Kleider schießen Tore

“Niveau ist eine Frage von Stil” – diesem Motto folgt dieser Blog schon lange. Wenn Fußball inzwischen alle Lebensbereiche durchdrungen hat und dieser Tage kein, wirklich kein Bericht ohne Metaphern aus der Fußballwelt auskommt, dann ist es auch mehr als legitim, die Trikots der Saison 2010/2011 kritisch zu würdigen. Statt fundierter Analyse also pure Oberflächenbetrachtung und ernst gemeinte Warnung davor, welche Spielpaarungen in der kommenden Saison das eigene Sehvermögen oder das  TV-Gerät vor eine harte Probe stellen könnten.

Die Trikots zur neuen Saison lassen sich grob in fünf Kategorien einteilen. Kategorie eins besteht aus Hannover, Freiburg und Hoffenheim. In der “Stadt an der Leine” wird das neue Trikot am 16.7. den Medien vorgeführt. In Freiburg übt man sich im badisch Ungefähren und verkündet, das neue Trikot würde Mitte Juli vorgestellt. Immerhin gibt es bei beiden Vereinen ein neues Trikot, in Hoffenheim müssen die Ladenhüter vom letzten Jahr noch eine weitere Saison lang aufgetragen werden. Trotz “Preis-Hoffenssive” (Kein Witz) im Fanshop treten die Hoppenheimer wieder in ihren blauen “Jerseys” (Kicker) an.

Kategorie zwei schließt sich in Sachen Langweiligkeit nahtlos an Hoffenheim an. In Gladbach, Köln, Mainz oder Schalke herrscht die Tristesse der Einfarbigkeit. Veränderungen zum Trikot der letzten Saison erschließen sich wahrscheinlich nur “echten” Fans. Auch Stuttgart reiht sich in dieser Kategorie ein, wenigstens hat sich hier im Gegensatz zu anderen Vereinen der Hauptsponsor geändert. Überhaupt, diese Trikotsponsoren: In Gladbach, Hoffenheim und Mainz sorgen allzu grelle Logos für optische Irritationen. Derartig aggressives Auftreten haben Traditionsvereine wie Schalke oder Köln dagegen nicht nötig.

Kategorie drei: Die Traditionalisten

“Im Rückgriff auf vergangene Zeiten den Erfolg in der Zukunft suchen” – Ungefähr so dürfte sich das Marketinggeschwurbel in Frankfurt, München oder Kaiserslautern bei der Präsentation der Trikots für 2010/2011 angehört haben. Während Frankfurt und München aber etabliert genug sind, um ihren Trikotsponsor zur Zurückhaltung aufzurufen, liegt man in Kaiserslautern völlig daneben. Dort verunziert ein grünes Logo das an sich schön weinrote Retrotrikot der “Pfälzer”. Dass der Sponsor ausgerechnet ein Produkt aus dem Allgäu bewirbt ist natürlich der absolute Hohn.
Was tut man allerdings, wenn man über keine Tradition verfügt? Man borgt sich welche! So geschehen in Leverkusen, dessen Heimtrikots zukünftig ein diagonaler Streifen ziert, wie man ihn traditionell auf dem Trikot Perus oder auch bei Rayo Vallecano findet. Trotzdem eines der schönsten Trikots der kommenden Saison.

Außer Konkurrenz laufen die Trikots von Werder Bremen und St.Pauli. Hier hat man geschmachssicher Geschmacksverbrechen begangen. “Das neue Trikot des SV Werder Bremen steht für Aggressivität, Tradition und Nachhaltigkeit” heißt es lautsprecherisch auf der Homepage des Vereins von der “Weser” (Wontorra), während man “auf” (Schneider1) St.Pauli auf die Flucht nach vorne setzt. Statt in traditionellem Braun spielt St.Pauli zukünftig in einem Wendetrikot dessen Hauptseite kupferfarben sein soll. Ob das jetzt für Agressivität oder die “guten alten Zeiten” steht, entschließt sich mir nicht. Es ist so oder so ein Ausbund an Hässlichkeit, dabei trug Pauli in der vergangenen Saison eines der schönsten Trikots im “bezahlten” (Kicker) Fußball.

Bonus Trikot:

Mal wieder völlig daneben liegt der geschätzte VFL Bochum. “Western an der A40″ scheint als Motto der neuen Saison im Ruhrstadion ausgegeben worden zu sein. Mit seiner Mischung aus verwaschenem Jeansstoff (Ein verzweifelter Versuch wieder mehr Kuttenträger ins Stadion zu bekommen?) und ungebügeltem Leinen schießt Bochum (mal wieder) ein Eigentor in Sachen Heimtrikot. Fehlt nur noch das eigentlich gelbe Logo des Hauptsponsors, und das Unglück wäre perfekt.