Der Heiland ist erschienen

fenin.jpg So, nun ist es endlich so weit: Nach wochenlangem Tauziehen ist die Verpflichtung Martin Fenins durch Eintracht Frankfurt endlich erfolgt. Nach Augenzeugenberichten handelt es sich bei ihm um ein Riesentalent, doch einige Fragen bleiben offen. Selbst wenn auch Werder schon an ihm dran war.

Zunächst ist das die gewaltige Erwartungshaltung des noch immer nicht näher definierten “Umfelds”. Wenn man die Presseberichte der Frankfurter Medien, aber auch die überschwänglichen verschiedenen Blog- und Forenreaktionen der Anhängerschaft zu Grunde legt, könnte man glauben, der Messias selbst wäre in Frankfurt gelandet. Fast schon im Minutentakt wurden Wasserstandsmeldungen abgegeben, wann der Junge denn in Frankfurt erscheint oder auch nicht.

Das alles erlegt einem gerade mal 20-jährigen eine Menge Druck auf, dies gilt im übrigen auch für die Ablösesumme von mindestens 3,5 Mio. €. Andererseits ist er nun kein Hobbykicker, sondern hat in seinen jungen Jahren bereits Länderspiele für die tschechischse Nationalmannschaft absolviert so wie bei der U20 für Furore gesorgt. Immerhin wurde er auch beim 3-0 Sieg der Tschechen gegen die Bundesjogis eingewechselt.

Die andere Frage ist allerdings viel entscheidender: In der Presse und auch von Bruchhagen wird Fenin als Streit-Ersatz bezeichnet. Aber ist das wirklich richtig? Der Junge ist nach allem was man hört und liest glasklar Stürmer. Vielleicht könnte man ihn sogar als Außenstürmer einsetzen, aber im rechten offensiven Mittelfeld? Das ist mir etwas zu viel der vorauseilenden Umformerei eines talentierten jungen Stürmers.

Im System Funkel ist jedoch bisher nur Platz für einen nominellen Stürmer. Dieser Platz ist für Amanatidis, seines Zeichens Kapitän, reserviert. Entweder Funkel ändert das System auf zwei Spitzen oder der junge Mann wird früher oder später bereuen, nicht zu Juve gewechselt zu sein, auch wenn die ihn gleich weiter ausleihen wollten.

Doch trotz aller Skepsis freue ich mich über diesen Transfer. Zeigt er doch, dass sich die Eintracht zumindest von der finanziellen Potenz vom Status der grauen Maus verabschiedet. Transfers in dieser Größenordnung galten bis dato schlicht als kaum vorstellbar unter Sparfuchs Bruchhagen. Wenn er also die Taschen so weit öffnet zeigt das, dass es dem Verein offensichtlich recht gut gehen muss.

Ich bin sehr gespannt, ob Fenin hält, was wir uns von ihm versprechen. Seine Begründung “Ich habe die Eintracht bevorzugt, weil ich regelmäßig spielen will.” für die Entscheidung Juve und dem damit verbundenen Leihgeschäft eine Absage zu erteilen, spricht schon mal für einen nicht dummen und ehrgeizigen jungen Mann.

Ob sein Talent wirklich so außerordentlich ist, werden wir in den nächsten Jahren verfolgen können. Wenn er einschlägt, wird es für die Eintracht so oder so ein gutes Geschäft. Bei einem 4 1/2-Jahresvertrag ohne Ausstiegsklausel wird Juve dann tiefer in die Tasche greifen müssen.

Zumindest könnte in ferner Zukunft etwas geschehen, was man in Frankfurt schon lange nicht mehr erlebt hat: Ein Spieler wird teurer ver- als gekauft.