Der große Maskottchen-Test II

AntjeSo, von Kollege Vollspann wurden ja bereits die ersten drei Bundesliga-Maskottchen vorgestellt. Weiter geht’s nun mit Teil II der Reihe. In der Verlosung heute: Leverkusen, Duisburg, Frankfurt oder besser: “Brian, the lion“, “Ennatz” und “Attila“.

 

Brian, the lion

Der Bayer-Löwe ist ungefähr das dämlichste Maskottchen, das überhaupt vorstellbar ist.

Aber andererseits passt er irgendwie hervorragend zu Bayer Leverkusen. Er wirkt beliebig, austauschbar und absolut uninteressant.

Ich stelle mir die Entscheidung für “Brian, the lion” (kann denn ein Name noch dümmer sein?) ungefähr so vor: Die Bayer-PR-Experten, die ansonsten Kontakt zu Politik und Verbänden hegen und pflegen, sitzen nun in einem Konferenzraum mit der Aufgabe, eine strategische Entscheidung über ein Maskottchen für den Fußballverein zu treffen.Nach stundenlanger Diskussion (mit leckeren Schnittchen) ist ungefähr jede auch nur annähernd kreative Idee getötet und weil alle endlich nach Hause wollen, folgt man der Eingebung des neuesten Mitglieds des Bayer-Zirkels: “Dann nehmen wir halt ´nen Löwen, verdammt!”
EnnatzDas MSV-Zebra punktet auf jeden Fall in Sachen Tradition. Seitdem man denken kann, haftet den Meiderichern die Bezeichnung “Zebras” an, insofern passt das Maskottchen prinzipiell hervorragend als Tier zum MSV. Auch die Kombination mit dem legendären “Zebra-Twist” gelingt. Wobei das Maskottchen den Vorteil hat, nicht ganz so penetrant zu wirken, wie das Lied.

Bisher kam schließlich noch jeder Nicht-MSV-Fan mit folgenden Worten aus dem dortigen Stadion: “Beim ersten Mal fand ich das Lied total lustig und charmant, nachdem ich es in 90 Minuten allerdings gefühlte 40 mal gehört habe, möchte ich den Stadion-DJ nur noch mit dem ‚Kopp uff die Dischplatt’ (Badesalz) hauen.”

Auch positiv: Der Name Ennatz leitet sich vom Ex-MSV-Urgestein Bernhard Dietz ab und unterstreicht den traditionellen Aspekt hervorragend.

Bei dem Loblied auf das Maskottchen bleibt allerdings zu bedenken, dass bei aller traditioneller Stimmigkeit das Vieh an sich eher unscheinbar bis nichtssagend daherkommt. Das wäre auf jeden Fall deutlich charmanter gegangen.AttilaZugegeben: Mir als Eintracht-Fan fällt es natürlich nicht leicht, objektiv zu sein, aber ich finde Attila super. Kein doofes Fellvieh für Kinder und Mädchen, nein, ein waschechter Adler. Im Gegensatz zu den ganzen Kuscheltieren gibt’s hier auf jeden Fall derbe Pluspunkte für den Aggressivitäts-Faktor.Die Kritik muss daher eher andersrum ansetzen: Passt ein majestätisches, aggressives Raubtier zu einer Mannschaft des Bundesliga-Durchschnitts? Andererseits: Kann man Maskottchen auf Grund des Charakters der Mannschaft messen? Ich weiß es nicht. Ich bin auf jeden Fall zufrieden damit, dass mein Club keinen beliebigen Brian-the-lion-Gehirnkot anbietet.Einziger echter Schwachpunkt: Es gibt Attila noch nicht lange. Zwar ist der Adler seit jeher das Sinnbild der Eintracht, aber ein personifiziertes Maskottchen gibt es erst seit relativ kurzer Zeit. Insofern muss man hier – gerade in Konkurrenz zum Zebra – klare Abzüge in der Traditionsnote vornehmen.

 

Fotoquelle: NDR