Spieltag in Trümmern

Die DFL macht ernst. Was viele schon lange befürchtet haben, könnte schon in der nächsten Saison Wirklichkeit werden: Auf dem Programm steht die vollständige Zersplitterung des Spieltags der 1. und 2. Bundesliga. Der kompakte, übersichtliche und fanfreundliche Spieltag wird bald der Vergangenheit angehören, sollten die Pläne der Geld-Optimierungs-Maschine DFL Wirklichkeit werden.

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hat die DFL den Fernsehsendern verschiedene fertige Modelle nach dem Motto „Friss oder stirb“ vorgelegt. Die Sender können sich also für eines der Modelle entscheiden oder eben die Übertragung bleiben lassen.

Dabei existieren zwei Grundvarianten: Die erste Variante belässt relativ viel beim alten. Die Sportschau könnte also am Samstag Abend weiterhin die Höhepunkte des Spieltags zeigen. Dabei bleibt jedoch unklar, ob die feinen Herren nach dem 20-Uhr-Debakel vor einigen Jahren mal wieder soweit sind, die Nicht-Premiere-Besitzer mit einer späten Sportschau zu bestrafen. Das sogenannte Modell B lässt schwerwiegende Änderungen befürchten. Zur Debatte steht die Verlegung der Sportschau auf den Sonntag Morgen. Zusätzlich käme eine zweite Sportschau am Sonntag Abend hinzu. Um die geprellten Free-TV-Fans zu beruhigen, bietet die DFL dafür jedoch alle 14 Tage ein Live-Spiel an.

Wie blanker Hohn klingt das Statement von Reinhard Rauball: „Im Sinne von Fans, Clubs und Sponsoren war es uns ein Anliegen, eine attraktive Präsenz der Bundesliga im frei empfangbaren Fernsehen zu ermöglichen.” Sollte dieses Modell Wirklichkeit werden, so kann man nur sagen: Anliegen grandios gescheitert. Denn was nützen dem Free-TV-Gucker 16 zusätzliche Live-Spiele in der Saison, wenn man erst am Sonntag die Bilder vom Samstag sehen kann. Wen interessiert das denn dann noch? Und auf die 10 Spiele mit Bayern-Beteiligung kann ich auch verzichten. Die versprochenen Live-Spiele riechen ganz gewaltig nach einem Sedativum für die verärgerten Fernseh-Zuschauer. Opium fürs Volk sozusagen.

Die Sonntags-Spiele sollen auf 3 Spiele ausgedehnt werden, wobei zwei davon um 14:45, das dritte um 17 Uhr beginnen soll. Acht Mal in der Saison darf das 17-Uhr-Spiel aber auch um 20:30 angepfiffen werden. Das Ergebnis wäre also eine weitere Zersplitterung des Spieltags und eine weitere Benachteiligung der jeweiligen Auswärtsfans.

Ganz hart kann es die Fans und Zuschauer der 2. Bundesliga treffen. Hier sind Spiele am Samstag um 13 Uhr und am Sonntag um 12:30 im Gespräch. Und spätestens an dieser Stelle versteht nun kein Mensch mehr den Sinn der DFL-Planungen. Als wäre der Spieltag der zweiten Bundesliga nicht schon zersplittert genug. Nein, nun soll also sogar an vier verschiedenen Tagen 2. Liga ausgespielt werden.

Noch nie verstanden habe ich persönlich, warum die ersten drei Ligen nicht gleichzeitig spielen dürfen. Darüber hinaus wäre der frühe Samstags- und Sonntags-Termin auch eine klare Kampfansage an Familien, die vielleicht nur zweimal in der Woche die Möglichkeit haben, gemeinsam Mittag zu essen: „Vergiss den Braten, ich ess gleich im Stadion ne Wurst, Schatz…“, hört man schon den fahnenschwingenden Ehemann im Hausgang rufen. In einer Zeit, in der gesellschaftlich so viel über Familien- und Kinderfreundlichkeit diskutiert wird, ein klarer Schuss in den Ofen.

Die Verantwortlich bei der DFL sehen sich aber eher als Visionäre: Laut DFL-Geschäftsführer Seifert sei der bisherige Spielplan „konservativ“ gewesen. Er müsse nun „weiterentwickelt werden“. Eine perfide Art der Begründung, um einfach noch viel mehr Geld in die Kassen zu spülen. Wie es dem normalen Fernsehzuschauer und Fan dabei ergeht, ist ja völlig egal. Wichtig sind seit geraumer Zeit offensichtlich ja nur noch die Pay-TV-Kunden.

Komisch, dass in den immer wieder angeführten Vorbild-Ligen wie z. B. Spanien erstens fast alle Spiele am Sonntag stattfinden, zweitens die Zusammenfassung im Free-TV relativ bald nach dem Spiel gesendet wird und es drittens samstags ein Live-Spiel im Free-TV gibt. Anscheinend ist es also möglich, auch ohne eine völlige Zerpflückung des Spieltags viel Geld mit Fußball zu verdienen. Außerdem zieht ein Spieltag auch gerade seine Brisanz und Spannung aus der überwiegenden Gleichzeitigkeit der Ereignisse. Aber wer wie die DFL ein echter Visionär sein will, hält sich mit solchen Nebensächlichkeiten eben nicht auf.