Eine EM ohne England…

SSV Reutlingen… ist eigentlich gar keine EM. All die Jahre vor 2008 wusste ich gar nicht, konnte es mir gar nicht vorstellen, wie das ist. Eine EM. Ohne England.

Und nun ist sie da. Die von vielen im Vorfeld auch so (trotz Beteiligung) schon wahrgenommene Nicht-Euphorie hatte auch mich vollkommen ergriffen. Noch am Tag vor dem Eröffnungsspiel ging ich unbeteiligt durch die Straßen und ließ einige wenige Autos mit Fahnen passieren. Vielmehr überwog der Ärger, die schöne ORF-”Doku” nicht gesehen zu haben dem Ausblick, bald Tschechien gegen die Schweiz spielen sehen zu können. Samstag und Sonntag habe ich dann natürlich doch, pflichtschuldig wie ich bin, alle Spiele geschaut. Ich habe die Träume der Schweizer zerschellen, die Türken gegen starke Portugiesen einen Dämpfer hinnehmen, die Österreicher kämpfen sehen und Prinz Poldi die Polen besiegen gesehen.

Und alles hat mich seltsam unberührt gelassen. Die Spiele liefen ab und kurze Zeit später hatte ich das Meiste vergessen. Ich weiß dabei gar nicht mal, ob es nur daran lag, dass “mein” Team nicht gespielt hat oder dass dieses Verhalten einfach zur (bisherigen) EM passt. Ein ganz nettes Fußballturnier in zwei ganz netten Ländern bei vertretbaren Anstoßzeiten. Vielleicht ist ja die WM noch nicht lange genug her, als sich alle in eine selten zuvor gesehene Euphorie hineinsteigerten.

Für mich persönlich steht jedenfalls fest: Einer EM ohne England und ohne Engländer fehlt etwas. Wenn man das Team schon nicht mag, kann man sich wenigstens über die zahlreichen Niederlagen freuen. Mir fehlt auf jeden Fall das bittere Gefühl als Favorit anzutreten und doch wieder “zu früh” auszuscheiden. Und die (friedlichen) englischen Fans hätten die Stimmung vielleicht etwas anheben können.

Aber auch so ist ja trotzdem noch irgendwie EM. Es kommt ständig Fußball, die Leute treiben sich auf den Straßen rum und sind hin und wieder etwas besser/schlechter gelaunt als sonst. Eingentlich ist es sogar ganz angenehm, wenn mal nicht alle ihren unbändigen Spaß und ihre ach so lockere Freude in Welt brüllen / hupen oder sonstwas müssen.

Über den Autor: schneider3

Mildernde Umstände aufgrund familiärer Vorschädigung durch zwei dominante Brüder. Normalerweise erlebt das Weißbier bei ihm das Mittagsläuten nicht. Kaiserslautern-Fan. Weiß der Teufel, warum.