Auf dem Gipfel der Langeweile

Nun ist sie also vorüber, die medial so „hochsterilisierte“ (B. Labbadia) vorläufige Bekanntgabe des EM-Kaders. Mal ganz abgesehen von den nominierten Spielern: Die Veranstaltung auf der Zugspitze war vor allem eins: Unnötig und absolut stinklangweilig. Eine kleine Nachlese.

Der Bayerische Rundfunk startet mit seiner Übertragung um 13 Uhr. Diejenigen, die sich völlig schmerzfrei in freudiger Erwartung interessanter Interviews und Vorberichte mit dem Mittagessen vor den Fernseher begeben haben, bekommen erstmal eine satte Dröhnung Langeweile vor den Kopf geknallt: Monika Lierhaus interviewt Bierhoff, Monika Lierhaus interviewt den Skifahrer Felix Neureuther. Informationswert gleich Null, außer dass der Neureuther Felix ein ganz ein guter Fußballer war und der Schweinsteiger Bastian ein Top-Skifahrer. Spätestens an dieser Stelle wird klar, dass die verdiente Nicht-Nominierung von Schweinsteiger leider nicht zu erwarten ist. Sogar Botschafter für die Ski-WM 2011 soll der Basti werden. Eine tolle Sache.

Nach den Interview beginnt die Pressekonferenz mit der personifizierten Bräsigkeit: „Mediendirektor“ Harald Stenger. Wie üblich um jedes hessische Wort ringend wird die versammelte Presseschar begrüßt; danach dürfen die Vertreter des DSV berichten, wie groß ihre Fußballleidenschaft ist und wie toll doch die Zusammenarbeit mit dem DFB läuft. Nur warum die beiden Verbände zusammenarbeiten und sich gegenseitig vor laufender Kamera glorifizieren wird nicht beantwortet. Was bitte hat Skifahren mit Fußball zu tun? Und wer braucht den DSV als Gastgeber auf der Zugspitze? Der junge Neureuther entblödet sich auch noch, indem er sich Jogi Löw als Ersatzspieler andient. Was für ein Käse.

Nach einer gefühlten Stunde ist es dann endlich so weit. Das Triumvirat Löw, Flick, Köpke, Bierhoff entert die Bühne und zwängt sich hinter den viel zu kleinen Tisch neben den viel zu dicken Stenger. Interessanter wird’s deshalb leider auch nicht. Die Herren Verantwortlichen haben sich auf jeden Fall unglaublich viele Gedanken gemacht und sich akribisch vorbereitet. Zwei Jahre hätten sie an diesem „Drehbuch“ (J. Löw) geschrieben. Dann geht es los: Die durch Kinder dargestellte Mannschaft läuft nach und nach mit musikalischer Untermalung ein. Eigentlich eine ganz nette Idee, irgendwie aber auch unnötig. Adler statt Hildebrand, Trochowski, Helmes, Marin, Neuville – na gut. Die Präsentation erreicht ihren Siedepunkt, als ein Junge vergisst, das Triumvirat abzuklatschen. Die ersten Zuschauer wachen wieder auf.

Die Journalisten haben sich von der Langeweile anstecken lassen und stellen dementsprechend redundante Fragen, die von Löw bis Bierhoff nur mit Phrasen beantwortet werden: Löw will den Konkurrenzkampf, freut sich auf die EM, ist sich sicher, die richtigen ausgewählt zu haben und macht alles mit voller Akribie. Klar, Jogi ist ein Guter, aber das hat man auch schon davor gewusst.

Endlich ist der ganze Zinnober vorbei. Hoffentlich gibt es das nächste Mal vor der WM keine Präsentation mit „Symbolcharakter“. Oder vielleicht doch? Der Schwarzwald vielleicht, das wäre doch lustig! Aber als Zuschauer dieser sinnlosen Veranstaltung fragt man sich doch: Was ist eigentlich aus der guten alten Pressemitteilung geworden? Eine saubere Aufzählung der Nominierten, ein paar Kommentare von Löw und Ende. Das wäre es gewesen.

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Über den Autor: Guru von der Kreuzeiche

Leidensbereiter sowie leiderprobter SSV-Reutlingen-Fan und Unsympath. Empfindet die Bezeichnung “Unglaublicher Demagoge” als Kompliment. Trinkt was Schnäpse angeht nur klar.