Multitalent Louis van Gaal

Seit dieser Saison bereichert ein sympathischer Holländer die Fußball-Bundesliga, denn die Bayern haben nach der Zeit des Dominators Klinsmann bei der Besetzung des Cheftrainer-Postens ganz bewusst auf den Wohlfühlfaktor gesetzt. Was macht diesen van Gaal so besonders? Es sind ganz einfach die sogenannten “Soft Skills”, die den Unterschied ausmachen. Die in dieser Saison geführten Interviews der Bayern-Spieler zeigen alle nämlich eins: Die Jungs betrachten van Gaal als ihren besten Freund und zahlen dieses warme Gefühl Spieltag für Spieltag mit Glanzleistungen zurück.

Das ist aber längst nicht alles. Louis van Gaal ist nicht nur wegen seiner ausnehmenden Freundlichkeit und Jovialität ein guter Trainer. Nein, er hat verstanden, dass Fußball nicht alles ist. Seine große Liebe gilt nämlich eigentlich der Musik, genauer genommen der Sangeskunst.  Hier fühlt er sich zuhause. Hier ist er Mensch, hier kann er sein.

Der Versuch einer musikalischen Analyse:

Van Gaal beginnt das Stück mit einer gewissen Grundaggressivität, die den Zuhörer sofort für sich einnimmt und durch ihre unbedingte Bestimmtheit fesselt. Vom ersten Takt an zeigt der Sänger mit seinem stark synkopierten Gesang, dass er den Ton angibt: Er setzt die Taktschwerpunkte und kein anderer.

Nach dem Intro wird es etwas gefälliger. Van Gaal lässt der Klavierbegleitung etwas Luft zum Atmen, bevor er das Stück wieder dominiert. Die folgende Phrase gewinnt an Dringlichkeit durch die melodische Wiederholung und die leichte Variation. Mit Bestimmtheit beendet van Gaal den ersten Teil des Stücks. Die Klavierstimme moduliert in eine andere Grundtonart.

Im B-Teil verabeitet der Sänger Versatzstücke aus dem ersten Teil, fügt sie aber ganz neu zusammen, so dass das Stück für den Zuhörer eine überraschende Wendung nimmt. Mit einer vorsichtigen, ja fast zaghaften Geste leitet das Klavier einen neuen Teil ein. Die Stimmung wird von van Gaal durch das schon fast resignierende “Ach, ach, ach, ach” perfekt aufgenommen. Doch die Ruhe ist trügerisch, sofort nimmt das Stück wieder an Tempo auf bis durch ein bestimmendes, beinahe schon autoritär wirkendes Unisono von Gesang und Klavier der C-Teil beendet wird.

Der D-Teil beginnt freundlich, ja heiter. Die Klavierstimme bekommt wieder etwas Raum. Direkt danach reißt van Gaal jedoch wieder das Stück an sich und lässt sich auf die etwas pastorale Grundstimmung ein, bevor er das Stück in einer furiosen, aber doch tänzerischen Schlussapotheose seinem endgültigen Höhepunkt entgegenführt.

Bravo, Maestro! Etwas besseres konnte der Bundesliga nicht passieren!