Wahre Helden gesucht

Revolverheld - Foto: Benjamin Wolf/SonyBMGManchmal reicht eine kleine Pressemeldung aus, um die Vorfreude auf das sportliche Ereignis des Jahres gegen null streben zu lassen. Der DFB hat nämlich unlängst enthüllt, welchen Song er zum offiziellen DFB-Fansong 2008 auserkoren hat. Nein, leider kein Song der Sumpfpäpste, auch die Blog-Lieblinge von Superpunk durften nicht ran. Xavier Naidoo, die Sportfreunde Stiller und dieser Pocher wurden auch nicht ein weiteres Mal (un-)freiwillig auserwählt. Der DFB will es diesmal wirklich wissen und hat Deutschlands am härtesten rockende Band damit beauftragt, mal eine schmissige Hymne zu komponieren: Revolverheld.

Ich schreibs jetzt hier einfach nochmal hin: Revolverheld! Jetzt setzen wir uns bitte alle hin und atmen tief durch, denn die kommenden Wochen dürften hart werden. “Helden” heißt der Song, den ich schon vor dem ersten Hören unerträglich finde. Wieder einmal wurde vom DFB leichtfertig die Chance vertan (Alle Kommentatoren), sich beim gemeinen Fußballfan besser zu positionieren. Nichts gegen Revolverheld, 13-jährige Mädchen finden die aparte Band (Größter Erfolg bisher: Platz 2 beim Bundesvision Songcontest) um den schmucken Sänger Johannes Strate bestimmt total hinreißend. Aber vom Fußball ist die Band ungefähr soweit entfernt wie Erich Ribbeck.

Eine B-Seite namens “Heimspiel” genügt dem DFB bzw. seiner Pressestelle, um der Band das Attribut “schon seit Jahren als Fußball-verrückt bekannt” zu verpassen. Auf der Website der Band ist jedenfalls keine Spur gelegt, die diese Annahme erhärten könnte. In den Links findet man nicht etwas St. Pauli, Werder Bremen oder den DFB verlinkt. Nein, lieber bedankt sich die Band artig bei ihrer Plattenfirma oder ihren Instrumentenherstellern.

Allerdings fügt sich die Wahl von Revolverheld ganz wunderbar in das Bild, das diese Wahl zum besten Fußballsong “aller Zeiten” (Goldschuhe aus!) zeichnet. Spätestens ab Platz 10 ist Schämen angesagt und der Wunsch wieder einmal besonders groß, dem Kontinent den Rücken zu kehren und ins Mutterland des Pop auszuwandern: Klaus & Klaus, Theo Lingen, Helmut aus Mallorca, Right Said Fred, Die Prinzen … Dazwischen sind Revolverheld noch nicht einmal die schlimmsten. Trotzdem: inakzeptabel.

Foto: Sony BMG /Benjamin Wolf

Über den Autor: Esleben

Verrät als Freiburg-Fan Heimat wie auch Elternhaus und trinkt ansonsten ausschließlich Veuve Clicquot. Wer wohnt schon in Düsseldorf? Mehr über Esleben unter Google+