Das war’s! – Der Hinrundenrückblick

JahresrückblickIm TV laufen die letzten beiden Spiel des Jahres, UEFA-Cup. Die einzige Erfolgsgeschichte des Bundesligafußballs im letzten halben Jahr. Das gute Abschneiden im “Cup der Verlierer” (Ja, der Franz) kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die langweiligste Runde seit Jahren hinter uns liegt. Der Meister steht schon seit Saisonbeginn fest, selbst wenn er an Weihnachten von der Konkurrenz nicht wie angekündigt mit dem Fernglas gesucht werden muss.

Deshalb leistet sich der FC Bayern auch seit Wochen eine Posse, die einem Trainer wie Ottmar Hitzfeld nicht würdig ist. Selbst dann nicht, wenn er sich vor knapp einem Jahr von Hoeneß und Rummenigge derart hat Bauchpinseln lassen, dass er flugs vergessen hat, dass der FC Bayern schon bei der letzten Trennung nicht unbedingt gentleman-like vorging. Jetzt stehen die Weichen ernut auf Trennung, selbst während der Winterpause scheint diese mittlerweile möglich, so sehr haben sich die Fronten verhärtet, so ausgebrannt wirkt Hitzfeld schon wieder. Wenigstens werden beim FC Bayern Namen gehandelt, die für Qualität bürgen, während der Rest der Bundesligavereine immer noch nach dem gleichen Stellenprofil Trainer sucht und einstellt: “Ex-Profi oder Schweizer gesucht”.

Die Tauglichkeit der Ex-Profis scheint sich dabei direkt aus der Anzahl ihrer Spiele abzuleiten. Es ist geradezu unbegreiflich wie ein Mann wie Thomas Doll zum zweiten Mal innerhalb eines Jahres dieselben Fehler begehen darf. Dortmunds Mannschaft ist beileibe nicht so schlecht wie sie spielt, aber an der Tauglichkeit eines Trainers (und eines Sportdirektors, noch so ein Ex-Profi), der einen Spieler als Mittelfeldstrategen verpflichtet, der im Sturm viel besser aufgehoben ist, darf doch stark angezweifelt werden. Wer jede Woche die Bilder von Thomas Doll ins Wohnzimmer gespielt bekommt, sieht die Verzweifelung dieses Menschen in sein Gesicht geschrieben. Der Job des Bundesligatrainers ist für den eher schlichten Thomas Doll mehrere Nummern zu groß. Nur keiner will es sehen.

Wie groß die Not auf dem Trainermarkt ist, zeigt sich daran, dass bisher nur zwei Trainer entlassen wurden, wobei Petrik Sander noch nicht einmal aus sportlichen Gründen gehen musste. Offenbar gibt es niemanden, der sich die Bundesliga antun möchte! Nur am Geld und damit der angeblich fehlenden internationalen Konkurrenzfähigkeit, kann es doch nicht liegen. Aber solange sich daran nichts ändert, muss die Bundesliga weiter im eigenen Saft schmoren und ihr Spitzenpersonal aus den eigenen Reihen rekrutieren. Man darf deshalb sehr gespannt sein, wer Ottmar Hitzfeld und Huub Stevens beerben wird und wer Thomas Doll über kurz oder lang (Ende der Saison) ablöst.

Ein weiteres Phänomen ließ sich ebenfalls in der abgelaufenen Hinrunde beobachten. Spieler, die aktiv ihren Wechsel betreiben, sich Verletzungen zuziehen, um für ihren künftigen Verein international spielberechtigt zu bleiben. Unrühmlicher Höhepunkt: Rafael van der Vaart, dem man aber zugute halten muss, dass er sich fußballerisch nicht hat hängen lassen.

Sonst herrschte auf den Spielfeldern der Bundesliga aber satte Langeweile. Jeder Verein hat inzwischen seine Arena, in der sich auch die Zuschauer bequem zurücklehnen und eine “Lass die mal machen”-Haltung zulegen können. Soviel Langeweile gar, dass die Medien sich inzwischen vornehmlich darauf konzentrieren, was die Herren Fußballer so neben dem Spielfeld treiben. Kritische Anmerkungen zum spielerische Potential der Liga sucht man meist vergebens, wann Oliver Kahn jedoch die Weihnachtsfeier des FC Bayern verlassen hat, weiß man haargenau.

Aber kann man der Presse einen Vorwurf machen? Nein, ein Blick auf die letzten Spieltage reicht. Mannschaften, die vor Wochenfrist 6:1 gewinnen, lassen sich nur eine Woche später 4:0 nach Hause schicken. Jeder kann jeden in jeder erdenklichen Höhe schlagen, nur die Bayern spielen immer 0:0. Folgerichtig stehen sie seit 17 Spieltagen auf Platz eins. Die Liga gleicht einer Wundertüte, weshalb unter den Experten der Fatalismus grassiert. Wieso sollte man sich mit langen Analysen beschäftigen, wenn diese am nächsten Spieltag schon Makulatur sind?

Zumal man spielerisch wieder verstärkt auf Beton setzt, den man allerdings kundenfreundlicher verpackt. Was auf den ersten Blick wie ein 4-3-3 aussieht, entpuppt sich in Wahrheit als plumpes 4-5-1, bei dem man sich im Mittelfeld schon mal 90 Minuten lang gepflegt auf den Füßen steht. Langeweile und Stagnation auch hier. Wäre die Radiokonferenz auf WDR2 nicht ein Ereignis für sich, ich weiß nicht, ob der Fußball in der ersten Bundesliga noch die Anziehungskraft auf mich ausüben würde, die er in den vergangenen gut 25 Jahren hatte. In diesem Sinne: es kann nur besser werden!

Über den Autor: Esleben

Verrät als Freiburg-Fan Heimat wie auch Elternhaus und trinkt ansonsten ausschließlich Veuve Clicquot. Wer wohnt schon in Düsseldorf? Mehr über Esleben unter Google+