Transfermarkt bizarr

abseits.jpgAlbert Streit war unbestritten der beste Kicker in Reihen von Eintracht Frankfurt seit langen Jahren. Bereits seit über einem Jahr tat Schalke 04 alles, um ihn von der Eintracht wegzulotsen. Im Winter war es dann soweit: Streit, der nach Saisonende für die festgeschriebene Summe von 1 Mio hätte gehen können, wechselte ein halbes Jahr früher. Für 2,5 Mio. Jetzt ist bald April und wir stellen fest, dass dieser Transfer nur einem genutzt hat – Eintracht Frankfurt.

Was die Schalker bei einer solchen Geldverbrennungsaktion geritten hat, versteht kein Mensch. Offensichtlich war man ja der Meinung, man müsse Frisuren-Ali sofort haben, wenn man diese doch gewaltige Extrasumme auf den Tisch legt. Und er war nun auch kein Unbekannter mehr, den man unbedingt hätte scouten müssen. Die Schalker wussten also, wen sie bekommen.

Streits Qualitäten, aber auch seine Schwächen sind bekannt und waren es schon lange: Traumhafte Technik, starke Flanken, außergewöhnliche Standards auf der einen Seite, mangelnde Torgefahr, Defensivschwächen, lasche Trainingseinstellung und eine gelegentliche sehr destruktive Körpersprache auf der anderen.

Nun hat Streit in Schalke bisher nicht ein einziges Mal von Beginn an gespielt und das, obwohl er seit Wochen fit ist und obwohl Kreativpotential nun nicht gerade das ist, was man der Schalker Mannschaft attestieren kann. Rätselhaft.

Trainiert er Slomka zu teilnahmslos? Hat er ein sonstiges Problem mit ihm? Wollte gar der Trainer den Transfer gar nicht? Wir werden nie erfahren, warum statt Streit blinde Vollpfosten wie Grossmüller ein ums andere mal Bälle verstolpern dürfen und in ihrer besten Aktion gegnerische Spieler würgen.

Streit selbst gibt sich – wie es eben sein Naturell ist – keine Mühe, seine Unzufriedenheit zu verstecken. Auch wenn es fraglich ist, ob er sich bei Slomka beliebter macht, wenn er öffentlich zu Protokoll gibt, der Trainer habe seit dem Wechsel genau einmal mit ihm gesprochen – so ist er eben und ein etwas befremdliches Bild von Slomka zeichnet ein solches Kommunikationsverhalten doch.

Ins Fäustchen lacht man sich dagegen in Frankfurt: Seit der Winterpause läuft es super. Die 2,5 Mio. plus das gesparte Großverdienergehalt Streits haben die Transfers von Fenin und Caio erst möglich gemacht. Die Ergebnisse stimmen, die Spielweise macht Fortschritte. Ohne Streit.

Es gab bereits vor dem Winter Stimmen in Frankfurt, die der Meinung waren, Streit wäre nicht gut für die Mannschaft, weil er den anderen als Alibi diene. Wenn es nicht läuft, bekommt halt der Ali den Ball und tänzelt an der Linie rum. Es scheint fast, als hätte sich das bestätigt. Die ganze Mannschaft muss in der Offensive deutlich mehr Verantwortung übernehmen – und tut es auch.

Insbesondere Patrick Ochs hat der Abgang Streits (Achtung, Wortspiel:) Flügel verliehen. Da Streit kein großer Defensivkünstler war und sein Spiel zudem konsequent an der Linie angesiedelt ist, war Ochs zum reinen Absicherer degradiert. Zudem ist bekannt, dass die beiden auch nicht gerade allerbeste Freunde waren, was sicher auch damit zu tun hatte, dass Ali gerne mal die Mitspieler auf seiner Seite ignorierte.

Jetzt kann Ochs wieder verstärkt seine dynamischen Vorstöße anbringen, was ihm sichtlich Spaß macht. Zwar muss er noch an den Flanken arbeiten, dennoch ist er für mich ganz klar ein Mann für Löw, zumal die rechter Verteidigerposition nicht gerade mit hochkarätiger Konkurrenz besetzt ist. Aber das Thema ist einen eigenen Artikel wert.

Albert Streit ist unbestritten ein fantastischer Fußballer, dem man gerne auf dem Platz zusieht. Dennoch blüht die Mannschaft auf, die er verließ. Dennoch hat er bei seinem neuen Club keine Chance, obwohl das spielerische Niveau dort mehr als bescheiden ist. Und obwohl man dort wahnsinnig viel Geld hingelegt hat, um ihn kurzfristig zu verpflichten. Transfermarkt bizarr.

Foto: © Ernst Rose / PIXELIO
www.pixelio.de