Gestern war gestern

In der letzten Ausgabe des 11-Freunde-Magazins behauptete Uli Hoeneß, dass die Bundesliga in zehn Jahren Europa beherrsche. Der Mann irrt. Ich behaupte, in fünf  (!) Jahren beherrscht die Bundesliga die Welt! Seit gestern sollte jedem klar sein, dass die Zukunft begonnen hat.

Über den Autor: Buxe

Macht in Unterhosen und Lotto. Kunstverständiger Lebemann, der seinem Verein Schalke 04 in unerschütterlicher Hassliebe verbunden ist. Wurstvegetarier und Minigolfgott in Personalunion.

Der neue Bundestrainer

Unser Blog ist heute besonders innovativ und berichtet nicht nur über einen sich neu erfindenden Loddar, sondern auch über den neuen Bundestrainer. Jogi ist den Job ja schon so gut wie los, sein Nachfolger steht bereits fest: Nicht Kloppo, nicht Kahn, nicht KMH, nein, Helge Schneider muss es machen! Wer mit soviel Begeisterung und derart neuartigen Trainingsmethoden arbeitet, ist in jedem Fall der Richtige für den Job.

 

Via: Trainer Baade.

Über den Autor: schneider3

Mildernde Umstände aufgrund familiärer Vorschädigung durch zwei dominante Brüder. Normalerweise erlebt das Weißbier bei ihm das Mittagsläuten nicht. Kaiserslautern-Fan. Weiß der Teufel, warum.

Der neue Lothar Matthäus

Reißerische Überschrift, die mal wieder nichts von dem hält, was sie verspricht. Trotzdem staunt man nicht schlecht über das, was Lothar Matthäus angesichts des historischen 4:4 gegen Schweden, das demnächst auch einen Untersuchungsausschuss des Deutschen Bundestags beschäftigen dürfte, zu sagen hat. Vermutlich ungefragt, gab Lothar Matthäus dabei Einblick in einen Teil seiner Seele, den man angesichts austauschbarer weiblicher Begleiterinnen, gescheiterten TV-Auftritten und eben solchen Rühreiern längst verschüttet glaubte. Matthäus offenbarte in seinen Auslassungen mehr Sachverstand als viele alle Experten zusammen, doch lassen wir den Weltfußballer doch selbst zu Wort kommen:

Einige Spieler werden überbewertet. Hummels, der in Berlin fehlte, ist auf einem guten Weg. Mertesacker ist für mich kein Innenverteidiger von internationalem Format. Badstuber und Boateng haben noch nicht Weltklasse-Qualität.

so Matthäus und ich so „Unterschreib ich sofort!“ Aber damit nicht genug, den Loddar legt nach, und zwar nicht wie sonst mit einem beherzten Sprung ins Fettnäpfchen, sondern mit einer weiteren intelligenten Einlassung, die vermuten lässt, der Mann könnte doch mehr von Fußball verstehen als mindestens ich:

Hört mir auf mit dieser Führungsspieler-Debatte! Wir haben auch WM-Endspiele verloren, als Breitner oder Rummenigge auf dem Platz standen, ein Champions-League-Finale mit mir und Effenberg. Wir haben Führungsspieler, nur sind das andere Typen.

Bamm! Treffer, versenkt! Und Udo Lattek dürfte spätestens jetzt hyperventilieren. Aber wie im gloriosen WM-Spiel gegen Jugoslawien, die älteren unter den Lesern werden sich erinnern, das war kurz bevor Deutschland auf Jahre hinaus unschlagbar war, legt Lothar noch einen nach:

Im Ausland schwärmen alle von unserem Fußball – nur wir selber meckern immer. Dabei macht die Nationalelf seit sechs, acht Jahren Freude, auch wenn die Titel fehlen.

Das klingt, selbst wenn man sich dazu Lothar Matthäus Vortrag im fränkischen Idiom vorstellt, so herrlich unaufgeregt und unfassbar richtig, dass man sich zwicken muss, um wirklich glauben zu können, dass dieser Kommentar von Lothar Matthäus kommt. oder hat ihn da nur jemand falsch zitiert? Wir hoffen nicht, wir haben jedenfalls bei Spox abgeschrieben.

Foto: Kantenflimmern/flickr.com

Über den Autor: esleben

Verrät als Freiburg-Fan Heimat wie auch Elternhaus und trinkt ansonsten ausschließlich Veuve Clicquot. Wer wohnt schon in Düsseldorf? Mehr über Esleben auf Google+

Die Erosion der Macht

Geniale Spielzüge, Kantersiege gegen die Elite des Weltfußballs, eine Nationalelf zum Bewundern – das alles ist nur zwei Jahre her, aber es fühlt sich an wie ein Märchen aus längst vergangenen Zeiten. Spätestens drei Monate nach der EM 2012 küssen Mannschaft und Fans den harten Beton der Realität. Man muss sich eingestehen, dass der deutsche Fußball jüngerer Prägung bei der WM 2010 seinen spielerischen Höhepunkt bereits erreicht hatte und dass man sich, geht es so weiter – sich die beschwerliche Reise nach Brasilien sparen kann.

Und ja, daran ist vor allem Jogi Löw schuld, der eigentlich nach dem von ihm vergeigten Halbfinale hätte zurücktreten müssen. Ich bitte, mich nicht falsch zu verstehen. Löw hat jahrelang ganz großartige Arbeit geleistet. Jede seine Entscheidungen – bis zur EM – hatte Hand und Fuß. Auch wenn man es als Zuschauer oft anders sah, am Ende behielt der Jogi in traumwandlerischer Sicherheit immer Recht. Und er hat dem deutschen Fußball so gut getan, wie lange kein anderer Trainer zuvor. Ich weiß noch, wie man sich 2010 vor dem Fernseher erstaunt die Augen rieb und den Kopf schüttelte, ob so viel spielerischer Genialität. Dass es dann gegen Spanien nicht klappte: geschenkt. Die Zukunft schien golden.

Der Lattek- und der Beckenbauer-Faktor
Die Frage ist: Was ist seitdem passiert? Warum ging es nicht so weiter? Ich denke, es gibt zwei Hauptfaktoren: Den einen nenne ich den Lattek-Faktor (Stichwort Küchenpsychologie) und den anderen den Beckenbauer-Faktor (einfach darum, weil es etwas mit Spielentwicklung und Taktik zu tun hat). Kommen wir zunächst zu letzterem.

Jogi Löw hat die Mannschaft seit 2010 spielerisch und taktisch nicht weiterentwickelt. Es fand eher eine Rückentwicklung statt.  Wo bei der WM das „schnelle Umschalten“ und das Spiel „gegen den Ball“ im Vordergrund standen, steht heute das unkreative Verwalten. Vereinfacht ausgedrückt: 2010 spielte die Nationalelf zumindest offensiv wie Dortmund, bei der EM wie Bayern in der vergangenen Saison.  Jetzt könnte man sagen, ok, 2010 hatte die Mannschaft nach dem Ausfall des bis dato gesetzten „Capitanos“ Michael Ballack auch einen Underdog-Status. Keiner hat etwas erwartet und Zuschauer wie Gegner wurden deshalb überrascht.

Das ist aber meiner Meinung nach Blödsinn. Ich denke, dass Gegner auf höherem internationalem Niveau  von einer deutschen Mannschaft nicht wirklich überrascht werden, da sie niemals – komme was wolle – ein Außenseiter ist. Und in Zeiten, in der jedes Spiel und jeder Spieler genauestens beobachtet wird, gibt es keine großen Überraschungen in puncto Taktik und Spielweise mehr. Es geht vielmehr darum, beides so gut zu beherrschen, dass man Gegner schlägt, obwohl er eigentlich weiß, wie die Mannschaft spielt. Genauso ist es zum Beispiel bei Barcelona und bei der spanischen Nationalmannschaft. Jeder weiß ganz genau, wie sie spielen aber man kann es einfach nicht verhindern.

Spanien als Gott
Meine These ist, dass Löw sich nach 2010 viel zu sehr auf den spanischen Fußball als Vorbild gestürzt hat als das Spiel seiner Mannschaft auf Basis der Spielweise von 2010 weiterzuentwickeln. Aber die Kopie ist einfach immer schlechter als das Original und es geht mir mittlerweile auf die Nerven, dass es zurzeit anscheinend im Weltfußball nur eine Möglichkeit geben soll, Fußball zu spielen. Es ist immer dasselbe, Spanien hat dies, Barcelona macht das… Hallo, aufwachen! Natürlich muss man sich an den besten orientieren und ich finde den Fußball, den sie spielen auch sehr geil. Aber jede Mannschaft und jeder Trainer muss doch seine Mannschaft auf Basis ihrer Qualitäten entwickeln und nicht immer auf andere schauen.

Auf der anderen Seite hat Jogi Löw komischerweise überhaupt nicht nach links und rechts geschaut und anscheinend komplett verpasst, was Jürgen Klopp in Dortmund und Mirko Slomka in Hannover in den letzten Jahren getrieben haben. Denn genau so, wie diese beiden Mannschaften spielen, wäre die konsequente Weiterentwicklung für die Nationalmannschaft nach 2010 gewesen. Ich habe wirklich gedacht, ich hör nicht recht, als Löw neulich meinte, man müsse ab sofort Pressing spielen. Mein Gott, das machen andere schon seit zwei Jahren in Perfektion und auch erfolgreich. Das kann doch nicht sein, dass man da jetzt erst drauf kommt. Ich muss dazu leider sagen: 2 verschenkte Jahre.

Glaubwürdig geht anders
Kommen wir nun zum Lattek-Faktor. Neben der spielerischen Fehlentwicklung gibt es auch psychologische Komponenten, die – wie Udo Lattek sagen würde – vielleicht zu ein wenig „Neid und Missgunst“ führen, aber vor allem die Spieler an ihrem Trainer zweifeln lässt. Höhepunkt dieser Entwicklung war bestimmt die taktische Fehlleistung beim Italien-Spiel, die Kollege Goldschuhe aus an anderer Stelle brillant analysiert hat.

Aber es gibt weitere Beispiele. Zum Beispiel das dauernde Festhalten an formschwachen Spielern, nur weil sie sich in der Nationalmannschaft einmal bewährt haben – einer der größten Fehler der EM. Interessanterweise ist Jogi Löw von dieser Nibelungentreue mittlerweile abgerückt, weil er gesehen hat, wohin das führt. Aber jetzt als Gegenentwurf vor versammelter Journaille einen Schmelzer abzukanzeln, ist erstens moralisch fragwürdig und zweitens: Glaubwürdig geht anders. Nachdem viele Spieler wussten: Ich spiel eh nicht, weil sowieso 80 Prozent Bayern-Spieler auf dem Platz stehen, ist von jetzt auf gleich der harte Konkurrenzkampf ausgerufen und sie wissen gar nicht mehr, woran sie sind.

Ein großes Problem ist auch dieses fast schon sektenhafte Gebilde Nationalmannschaft, für das hauptsächlich Bierhoff verantwortlich zeichnet. Man hat das Gefühl, jeder hat Angst, den Mund aufzumachen. Und tut es doch mal einer wie neulich Schweinsteiger und äußert nur die leiseste Kritik, wird er sofort zum Gespräch gebeten und auf Linie gebracht. Es werden in dieser Mannschaft nur die Meinungen und die Sichtweisen der Verantwortlichen toleriert. Alles andere, wird niedergeschlagen. Zumindest entsteht nach außen der Eindruck. Und ein Bierhoff hält alle Fäden in der Hand und hat aus der Nationalmannschaft mittlerweile fast eine Art Staat im Staat gemacht. Dass man sich da als mündiger Spieler irgendwie so langsam nicht mehr richtig wohlfühlt und vielleicht auch an der Sache insgesamt zweifelt, wäre für mich die logische Folge. Diese ständige Bevormundung in allen Fragen kann nicht leistungsfördernd sein. Vor allem nicht, wenn es in schwierigen Spielsituationen darum geht, selbstständig Entscheidungen zu treffen und Verantwortung zu übernehmen – auch wenn es mal unbequem ausgehen könnte.

Die Erosion der Macht
Seit der EM spürt man allerdings eine Erosion der Macht in der Nationalmannschaft. Öffentliche Kritik an Löw seitens der Journalisten ist plötzlich erlaubt, Spieler geben unbequeme Interviews, Hoeneß meint mal wieder, seinen Senf dazugeben zu müssen. Es wird nicht möglich sein, bis 2014 so weiterzumachen und sich irgendwie durchzuwurschteln, ohne dass es bald richtig knallt. Ich glaube, in manchen Spielern brodelt es und schon ein verlorenes Spiel in der Qualifikation kann richtig Zoff bedeuten.

Ich bewundere Jogi Löw für seinen Fußballsachverstand und für seine großartigen Leistungen als Trainer der Nationalmannschaft. Aber auch die Besten müssen einmal abtreten und vor allem zum richtigen Zeitpunkt. Der wurde bereits verpasst. Und nein: Nicht alles, was über Jahre gut war, ist plötzlich schlecht, aber vieles hat sich totgelaufen und manches wurde einfach über Jahre versäumt. Das kann passieren, aber dann ist der Weg auch einfach irgendwann zu Ende. Das System Löw/Bierhoff hat sich überlebt. Ich würde mich freuen, wenn es anders wäre, aber die insgesamt tolle Ära Löw wird ohne Titel zu Ende gehen.

Bildquelle: Wikipedia

Über den Autor: Guru von der Kreuzeiche

Leidensbereiter sowie leiderprobter SSV-Reutlingen-Fan und Unsympath. Empfindet die Bezeichnung “Unglaublicher Demagoge” als Kompliment. Trinkt was Schnäpse angeht nur klar.