Die Fußballmaschinen und die Fans

“Der Mensch ist schon eine komische Maschine.” Diese wie in Stein gemeißelten Worte sprach unlängst Katharina Hölscher, ihres Zeichens Freundin des Autors, nach einem mehr als üppigen Mahl auf der Hochzeit ihrer Tante aus Kanada. Sie beschrieb damit in völliger Unkenntnis des Meisterwerkes von Kraftwerk, den Umstand, dass der menschliche Körper nach allzu heftiger Nahrungsaufnahme zu ausgiebiger Ruhe neigt, nach einiger Zeit aber durchaus wieder zu Höchstleistungen am Glas und Buffet fähig ist. Höchstleistungen: sehr wichtig in der Welt des Sports. Maschinen müssen reibungslos funktionieren. Nicht immer klappt das in der Bundesliga wie gewünscht.

Schon der Saisonstart offenbarte: Die Meistermaschine aus Stuttgart ließ ihren Motor zwar ordentlich an gegen die Vize-Maschinerinskis aus dem blau-russischen Ruhrgebiet. Dabei geriet aber vor allem die mittlere VfB-Maschinerie ins Stocken. Mittelfeldmotor Yildiray Bastürk meldete sich mit Kolbenfresser krank und Ersatzmaschine da Silva konnte ihn nie adäquat ersetzen. Aber auch der Gegner hatte mit Problemen zu kämpfen: Gustavo Varela, der Uru-Mähdrescher, befindet sich nach erfolgreicher Reparatur noch nicht auf voller Drehzahl und der dänische Sturmtank Sören Larsen hat Probleme mit seinen Stoßdämpfern. Das blaue Abwehrbollwerk zog sich also zurück und ein eingewechseltes Schweizer Uhrwerk stellte den Endstand her – 2:2.

Überhaupt ist es in der heutigen Zeit des Profifußballs wichtig, einen starken Fuhrpark in der Hinterhand zu haben. Maschinelle Probleme schnell und gleichwertig ausgleichen: Wer das in der Bundesliga schafft, dessen Maschine wird am Ende wie geschmiert laufen. Die bajuwarische Weißbier-Maschine hat ordentlich an PS zugelegt. Mit Luca Toni, Miro Klose, Marcell  Jansen und Franck Ribery geben sich gleich vier neue Edelkarossen im Münchener Fuhrpark die Garagenschlüssel in die Hand. Wer kann solche Power stoppen? Höchstens die Transformers, aber die wissen ja momentan selbst nicht, ob sie gut oder böse sein sollen.

Schon bevor der erste Ball gekickt wurde, stellten manche Besserwisser die ein oder andere Maschine aufs Abstellgleis. Mensch-Maschinen sind aber sehr schwer einzuschätzen. Mathematische Hochrechnungen aufgrund von Fehlbarkeit und individueller, tagesabhängiger Leistungsfähigkeit nahezu unmöglich. Die Nürnberger und Dortmunder, beides hoch gehandelte und stark aufgerüstete technische Betriebe, gerieten direkt gegen die noch mit Pedalen betriebenen Holz-Karossen aus Karlsruhe und Duisburg ins Schleudern.

Wer besonderen Stellenwert im Fußball genießt, ist die Fanmaschine – die 12. Maschine sozusagen. Wenn es auf den Rängen wie geölt läuft, dann kann sich das auf den Rasen übertragen. Wenn die Zahnräder ineinandergreifen, kann auch eine vermeintlich nicht so leistungsfähige Maschine einen scheinbar übermächtigen Gegner überrollen. Viele Vereine setzen darauf. Das kann aber auch ins Gegenteil umschlagen. Beim BVB zum Beispiel, mit über 50.000 permanenten Fan-Maschinen und zusätzlichen 20 bis 30.000 Teilzeit-Motoren Krösus der Liga, sorgten Pfeifkonzerte dafür, dass die Fußballmaschinen auf dem Rasen gar nichts mehr zustande bekamen.

Kurzum: Wir Fans stehen auf Fußballmaschinen, nicht nur hier im besten Fußball-Blog der Welt. Wir Fans wollen wieder ins Stadion, pausenlos Adrenalinstöße aufgrund von vergebenen Chancen, wunderschönen Toren, überraschenden, berauschenden Siege und leider auch blöden oder verdienten Niederlagen (gehört irgendwie auch dazu, wenn man nicht unbedingt Fan des FC Bayern München ist). Wer sich nicht für Fußball interessiert und sich darüber aufregt, hatte jetzt für knapp drei Monate die Chance, der fußballbegeisterten Meute Alternativen aufzuzeigen. Scheint ihnen nicht gelungen zu sein. Jetzt sind wir wieder dran: Startet die Motoren für Spieltag Nr. 2.