Die Kapitulation vor dem Arena-Event

wolkenbruch.jpgFreitag, 11.4.2008: Beim Spiel Nürnberg gegen Wolfsburg regnet es. Die logische Folge der Entwicklung des Fußballs in den letzten Jahrzehnten: Spielabbruch – und niemand meckert. Ein unbemerkter Skandal.

Haben denn alle vergessen, wieso wir 1974 Weltmeister geworden sind? Hat die Müller-Mystifizierung so weit geführt, dass sich niemand mehr daran erinnert, dass nur der Wettergott uns zum Titel verholfen hat?

Die legendäre Regenschlacht von Frankfurt gegen Polen war für viele das entscheidende Spiel des Turniers, galten die Polen doch als die eigentliche Übermannschaft. Unter normalen Bedingungen hätte unsere Nationalmannschaft dieses Spiel jedenfalls aller Voraussicht nach nicht gewonnen – und wäre somit ausgeschieden.

So vergesslich ist man in Zeiten des Event- und Konsumwahns des Produktes Bundesliga. Heute, 34 Jahre später, regnet es und alle Welt spricht von “Verletzungsgefahr” und “irregulären Bedinungen”. Niemand denkt mehr an den Reiz einer Wasserschlacht, in der nicht die schauspielernden Schönwetter-Kicker den Ausgang bestimmen, sondern die Mannschaft gewinnt, die mehr Herz und mehr Leidenschaft zeigt.

Zählt alles nicht mehr. Und dann wird sich darüber beschwert, dass uns die “Straßenfußballer” ausgehen. Kein Wunder, man darf ja nur bei Sonne raus und die dumme Kuh scheint ja hier nicht so oft.

Wie geht das weiter und wo endet es? Bayern München drängt in der Halbzeit auf Spielabbruch in Cottbus, weil der Rasen nicht richtig gemäht war? Kommt die Sonne dann doch mal raus, steht sie wahrscheinlich zu tief, so dass die Torleute geblendet werden? Nichts wie rein in die Kabinen!

Fußball ist verdammt nochmal ein Freiluftsport – und ja, da schüttet es auch mal wie aus Eimern! Kein Grund, rumzuflennen. Ein Grund, die Ärmel hochzukrempeln und sich mit Begeisterung in die Fluten zu stürzen! Jedes Kind, das Fußball liebt, freut sich auf dem Bolzplatz über ein solches Wetter inklusive der Grätschen von Strafraum zu Strafraum und der strafenden Blicke von Mutti beim Nachhausekommen.

Nur die “Männer” aus der Bundesliga, die doch so gerne “Eier zeigen”, denen ist es nicht zuzumuten, auf nassem Rasen zu kicken.

Was ist die Folge? Na los, alle ab in die Halle. Jede “Arena” wird mit Dächern ausgestattet, die immer geschlossen zu sein haben, es könnten ja Tropfen runterkommen. Was ist mit der vielzitierten Vorbildfunktion des Spieler für die Jugend?

“Nee, Mama, ich gehe heute nicht raus, da sind ja Wolken. Der Madlung sitzt jetzt auch lieber vor der Playstation.”

Das ist nicht meine Fußball-Welt. Alles wird immer ekliger.

Foto: © Peter Ries, Düsseldorf / PIXELIO
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Über den Autor: Goldschuhe aus

Agent provocateur erster Güte. Ansonsten Misanthrop und Eintracht Frankfurt-Fan. Frisur: vorhanden.