Schweinsteiger nach Bielefeld!

Bastian Schweinsteiger ist 23 Jahre alt, hat in dieser noch recht jungen Lebenszeit bisher bereits 47 Spiele für die Nationalmannschaft absolviert und ist bei Bayern München mehr oder weniger Stammspieler. Klingt alles nach einem ziemlich überragenden Talent, das sich in beiden Mannschaften durchgesetzt hat. Die Frage ist nur: warum?

Bastian Schweinsteiger hat exakt einen Trick auf Lager: Er rennt in vollem Tempo auf den Gegenspieler zu, versucht dann den Ball mit dem rechten Außenrist am Gegner vorbeizulegen, um in die Mitte zu ziehen und den Abschluss zu suchen. Dummerweise hat nach 10 Spielminuten jeder, wirklich jeder Gegner diesen Trick durchschaut. Wie eine Endlosschleife kamen mir gestern beim Länderspiel gegen Tschechien mal wieder seine altbackenen Versuche vor, die Abwehr damit auszuhebeln. Gefühlte 150mal blieb er auf diese Weise hängen und sorgte für unnötige Ballverluste.

Ist das nur in der Nationalmannschaft so? Nun, ich sehe die Bayern in der Bundesliga nicht so oft live, deshalb muss ich mich einfach mal auf die Kicker-Noten verlassen. Die sind zwar alles andere als repräsentativ, aber zumindest eine Tendenz lässt sich erkennen.

In dieser Saison kommt er da bisher auf die Durchschnittsnote 3,5. Klingt nicht so schlimm, damit ist er aber mit Abstand der schwächste Mittelfeldspieler der Bayern. Selbst Andreas Ottl ist mit einer 3,25 deutlich besser dabei.

Von der Darbietung der wirklich wichtigen Mittelfeldspieler der Bayern, nämlich Ribery (2,78), Zé Roberto (2,61) oder auch Altintop (3,07) ist er damit weit entfernt.

Gerne wird bei Schweinsteiger von einer “Formkrise” gesprochen. Aber ist es das wirklich? In der gesamten letzten Saison kam er auf eine Kicker-Durchschnittsnote von 3,78. Eine 4+, hieß das früher in der Schule. Und das bei einem Verein, der deutlich öfter gewinnt als verliert, dessen Noten also in der Tendenz allgemein eher etwas zu hoch angesetzt werden.

Es ist ja auch nicht so, dass man für diesen Eindruck wirklich die Kicker-Noten braucht. Ab und an (Nationalmannschaft, internationale Bayern-Spiele) sieht man ihn ja doch mal 90 Minuten lang und kommt da stets zu dem Schluss, dass die Notengebung eher noch positiv ausfällt.

Es scheint eine sehr lange Formkrise zu sein, die der Kerl durchlebt. Oder er ist gar nicht so gut, was ich für wahrscheinlicher halte. Ich erinnere mich an ein Interview mit Patrick Ochs, zu dem ich leider keine Online-Quelle finde, in dem er über seine Zeit bei den Bayern-Amateuren sinngemäß sagte, dass Philipp Lahm damals bereits überragend gewesen sei, während Schweinsteiger weniger auffiel.

Vielleicht ist Schweinsteiger in einem günstigen Moment in den Kader gerutscht. Vielleicht hat er sich auch wirklich bei den Bayern aufgedrängt.

Fakt ist aber: Selten hat ein so junger Spieler so viel Unterstützung und Einsatzzeiten bei den Bayern und erst Recht bei der Nationalmannschaft erhalten. Und genauso selten hat sie jemand in aller Regelmäßigkeit verstreichen lassen. Im besten Falle kann man ihm in den letzten Jahren Stagnation bescheinigen. Ehrlicher ist aber wohl die Bemerkung, dass Schweinsteiger so spielt, wie er es kann. Ein wirklicher Guter ist er nicht, die Frage ist nur, wie lange sich insbesondere die Bayern das noch ansehen werden.

Für die Zwischenzeit fordere ich als Ersatz übrigens Frisuren-Ali für die Nationalelf. Beim Vergleich mit Schweinsteiger zählt auch nicht das Charakter-Argument und der bessere Kicker ist der Noch-Frankfurter allemal.

Schweinsteiger, so viel unseriöse Zukunftsforschung traue ich mir allemal zu, wird in spätestens drei Jahren nach Bielefeld wechseln. Erinnert sich noch jemand an Tobias Rau?