Stefan Kuntz muss bleiben!

Quelle: www.wikipedia.deWenn man keine Probleme hat, dann macht man sich welche – Diese, zugegeben etwas dümmliche, Alltagsweisheit trifft in diesen Tagen auf keinen Verein besser zu als auf den VfL Bochum. Der neutrale Beobachter konstatiert einen gesicherten Platz im Mittelfeld, 12 Punkte Abstand zu einem Abstiegsplatz, eine Mannschaft, deren Qualität insgesamt sichtlich gesteigert wurde und zufriedene Fans. Warum es zur Zeit trotzdem Unklarheiten um eine Vertragsverlängerung mit Stefan Kuntz gibt, ist dabei rational nicht zu erklären.

Die letzten Jahre des VfL Bochum waren ein ständiges Auf-und-Ab. Auf die glanzvoll herausgespielte UEFA-Cup-Qualifikation folgte der erneute Abstieg. Mittlerweile, im zweiten Jahr erneuter Bundesligazugehörigkeit scheint eine angenehme Konstanz eingekehrt zu sein. Mit dem Abstieg hat man in dieser Saison sicher nichts zu tun und man könnte seine Energie ganz der weiteren Etablierung zuteil kommen lassen.

Doch in diesen Tagen ist von der Castroper Straße Missverständliches zur Vertragsverlängerung von Sportdirektor Stefan Kuntz zu hören. Der allmächtige Aufsichtsratsvorsitzende Werner Altegoer hat anscheinend Bedenken und äußert sich in Interviews ungeschickt und mehrdeutig: Er sei nicht der richtige Ansprechpartner, es gäbe bei einer Verlängerung immer zwei Seiten. Normalerweise könnte man derartige Äußerungen als normales Taktieren abtun, auch Klaus Allofs’ Bekenntnis zu Werder Bremen war vor der Vertragsverlängerung nicht immer ganz klar. Eine andere Qualität bekommt die Sache jedoch, wenn sich die versammelte Mitarbeiterschaft des VfL Bochums zusammentut und sich lautstark für eine Vertragsverlängerung von Stefan Kuntz stark macht. Derartige Aktionen geschehen wahrscheinlich nicht ohne Grund, und es scheint, als müsse man sich wirklich Sorgen über den Verbleib von Stefan Kuntz machen.

Als Außenstehender ist dies nicht nachvollziehbar, schaut man sich bloß einmal die Bilanz von Sportdirektor Kuntz an: Allein innerhalb eines Jahres gelang es ihm, Spieler wie Gekas, Yahia, Epalle, Drobny, Ono und Sestak an die Castroper Straße zu lotsen. Alles Volltreffer, die größtenteils sofort einschlugen und hauptverantwortlich für die großartige Serie der letzten Rückrunde und im Falle von Sestak und Yahia auch für die jetzige Situation sind. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass der VfL Bochum kein Verein ist, der mit Geld nur so um sich werfen kann. Stefan Kuntz muss also über hervorragende Fachkenntnis, gute Kontakte im internationalen Fußballgeschäft sowie über veritables Verhandlungsgeschick verfügen. Anders sind seine über die Maßen geglückten Transfers nicht zu erklären. Selbst vom heutigen Gegner VfB Stuttgart wurde Kuntz als einer der besten Manager der Liga bezeichnet. Vielleicht ist diese Beurteilung etwas vorschnell, aber die guten Ansätze sind auf jeden Fall da.

Auch in der Außendarstellung steht der Club seit Kuntz’ Engagement bedeutend besser da: Ganz davon abgesehen, dass der Ex-Torschützenkönig ein reiner Sympath ist, den ein absolut netter und unarroganter Umgang mit Menschen auszeichnet, trieb Stefan Kuntz endlich die Zusammenarbeit mit der Ruhr-Uni-Bochum voran, entwickelte ein Vereins-Leitbild (der VfL war damit übrigens der erster Bundesliga-Verein mit Leitbild), solidarisierte sich mit einem Besuch in Bochum-Riemke mit den Mitarbeitern von Nokia und ist ansonsten in Bochum einfach präsent. Und der VfL Bochum mit ihm. Auch die Mitarbeiter schätzen die Zusammenarbeit mit Kuntz, wie die oben genannte Mobilmachung beweist.

Man kann dem VfL Bochum nur raten, ganz schnell mit Stefan Kuntz zu verlängern, und zwar am besten auf der Basis eines langjährigen Vertrags. Manager mit derartigem Potential sind in der Bundesliga sehr rar gesät und man müsste beim Verein schon völlig taub und blind sein, dies nicht wertzuschätzen Und sollte es - wie so oft in diesen Fällen – um persönliche Eitelkeiten und um die irrationale Furcht vor Einflussverlust seitens des Aufsichtsratsvorsitzenden Altegoer gehen, dann täten die Kollegen im Aufsichtsrat gut daran, dem langjährigen Vereinspatriarchen und Egomanen seine Grenzen aufzuzeigen und ihn in naher Zukunft in den wohlverdienten Ruhestand zu schicken.

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