Das Comeback

Der Schnurrbart ist zurück. Zwar nicht in der ersten Bundesliga (oder gar in der Primera Division, in der er selbst sich qualitativ auch ganz gerne mal einsortiert), aber immerhin bei einem „ambitionierten“ (Quelle: sämtliche DSF-Reporter) Zweitligisten:

Der MSV Duisburg hat sich einen der Lautsprecher der Trainerzunft geangelt, um den es seit seinem Rausschmiss in Hannover recht ruhig geworden war. Im Juni 2007 gab er zumindest medial ein kleines Comeback mit seiner Aussage, dass Doping im Fußball der 80iger Jahre „gang und gäbe“ gewesen sei. Jedoch musste er nach dem medialen Aufschrei und zahlreichen investigativen Fragen allerhand Rückzugsgefechte führen. Diese Aktion war daher fast genauso peinlich wie damals, 1993, als er im Jogging-Anzug und Badelatschen mit seinem Porsche Cabrio zum Arbeitsamt fuhr, um Stütze zu beantragen – selbstverständlich vor laufenden RTL-Kameras.

Nun ist er also wieder in seinem eigentlichen Element angekommen: dem Job als Fußballtrainer, auch wenn es letztendlich dann doch nicht – wie von Peter insgeheim gehofft und mehrfach scherzhaft in Interviews geäußert – Real Madrid oder Bayern München geworden ist. Duisburg ist ja auch nicht schlecht: Da wäre zum einen die räumliche Nähe zu seinem Traumclub Schalke 04, dessen Traineramt er wohl auch ohne Entgelt übernehmen würde.

Zum anderen sind die Duisburger auch wesentlich besser, als ihr bisheriger Tabellenplatz vermuten lässt, denn ein Team, das einen Grlic als Leader auf den Platz schicken kann, hat einfach das Zeug zum Wiederaufstieg. Peter Neururer kann also gar nicht allzuviel falsch machen. Hansa Rostock wird sich jedenfalls schon jetzt mächtig ärgern, auf den farb- und bislang auch erfolglosen Dieter Eilts gesetzt zu haben und nicht auf den lautstarken Schnurrbartträger aus Marl. Zwar war das erste Spiel unter der Neururers Leitung noch ein fades 0:0 gegen das Kellerkind FSV Frankfurt, doch wurde bereits im zweiten Spiel Oberhausen auswärts mit 3:0 bezwungen. Es scheint aufwärts zu gehen.

Die Journaille – allen voran wohl das DSF – freut sich denn auch schon mächtig darüber, dass endlich mal wieder etwas passiert auf der Trainerbank. Eine erste Kostprobe gab es dann auch nach dem Spiel in Oberhausen, als er den eifrigen DSF-Reportern das Folgende ins Mikrofon diktierte: „Siege sind durch nichts zu ersetzen – außer vielleicht durch schönen Geschlechtsverkehr“.

Ein guter Einstand, auch wenn natürlich noch Luft nach oben bleibt. Er ist wahrscheinlich etwas außer Übung, aber das wird sich wohl schnell geben. Dann wird er wieder anknüpfen an seine verbalen Klassiker, wie z.B.: „Das letzte Mal, dass ich so hoch verloren hab, war gegen meinen Bruder im Tipp-Kick.“ (nach einer 0:7-Pleite mit Rot-Weiss-Essen) oder „Hier brauchst Du eher einen Wohnwagen als eine Wohnung, so schnell bist Du wieder weg“ (nachdem er in Offenbach angeheuert hatte).

Seine Familie wird es Peter Neururer so oder so danken, dass er die Stelle in Duisburg angenommen hat, denn nach seiner Entlassung in Bochum merkte er niedergeschlagen an: „Da wird auch eine ganz schlimme Zeit auf meine Familie zukommen. Denn ohne Fußball bin ich, wenn ich überhaupt was wert sein sollte, höchstens die Hälfte wert“. Welcome back, Peter!

Bilderquelle: www.fussballtrainer.de

Über den Autor: Don

Mag Bier und Heavy Metal genau so gerne wie Eintracht Frankfurt. Bis 5 Uhr in der Bochumer Pinte anzutreffen. Spinnt.

8 comments

  1. Esleben

    Ich bin ja schon lange der Meinung, dass der Neururer grundsätzlich keinen Job annimmt, bei dem er die Arbeitsstelle nicht bequem mit dem Auto erreichen kann. Wenn ich mir da seine Stationen so ansehe:

    TuS Haltern
    Rot-Weiß Essen
    Alemannia Aachen
    FC Schalke 04
    Hertha BSC
    1. FC Saarbrücken
    Hannover 96
    1. FC Köln
    Fortuna Düsseldorf
    Kickers Offenbach
    LR Ahlen
    VfL Bochum
    Hannover 96
    MSV Duisburg

    Gerade viermal außerhalb NRWs und außer Berlin eigentlich nie weiter als zwei Stunden bis drei Stunden Fahrt von GE aus… Mobilität scheint nicht gerade zu Petters Schlüsselqualifikationen zu gehören…

  2. Don

    Das macht ihn mir dann aber auch irgendwie wieder sympathisch. Ich würde auch nicht aus dem Ruhrpott weg wollen…

  3. Ralph Zeimet

    Finde Neururer is ein Unikat der Liga und Typen wie er sind das salz in der Suppe.

  4. Don

    @5: Das denke ich eben auch. Der hat sie zwar nicht alle auf dem Leisten, aber mir ist so einer lieber, als der x-te Ja-Sager wie z.B. jetzt ganz neu der Babbel. Klar, der hat keine Erfahrung und kann auch noch kein Profil in dem Sinne haben, aber seine ersten Interviews waren ganz fürchterlich durchschnittlich und klangen nach professionellem Kommunikationstraining.

  5. Guru von der Kreuzeiche

    Ich fand das Interview von Babbel auch behämmert: „Die Trainerlizenz interessiert mich nicht. Mich interessier nur das nächste Spiel.“

    Mann…