Der deutsche Fußball – Ein Abgesang

Quelle: www.pixelio.deNach zwei Spieltagen in der Champions League ist wieder einmal klar, wohin die Reise für die deutschen Teilnehmer geht: Bestenfalls in den UEFA-Cup oder schlimmstenfalls überhaupt nirgendwo hin. Kann man darüber traurig sein? Vielleicht. Muss man resignieren? Auf jeden Fall. Soll man die Mannschaften deswegen bemitleiden? Niemals, denn sie haben es nicht anders verdient. Ein Abgesang auf den deutschen Fußball im internationalen Vergleich.

Es ist doch seit 4-5 Jahren immer das gleiche Spiel: Bremen/Schalke/HSV/Stuttgart/beliebige Mannschaft haben eine meist tolle Bundesliga-Saison hinter sich und sind dem eigenen Vernehmen nach “in der Breite sowie in der Spitze” (alle Fußball-Manager) so gut “aufgestellt” (ebd.), dass man zumindest mit den deutschen Mannschaften rechnen müsste. Regelmäßig wird das Viertelfinale als Ziel ausgegeben und es scheint jedes Jahr mit neuer Euphorie machbar, denn wir als Fußballfans sagen “Die großen Vereine wie Chelsea, Madrid oder Barcelona müssen uns aber auch erst einmal schlagen” und räumen den deutschen Teilnehmern damit eine Chance ein, die sie – ist man mal wirklich ehrlich – seit Jahren nie hatten und in Zukunft mit ziemlicher Sicherheit auch nicht haben werden.

Denn mit jährlicher Regelmäßigkeit haben die deutschen Mannschaften jämmerlich die Hosen voll, sobald sie auf den Platz müssen. Aus diesem Grund gibt es genau drei Spieltypen:

  1. Spiele gegen eigentlich übermächtige Mannschaften (wahlweise Chelsea, Madrid oder Barcelona): HB/GE/HH/S/bM ( Bremen/Schalke/HSV/Stuttgart/beliebige Mannschaft) hat zuerst die Buchse voll, kämpft sich aber ins Spiel, spielt dann auch passabel mit und ist zeitweise sogar besser als die übermächtige Mannschaft. Manchmal schießt HB/GE/HH/S/bM sogar noch ein Tor. Als Folge davon zieht jedoch die übermächtige Mannschaft das Tempo an und macht mühelos ein bis zwei Tore, die meistens reichen, um das Spiel locker zu gewinnen. Der Trainer von HB/GE/HH/S/bM sagt nach dem Spiel, dass man ja gut mitgespielt habe und ein 0:2/1:3/2:2 zuhause gegen Chelsea, Madrid oder Barcelona ja gar nicht so schlecht sei.
  2. Spiele gegen Mannschaften auf mehr oder weniger gleichem Niveau (wahlweise Valencia, Lissabon oder Lazio Rom): HB/GE/HH/S/bM spielt nicht besonders gut, kontrolliert aber das Spiel und kommt sogar zu guten Chancen. Leider ist offensiv aber alles völlig ineffektiv und in der Abwehr genügt ein haarsträubender Fehler, um das Spiel mit 0:1 zu verlieren. Der Manager von HB/GE/HH/S/bM sagt nach dem Spiel, dass heute “mehr drin gewesen” wäre und dass oft auch das “nötige Quentchen Glück” gefehlt habe.
  3. Spiele gegen schlechtere Mannschaften (wahlweise Trondheim, Prag oder Moskau): HB/GE/HH/S/bM gewinnt das Spiel meist nach technisch ansprechendem Fußball mit 4:0. Der Gegner ist chancenlos und wird an die Wand gespielt. Freuen kann sich danach trotzdem keiner so richtig, weil man die nötigen Punkte für das Viertelfinale in den vorigen Spielen leider schon verspielt hat. Der Präsident sagt nach dem Spiel, dass man die Mannschaft “in der Breite und in der Spitze verstärken” werde und nächstes Jahr wiederkommen werde. Das Viertelfinale sei dann das Ziel.

Irgendwann kann man sich das alles nicht mehr antun, geschweigedenn anhören. Die Ausreden werden nicht besser und richtiger schon gleich gar nicht. Richtig ist doch vielmehr folgendes:

  1. Den Spieltypen 1 verliert man schlicht und einfach durch mangelnde Qualität und zu einem großen Teil auch darum, weil man geradezu widerwärtigen Respekt vor den sogenannten großen Spielern zeigt. Warum haut ein Naldo nicht mal einen Messi so um, dass der sich den nächsten Hackentrick dreimal überlegt?
  2. Den Spieltypen 2 verliert man nicht durch Pech, sondern durch Dummheit gepaart mit Ineffizienz. Mangelnde Qualität spielt auch hier eine Rolle. Wenn ein Kuranyi oder ein Gomez es eben nicht schaffen, klare Chancen so selbstverständlich wie gegen Bielefeld einzunetzen, sind sie eben keine großen Stürmer. Und wenn sich ein Meira oder ein Fritz nicht 90 Minuten konzentrieren können, sind sie eben keine großen Verteidiger.
  3. Spieltyp 3 ist ein Freundschaftsspiel und darum völlig bedeutungslos.

So leid es mir tut und so groß mein Hass auch ist: Die einzige Mannschaft, auf die man sich international bis auf wenige Ausnahmen immer verlassen kann, ist Bayern München. Außer der großartigen Nationalelf sind die Bayern die einzige deutsche Mannschaft von Weltformat und sie wird es alleine bleiben, wenn nicht endlich die Verantwortlichen von HB/GE/HH/S/bM ihre Lebenslügen ablegen.

Die Wahrheit ist: Den deutschen Mannschaften mangelt es an Qualität und Intelligenz. Spielerisch sowie taktisch. Solange das so ist, sind die internationalen Spiele erfolglos. Kommen dazu noch Dummheit oder Konzentrationsmangel und Angst ins Spiel, sind die Spiele blamabel. Und irgendwann guckt sich das kein Mensch mehr an. Von keinem Fußballfan kann man verlangen, auch noch Spaß zu empfinden, wie der deutsche Fußball jedes Jahr aufs Neue offensichtlich verhöhnt wird.

Also: Liebe deutschen Champions-League-Teilnehmer. Ihr könnt drei Dinge tun:

  1. Ihr verstärkt euch und bildet euch spielerisch wie taktisch weiter, so dass ihr konkurrenzfähig seid.
  2. Sollte Punkt 1 finanziell nicht möglich sein, formt euch endlich selber endlich mal ein paar “Eier” (O. Kahn) und legt die sinnlose Ehrfurcht ab.
  3. Wollt ihr weder das eine oder das andere tun, dann meldet euch einfach im Voraus von der Champions League ab. Denn so ergibt es für alle Beteiligten keinen Sinn.

Über den Autor: Guru von der Kreuzeiche

Leidensbereiter sowie leiderprobter SSV-Reutlingen-Fan und Unsympath. Empfindet die Bezeichnung “Unglaublicher Demagoge” als Kompliment. Trinkt was Schnäpse angeht nur klar.