Worauf es ankommt! Eine Hommage an H.B.

Heribert BruchhagenOb sie jetzt Manager, Sportdirektor, sportlicher Leiter oder Vorstandsvorsitzender heißen – die wichtigste Person eines jeden professionell geführten Fußballclubs waren, sind und bleiben diejenigen Personen, die sich um die optimale Übereinstimmung der wirtschaftlichen Möglichkeiten auf der einen Seite und der sportlichen Perspektive auf der anderen Seite kümmern. Gemeinhin nennt man sie „Manager“.

Aktuelles und bestes Beispiel für die Eingangsthese ist ein Herr namens Heribert Bruchhagen, der „Vorstandsvorsitzende“ (im folgenden der Einfachheit halber Manager genannt) von Eintracht Frankfurt.
Was musste man als Frankfurter Fan in den letzten anderthalb Dekaden nicht alles erleiden? Verpasste Meisterschaften, drei komplett selbst verschuldete Abstiege, das vollkommen wirkungslose (!) Verballern von 50 Millionen DM des amerikanischen Großinvestors Octagon innerhalb von zwei Jahren (der aus Frankfurt einen Verein nach amerikanischem Football-Vorbild machen wollte – mit Grausen erinnert man sich an einen Marketing-Strategen namens Steven Jedlicki), das direkt daran anschließende Finanzdesaster mit eingehenden Konkurs- und damit Existenzängsten, Anfeindungen und Anfechtungen von Vereins-Nichtigkeiten wie Unterhaching, Sondersitzungen des DFB, Bürgschaften des Landes Hessen usw. usf.

Dieses jahrzehntlange Chaos war die unmittelbare Folge einer beispiellosen Aneinanderreihung von Vollpfosten auf der Position des sogenannten „Managers“ bei Eintracht Frankfurt. Bereits mit Hölzenbein begann der langsame, schleichende Abstieg und damit der Anfang vom Ende: Zwar holte er damals ohne Zweifel auch viel Qualität nach Frankfurt, doch warf er dabei mit dem Geld nur so um sich. Danach nahm der Absturz immer schnellere Züge an, denn jeder, der Hölzenbein folgte, war eine noch größere Katastrophe als sein Vorgänger. Der absolute Gipfel an Inkompetenz wurde sodann Anfang des neuen Jahrtausends mit Rolf Dohmen (der aus unerklärlichen Gründen zur Zeit mit dem KSC sehr erfolgreich unterwegs ist), seinem Nachfolger Friedel Rausch (der wohl nur deshalb Manager wurde, weil er 1980 Trainer der siegreichen Uefa-Cup-Mannschaft war) sowie Tony Woodcock (warum der Manager wurde, weiß bis heute kein Mensch) erreicht. Schließlich findet sich die Eintracht im Abstiegskampf der zweiten Liga wieder. Der Verein ist am Tiefpunkt angekommen.

All das ist seit Dezember 2003 Geschichte. Denn an diesem Tag übernahm (nach der Absage des eigentlich favorisierten Holzhäuser von Bayer Leverkusen) die personifizierte Seriosität, der Obersympath und Realist, die einzige Person, die beim sonntäglichen Doppelpass echtes Fußball-Fachwissen beizutragen versteht, Heribert Bruchhagen die sportliche Führung der Eintracht Frankfurt Fußball AG. Seitdem geht es stetig bergauf. Sowohl wirtschaftlich als auch sportlich. Seine Vertragsverlängerung bis 2012 war die wichtigste Personalentscheidung, die Eintracht Frankfurt in diesem Jahr zu fällen hatte.

Denn das Prinzip „Erfolgsfaktor Manager“ lässt sich problemlos verallgemeinern: Warum ist Bochum seit geraumer Zeit ein recht erfolgreicher Club? Antwort: Weil Stefan Kuntz ein guter Manager zu sein scheint, der den richtigen Riecher für neue Spieler mit den wirtschaftlichen Gegebenheiten verbinden kann. Gekas, Drobny, Sestak, Epalle und neuerdings auch Ono sind keine Zufälle. Lastuvka zeigt allein, dass er nicht unfehlbar ist.

Warum ist Bielefeld so desaströs unterwegs? Weil einem Saftig nichts anderes einfällt, als in akuter Abstiegsgefahr einen Trainer wie Frontzeck zu engagieren, der außer einem perfekt hingelegten Aachen-Abstieg nichts, aber auch gar nichts vorzuweisen hat. Aus Fansicht kann man nur froh sein, dass Saftig mittlerweile als Pflaume identifiziert und gefeuert worden ist. Aber man darf bereits spekulieren, wo der notorisch erfolglose Saftig als nächstes unterkommen wird. Dem Verein kann man schon jetzt ein herzliches Beileid aussprechen.

Warum sind die Bayern seit Jahrzehnten „das Maß aller Dinge“ (Quelle: Sämtliche „Fußballfachleute“)? Wir wissen es alle und man muss es auch als größter Bayern-Hasser zugeben: Wegen dem ollen Hoeness. Warum dümpelt die Hertha trotz größtmöglichem Potential seit Jahren im grauen Mittelfeld herum? Gleicher Grund wie bei den Bayern, nur haben die Berliner leider den falschen Teil des Genpools unter Vertrag. Warum ist Bremen seit vielen Jahren in der nationalen Spitzengruppe zu finden, mit begeisternden internationalen Auftritten? Allofs und seine Vorgänger! Warum ist Dortmund trotz enormem Potential eher schwächelnd? Zorc! Warum Leverkusen gut? Völler! Warum Lautern schlecht? Ja warum wohl? Eine Aufzählung aller Versager würde hier zu weit führen.

Ob ein Heldt in Stuttgart, ein Müller auf Schalke, ein Beiersdorfer in Hamburg gute oder schlechte Manager sind, wird sich noch zeigen. Alle weisen bislang sehr gute Ansätze auf und haben auch teilweise bereits Erfolge zu verbuchen. Wenn sie diesen verstetigen können, werden sie ihren Verein auf absehbare Zeit in der Spitzengruppe der Bundesliga halten und auch international Bedeutung erlangen können. Wenn nicht: Siehe Hertha, Dortmund, Köln (wo durch Herrn Meier zumindest die Hoffnung besteht, dass der Club wieder auf die Beine kommt), Gladbach (eigentlich unfassbar, dass der desaströse Hochstätter jetzt in Hannover seine begrenzten Fähigkeiten zur Schau stellen darf, allerdings darf er dort eh nur den Schatten von Martin Kind ausfüllen) oder eben das Paradebeispiel Lautern.

Natürlich ist die bisherige Betrachtung sehr reduziert und der Manager ist selbstverständlich nicht der einzig ausschlaggebende Faktor (zumal die Machtfülle der bislang genannten Personen doch recht unterschiedlich ist), aber er ist sehr wohl der Nukleus im Verein. Er trägt die Verantwortung für die wichtigen Fragen, wobei zwei Fragen im Mittelpunkt stehen: Der Manager braucht zum einen jemanden an seiner Seite, der sich mit Zahlen und dem finanziell Machbaren auskennt. In Frankfurt ist das ein Dr. Pröckl, mit dem Bruchhagen vertrauensvoll zusammenarbeitet. Völler hat den bereits genannten Holzhäuser an seiner Seite, Heldt arbeitet mit Herrn Hundt ebenso zusammen wie Kuntz mit Schwenken. Es gibt aber auch reine One-Man-Shows, die durchaus erfolgreich (Uli Hoeness, Magath) oder unerfolgreich (Hertha-Hoeness, Roth) sein können.

Die zweite wichtige Frage, um die sich ein Manager zu kümmern hat, ist die Trainerfrage. Auch Bruchhagen hat sich zu Beginn seiner Frankfurter Zeit verschätzt, als er einem Willi Reimann zu lange die Treue hielt. Aber das zeichnet ihn aus und das kommt der Eintracht jetzt auch zugute: Treue zum Trainer, die sogar Züge von Sturheit zeigt, wenn der Sturm besonders tobt. Hans Meyer wäre in Nürnberg noch heute sicher im Sattel, wenn Bruchhagen anstelle des Teppichdespoten dortdas Sagen hätte. Er hätte wohl auch kaum in akuter Abstiegsgefahr Trainerneulinge wie von Heesen oder Frontzeck geholt. Experimente kann man in der zweiten Liga wagen, aber doch bitte nicht im Bundesligaabstiegskampf. Gelingt es einem Manager, diese beiden Felder adäquat zu bearbeiten, ist das schon die halbe Miete für den Erfolg.

Aber auch Heribert Bruchhagen muss erst noch zeigen, dass er zu den ganz großen Managern der Bundesliga gehört. Er ist auf einem guten Weg, hat aus der „Diva vom Main“ (Quelle: Alle ewiggestrigen Fußballkommentatoren) einen seriösen Verein gemacht, der auch wieder für die Frankfurter Wirtschaft eine „Top-Adresse“ (Quelle: Ebenda) ist. Erste Erfolge haben sich durch den Pokalfinaleinzug und die internationalen Auftritte eingestellt. Aber der schwierigste Schritt kommt erst noch: Der Eintritt in die Top-8 der Bundesliga (neben Bayern, Bremen, Leverkusen, Hamburg, Schalke, Dortmund, Stuttgart), die primär um die internationalen Plätze streiten. Dabei gilt es, die “Gegner auf Augenhöhe“ (Quelle: Friedhelm Funkel in jedem zweiten Interview) zu überflügeln, so z.B. Hannover, Wolfsburg, Hertha und Nürnberg. Aber das weiß Bruchhagen selbst und er predigt dies auch gebetsmühlenartig. Manche mögen das bieder finden, aber hier zeigt sich einmal mehr sein absoluter Realismus. Ein Showman wird er in diesem Leben nicht mehr, was ihm wohl auch den Weg zum einen oder anderen Verein auf Lebenszeit verbauen dürfte. Aber gerade das ist ein Glücksfall für Frankfurt.

Um Eintracht Frankfurt muss man sich somit in Zukunft keine ernsthaften Sorgen machen, denn Bruchhagen hat sich mittlerweile ein solches Standing erarbeitet, dass auch Rückschläge ihn kaum etwas anhaben werden. Vielmehr ist es zur Zeit eine große Freude, der „neuen“ Eintracht als Fan anzugehören. Nur eines könnte der Heribert wirklich mal verbessern: Die Meerschweinchen-Frisur geht nun wirklich gar nicht. Aber darauf kommt es gottlob ja nicht an.

Foto: www.bundesliga.de