Der geplante Abstieg

HerthaWas um Himmels Willen macht Berlin da? Bastürk weg, Gimenez weg, van Burik weg, Dejagah weg, Boateng weg. Da: keiner.

Man kann den Eindruck gewinnen, Dieter Hoeneß ist amtsmüde und möchte sich mit einem Paukenschlag verabschieden. Getreu dem Motto: Wenn ich schon gehe, mache ich vorher alles kaputt. Und wie so oft soll ein Schweizer das große Scheitern in die Tat umsetzen.

Wie kommt man eigentlich zu der Überzeugung, ständig Schweizer Trainer holen zu müssen, wenn ein angeblicher Neuanfang beschlossen wird? Latour, Andermatt, Koller und der ungefähr seit zehn Jahren bei jeder Besetzung diskutierte Christian Gross. Sind das wirklich Namen, die für eine solche Qualität sprechen, dass man sie aus der Schweiz einkaufen muss?

Wenn man holländische, spanische, französische Trainer holen würde, okay, diese Nationen können kicken und sind der Bundesliga taktisch weit voraus. Aber weshalb diese Schweiz-Affinität, die bisher fast überall nur Chaos hinterließ?

Nun ist es also Favre. Als sei es nicht schon fragwürdig genug, ausgerechnet vom Schweizer Fußball lernen zu wollen, holt man auch noch einen Trainer, der bereits in den Anfangstagen eine ziemlich schwache Figur abgibt.

Schon vor dem ersten Spieltag mit dem Rücktritt zu kokettieren und Aussagen zu tätigen wie “Den deutschen Markt kenne ich auch nicht gut, er ist sehr groß” ist die eine Sache. Die andere gipfelte schon bei anderen Schweizer Trainern beinahe oder tatsächlich in einer Katastrophe: Nur, weil man Schweizer Spieler kennt und diese vielleicht sogar in der Schweizer Liga okay sind, reicht das noch lange nicht für die Bundesliga.

Was hat Dieter Hoeneß bei all dem bloß geritten? Ich meine, man kann die Leute, die er abgegeben hat, allesamt abgeben, wenn man denn möchte. Aber dies alles zu tun, ohne auch nur ansatzweise Ersatz parat zu haben, ist mehr als fahrlässig. Ich kann es mir nur so erklären, dass er einfach keine Lust mehr hat.

Der Auftritt gegen Frankfurt am ersten Spieltag war jedenfalls so desolat, dass man schon fassungslos war. Gegen eine keineswegs überragende Frankfurter Eintracht hatte man bis auf 10 Minuten in der zweiten Halbzeit nicht den Hauch einer Chance. Die einzige Tormöglichkeit war ein Freistoß des eingewechselten Lucio.

Bezeichnend auch die Aussagen der Spieler, zum Beispiel Arne Friedrichs (“Wir müssen mit dem Kader, der uns jetzt zur Verfügung steht, Leistung bringen”) oder Malik Fathis (“Der Trainer versteht sein Amt und seine Funktion. Jetzt ist es wichtig, dass er das auch auf das Team übertragen kann.”) nach dem Spiel. Diese sprechen nicht gerade dafür, dass Favre sich mit seinen abfälligen Aussagen über die vorhandenen Spieler und seiner peinlichen Rücktrittsposse mannschaftsintern beliebt gemacht hat.

Ich prophezeie, dass Favre bereits nach 5 Spieltagen nicht mehr Trainer der Hertha ist. Und dann steht Hoeneß da mit seinem Scherbenhaufen aus unterdurchschnittlichen deutschen und schweizer Kickern und hat nicht mal mehr einen Trainer, der dies zu verkaufen hat. Ich denke, auch für ihn wird es die letzte Saison werden. Man muss kein Wahrsager sein um zu vermuten, dass diese mit einem Abstieg enden könnte.

Über den Autor: Goldschuhe aus

Agent provocateur erster Güte. Ansonsten Misanthrop und Eintracht Frankfurt-Fan. Frisur: vorhanden.