Dusel-Deutschland statt Felix Austria

Das Land, aus dem Falco stammt. Sensation im Wiener Ernst-Happel-Stadion: Der Underdog aus Deutschland gewinnt das Testspiel gegen den EM-Topfavoriten Österreich mit 3:0. Dieser Sieg ist nicht nur in der Höhe vollkommen unverdient, sondern auch in der Art und Weise, wie er zustande kam. Denn die Ösis zündeten ein Offensivfeuerwerk über 90 Minuten. Dabei hätten sie gewarnt sein sollen: Schon einmal setzte ein weltbekannter Österreicher auf die Karte Angriff – und scheiterte damit kolossal.

AC Siena, Spartak Moskau, FC Middelsbrough, Panathinaikos Athen, Werder Bremen – alles Topadressen des internationalen Fußballs. Aus diesen Teams, garniert mit ein paar Profis aus der österreichischen Bundesliga, formiert sich die Nationalelf des EM-Gastgebers. Da liest sich die hausbackene Truppe aus Deutschland ganz anders. Lediglich Jens Lehmann und Michael Ballack versprühen internationales Flair. Umso erstaunlicher, dass sich die Mannschaft, die sich zusammensetzt aus Spielern von Provinz- oder Vorortvereinen wie Leverkusen oder Gelsenkirchen-Schalke am Ende durchsetzte. „Da spieln wir die Daitschen 90 Minuten an die Woond und am End` verlierst ganz dumm 0:3“, sprach ein tief enttäuschter Ivan Schitz ins Mikro des „5 Freunde im Abseits“-Korrespondenten in Österreich.

Chancen im Minutentakt erspielte sich die Truppe von Coach Josef Hickersberger. Die Stürmer Martin Harnik, bekannt aus der Bundesliga und Roland Linz vom SC Braga, machten mit der vogelwilden Innenverteidigung Per Mertesacker und Manuel Friedrich, was sie wollten. Und auch die Ösi-Abwehrrecken schossen aufs deutsche Tor. Allen voran Joachim Standfest. Er bewies in der Defensive Standfestigkeit und stand fest…..gemauert in der Erden, steht die Form aus Lehm gebrannt. Heute soll die Glocke werden, frisch Gesellen seid zur Hand. Standfest scheiterte aber am standfesten deutschen Torhüter.

Es lag sowieso lediglich an einem glänzend aufgelegten Jens Lehmann, dass die Österreicher nicht schon zur Pause uneinholbar führten. Der Ersatzkeeper von Arsenal London wehrte alle Bälle, die ins Netz eingeschlagen hätten, mit seinem Körper ab. Die Schüsse, die eh daneben oder an die Latte gingen, ließ er passieren. Er zollte damit der guten Leistung des Gastgebers Respekt.

Auffallend bei der Löw-Elf war vor allem Debütant Heiko Westermann, der so spielte, als sei er immer dabei gewesen. Er machte und versuchte viel, auch wenn ihm einiges misslang. Aber eine verunglückte Westermann-Flanke in der 45. Minute als Synonym für die schwachen Deutschen zu nehmen, war eine Unverschämtheit von Kommentator Steffen Simon. Trotzdem war wohl ganz Fußball-Deutschland dankbar, dass der Lockenkopf und eben nicht Dampfplauderer und Boulevard-Spezialist Reinhold Beckmann am Mikro saß. Und Johannes B. Kerner blieb dem Fan auch erspart: TV-technisch war es ein halbwegs erträglicher Abend.

Ergebnistechnisch für die Deutschen dann auch. Aus dem völligen Nichts schoss ausgerechnet Thomas Hickersberger, Sohn des Ösi-Trainers, die Löw-Elf mit 1:0 in Front. Zehn Minuten später erhöhte Miroslav Klose nach Ballack-Reingabe. Und Mario Gomez köpfte in der 80. das 3:0, stellte damit den Spielverlauf vollkommen auf den Kopf. Da konnte auch der eingewechselte Roman Kienast vom norwegischen Spitzenclub Ham-Kam Football nichts ändern.

Alles in allem zeigte das Testspiel, dass die Österreicher nicht umsonst als Topfavorit für den EM-Titel gehandelt werden. Die Deutschen werden sich solch eine Leistung während des Turnier aber nicht noch einmal leisten können, ansonsten droht der Abstieg in die B-Gruppe.