Kommentator leicht peinlich berührt versuchte, die Wogen zu glätten. Er bemühte sich, den Zuschauern klar zu machen, warum die Curling-Dame Schöpp nun über eine andere Sportlerin aus dem Team Deutschland herzieht. Andrea Schöpp und Maria Riesch scheinen sich wohl nicht zu mögen, hieß es. Die Curlerinnen versuchen sich auf diesem Wege in der Pause abzulenken, war seine doch recht dünne Erklärung.

Konzentration auf die zweite Hälfte des Spiels sieht jedenfalls anders aus. Aber Andrea Schöpp scheint das wohl für die beste Motivation und Vorbereitung für ihr Team zu halten. Die Realität holte den Skip aber ein. Nach katastrophalen Steinen der Deutschen ging Kanada vor den letzten zwei Durchgängen mit 5:3 in Führung. Schuld seien die Wischerinnen gewesen, meinte Schöpp und meckerte Stella Heiß und Mélanie Robillard an. Es lag aber auch an Schöpps durchwachsenem Spiel. Nur weil die Kanadierinnen genauso mittelmäßig auftraten, kam es noch zum 5:5. In der Verlängerung gewann Kanada dann aber mit 6:5.

Aber Andrea Schöpp scheint sowieso ein ziemlicher Stinkstiefel zu sein. Vor dem olympischen Turnier meinte sie noch:

“Ich verspüre keinerlei vorolympische Freude.”

Und auch da ging sie noch einen Schritt weiter:

“Olympia ist einfach nur nervig.”

Außerdem spüre Andrea Schöpp wohl eine gewisse Ablehnung von anderen Sportlern. Die Curler würden immer so schräg angeguckt, als wollten alle sagen: Was wollen die denn hier!, meinte Schöpp im Vorfeld der Spiele.

Vielleicht ahnte sie da schon, dass ihre “Feindin” Maria Riesch eine Goldmedaille abräumt, während die Curling-Damen eher nicht zu den Favoriten zählen. Oder ist Maria Riesch nur der Sündenbock für die Ablehnung, die Schöpp offenbar von Sportlern andere Disziplinen verspürte? Dem Ski Alpin-Star wird es ziemlich egal sein. Denn es sieht nämlich so aus, als müsste sich Maria Riesch erst gar keine Gedanken darüber machen, ob sie denn im Gegenzug Andrea Schöpp eine Medaille gönnen würde.

P.S.: Der absolute Knüller ist übrigens Teamchef Rainer Schöpp, Bruder von Andrea. In der Auszeit stapfte er wie Bud Spencer und einem Norbert Blüm-ähnlichem Gesicht mit vorgeschobener Wanne über’s Eis und gab den Damen Tipps.