“Ein Lothar Matthäus …

Lothar Matthäus… lässt sich nicht von seinem Körper besiegen, ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal.”

In diesem Satz vedichtet sich die gesamte Hybris des Raumausstatters, Fussballprofis, Rekordnationalspielers, Vereins- und Nationaltrainers Lothar Matthäus. “Ein Lothar Matthäus” spricht von sich in der dritten Person, schließlich ist ein Lothar Matthäus Rekordnationalspieler, Weltmeister, mehrfacher deutscher und italienischer Meister, hat Europapokale gewonnen und als ungarischer Nationalspieler die deutsche Nationalmannschaft besiegt. Da wird man sich ja wohl mal etwas Mäjestisches anmuten dürfen. Dabei ist Matthäus Karriere eine Aneinanderreihung von Pleiten, Pech und Pannen, Folgen einer Selbstüberschätzung, die dem jungen Loddar noch fremd war, wie er in einem Interview mit Günter Koch beweist.

1984, Pokalfinale zwischen Borussia Mönchengladbach und Bayern München. Schon vor dem Spiel hatte Matthäus bekannt gegeben, in der neuen Saison für den aus niederrheinischer Perspektive verhassten FC Bayern zu spielen. Einerseits verständlich, zeigte Gladbachs Weg zu dieser Zeit schon nach unten, während sich der FC Bayern anschickte die Liga zu dominieren. Andererseits unverzeihlich, schließlich wähnte sich Gladbach in den glorreichen 70er Jahren als den Bayern mindestens ebenbürtig, wenn nicht überlegen. Und das als niederrheinische Kleinstadt ohne Protegierung einer Landesregierung. Wie der Fußballgott manchmal so will, erhält Matthäus die Chance, sich bei den Fans von Gladbach unsterblich zu machen ohne seinem neuen Arbeitgeber allzuviel Schaden zu zufügen. Ein spannendes, dramatisches Pokalfinale geht in die Verlängerung, geht ins Elfmeterschießen. Es kommt zum Duell zwischen Lothar Matthäus und Jean-Marie Pfaff. Matthäus nimmt Anlauf und schießt den Ball in den Flutlichthimmel über dem Frankfurter Waldstadion. Jener Moment nach dem verschossenen Elfmeter, als Lothar Matthäus in Socken auf dem Rasen saß, war wohl der Moment, in dem sich Lothar Matthäus vornahm, fortan selbst über sein Schicksal zu entscheiden. Ich nahm mir in diesem Moment jedenfalls vor, Lothat Matthäus als Fußballer fortan nicht mehr ernst zu nehmen. Selten sah ein Spieler so jämmerlich aus, beim Versuch, es allen Recht und dabei alles falsch zu machen.

Seitdem treibt den Mann aus Franken sein übergroßes Ego gepaart mit einem schlichten Gemüt von einer Peinlichkeit zur nächsten und ich frage mich ernsthaft, wie ein solcher Spieler zum alleinigen Rekordnationalspieler werden kann. Im Champions League Finale 1999 lässt er sich lieber auswechseln als die Zähne zusammen zu beißen. Das Ende ist bekannt. Wenig später beendet er seine Karriere bei den NY Metrostars. Mit Matthäus stürzt das Team auf den letzten Platz ab, ohne den Rekordnationalspieler läuft es plötzlich prima, schließlich kann es sich selbst ein Club der amerikanischen Profiliga nicht leisten, eine alternde Diva auf dem Liberoposten durchzuschleppen, dessen “Erster Alles”- Haltung nur für eins sorgt: Missgunst!

Damit nicht genug, Lothat Matthäus nimmt im Anschluss sein Schicksal erneut in die Hand und heuert als Trainer beim österreichischen Rekordtitelträger Rapid Wien an und erreicht in seiner knapp neunmonatigen Amtszeit auf Anhieb die schlechteste Platzierung für Rapid seit 1911. Am Ende der Saison trennen sich die Wege und das Schicksal, also Lothar Matthäus heuert in Ex-Jugoslawien bei Partizan Belgrad an. Nach einer Meisterschaft und der Qualifikation für die Champions League ist dort nach einem Jahr auch wieder Schluß. Höhere Aufgaben standen an: das Amt des ungarischen Nationaltrainers. Zwei Jahre lang leitete er die Geschicke der Magyaren ohne dem ungarischen Fussball allerdings die entscheidenden Impulse zu geben, Ungarn qualifizierte sich wieder einmal nicht für die WM. Matthäus versuchte sich im Fernsehen als Trainer von Borussia Banana, wenig später wurde er mit großem Tamtam als Trainer des brasilianischen Erstligisten Atletico Paranaense präsentiert. Nach gerade einmal vier Wochen ergriff Matthäus angeblich aus familiären Gründen die Flucht bzw. nutzte einen Europaurlaub, um gar nicht mehr nach Brasilien zurückzukehren, und blieb seine Klasse als Trainer erneut schuldig. Doch das nächste Engagement für den sich selbst bei jedem vakanten Trainerposten ins Spiel bringenden Matthäus wartete schon im Salzburger Land. Als Co-Trainer von Giovanni Trapattoni sollte Matthäus noch einmal in die Lehre gehen, doch sein übergroßes Ego wollte auch dort andere Wege gehen. Seit vergangenen Montag ist auch dieser Vertrag nur noch Makulatur und Matthäus erneut nach knapp zwölf Monaten aus einem Traineramt geflogen. Umso erstaunlicher, dass er tatsächlich als möglicher Nachfolger für Tschechiens Nationaltrainer Karel Brückner gehandelt wird. Wenn der tschechische Fußball wert darauflegt, ins Chaos zu stürzen ist Lothar Matthäus sicher eine gute Wahl.

Angesichts dieser Vita fragt man sich allen Ernstes, wovon Matthäus Ruf noch zehrt? So legendär können seinen Leistungen als Spieler gar nicht sein, dass ein manager noch einmal die Augen davor verschließen dürfte, dass Matthäus viel zu eitel und beratungsresisten ist, um wirklich ernsthaft als Trainer arbeiten zu können. Getreu seinem Leitspruch: ein Lothar Matthäus entscheidet selbst über sein Schicksal versteht der Franke auch das Amt des Trainers. Vielleicht wäre es für ihn besser, sich wieder der raumausstattung zu widmen. Tine Wittler kann bestimmt noch einen gewieften Fachmann gebrauchen. Nur, liebes Schicksal, mit Fußball sollte Lothar Matthäus ein für allemal nichts mehr zu tun haben dürfen. So gut, wie alle und er selbst nämlich tun, war Lothar Matthäus nie. Auch nicht 1990, auch nicht im Spiel gegen Jugoslawien. Den entscheidenden Elfer gegen Argentinien schoß ja auch ein anderer, der Matthäus zumindest in zweierlei Hinsicht das Wasser reichen kann: in Sachen schlichtes Gemüt und was seine Harlekinereien auf der Trainerbank angeht. Aber das ist eine andere Geschichte.

Über den Autor: Esleben

Verrät als Freiburg-Fan Heimat wie auch Elternhaus und trinkt ansonsten ausschließlich Veuve Clicquot. Wer wohnt schon in Düsseldorf? Mehr über Esleben unter Google+