Sadomaso am Freitagabend

Sadomasochisten unter sich - Zietlow und OttoAls relativ frisch gebackener Vater ändert sich so manches. Zum Beispiel findet man sich am Freitagabend schwer abgekämpft und nichts ahnend vor dem Fernseher und sieht zufällig RTL. Und was man da sieht lässt einen zunächst ungläubig staunen und im Weiteren zweifeln: War die Einführung des Privatfernsehens wirklich eine gute Idee, Herr Kohl? Bei näherer Betrachtung der Spielshow “Entern oder kentern” beschleicht einen zumindest ein ungutes Gefühl.

Besser schlecht geklaut als selbst auch nur ein bisschen nachgedacht – dieser Eindruck vermittelt sich der hartgesottenen Zielgruppe schon bei den Eingangscredits und der schamlos bei “Fluch der Karibik” geklauten Titelmusik. Doch der nächste Tiefschlag steht schon kerzengerade im Sand einer Pirateninsel, die selbst im Traumland des Pappmaché besser und “echter” aussehen würde: Sonja Zietlow. Der eigenwillige Charme jener Dame, die das Wörtchen korrekt so korrekt aussprechen kann, entfaltet sich in ihrer Rolle als Comtessa, deren Schatz der gefährliche Schmalspur-Sparrow (Bond-Bösewicht Götz Otto) an sich gerissen hat und den 90 Kandidaten aufgeteilt in drei Teams zurückholen sollen, nicht wirklich. Zu sehr unterstreicht eine virtuelle Peitsche jeden ihrer Sätze, mit denen sie die drei Teams und ihre “prominenten” Anführer über einen Hindernis-Parcours jagt, über den die Kandidaten von Takeshis Castle nur milde gelacht hätten. Bei den “Prominenten” handelt es sich konkret um Bürger Lars Dietrich, Ingo Naujoks und Ruth Moschner, die in lustigen Holzfässern auftreten, nur um sich sofort umzuziehen. Sinn und Zweck dieser Einlage bleibt ebenso im Verborgenen, wie die Grenze der Schmerzfreiheit der drei TV-Prostituierten.

Zwischen den Wehrsportübungen unter Piratenbedingungen grimassiert sich Bondbösewicht Götz Otto durch humorlose Spielszenen, in denen jede seiner Gesten und mimischen Ausdrücke seinem Gegenüber vermitteln soll: ich war schon mal Bond-Bösewicht. “Lorbeeren”, auf denen sich der durch weitgehende Talentfreiheit gesegnete Otto immer noch allzu gerne ausruht. So geht es unerfreulich und zäh weiter, bis sich unsere Wehrsportgruppe soweit dezimiert hat, dass jeweils nur noch eine Handvoll den Sturm auf das Piratenschiff des bösen Sparrowtto in Angriff nehmen kann. Im Gegensatz zum japanischen Vorbild, steht am Ende aber die leichteste Übung und so gelingt es tatsächlich einem Trüppchen den Piratenkapitän über die Planke zu schicken und der Comtessa ihren Schatz zurück zu erobern. Das wäre dem mächtigen Takeshi nie und nimmer passiert und gerade aus der Hoffnunglosigkeit des fortwährenden Anrennens zog die einzig wirklich gute Sendung, die das DSF jemals im Programm hatten, einen Großteil ihres Reizes. Übrigens, die Siegertruppe freute sich über einen Preis in Höhe von 3000 Euro. Wie tief kann man eigentlich sinken?