Der Kommentar am Mittag: Clash of Cultures

englische-flagge.JPGSoweit ist es also gekommen im Mutterland des Fußballs. Ausgerechnet ein Italiener soll die Schmach der verpassten EM-Quali vergessen machen und die Engländer zur WM 2010 führen. Ich glaube, das wird nichts.

Erinnert sich noch jemand an Giovanni Trapattoni? Richtig, hochdekorierter Fußballlehrer aus Bella Italia, der bei seinen Versuchen, seine Philosophie in deutschen Vereinsmannschaften durchzusetzen, gründlich scheiterte. Warum erzähle ich das? Nun, Fabio Capello wird, er muss noch grandioser scheitern.

Beide Trainer sind überzeugte Verfechter des Catenaccio, des defensiven “Riegels“, wie eine mögliche Übersetzung lautet. Trapattoni hatte während seiner Deutschland-Stationen bei Vereinsmannschaften die Möglichkeit, täglich mit den Spielern zu trainieren, um ihnen die Grundregeln des Abwehrblocks einzuimpfen.

Alleine: Es klappte hinten und vorne sowieso nicht. Mannschaft und Trainer verstanden sich nicht. Nicht sprachlich, sondern inhaltlich.

Wenn es also eine zweifellos kompetente italienische Führungskraft nicht schafft, einer deutschen Vereinsmannschaft zu erklären, wie nach seiner Meinung erfolgreicher Fußball gespielt wird, wie soll das bitte bei den englischen “Three Lions” funktionieren?

Zumal man bedenken sollte: Der deutsche Fußball ist dem italienischen weit ähnlicher als der englische. Auch in Deutschland wurde Verteidigung immer groß geschrieben, wenn auch eher über Leidenschaft und Laufbereitschaft definiert als über taktische Finesse.

Und in England? Im Prinzip beruht der englische Fußball komplett auf dem One-Touch-Prinzip und belegt dabei zumindest in der obersten Auswahlmannschaft permanent, dass dies auch nicht automatisch der fußballerischen Weisheit letzter Schluss ist.

Jeder Ball wird in schnellem Tempo nach vorne gepöhlt, was unheimlich schnell und elegant aussieht. In der Liga. Zieht man mal die Drogbas ab, sieht man, was in der Nationalmannschaft passiert. Die Spielphilosophie des schnellen Passes wird beibehalten, aber ohne jede kreative, technische und überhaupt fußballerische Qualität. Und daraus ergibt sich das Bild, das man schon lange von englischen Nationalmannschaften kennt: Uninspiriertes Kick and Rush.

Die Engländer stecken in einem Dilemma, das sich durch die Verpflichtung Capellos noch verstärken wird. Nicht nur, dass sie das Spielsystem der Liga in der Nationalmannschaft nicht adäquat beherrschen. Nun sollen sie auch noch alle sechs Wochen bei einem Lehrgang mit Maestro Cappello auf ein komplett anderes System umsteigen. Das kann nicht gut gehen.

Zumal Capellos Fußballvision der englischen komplett widerspricht. Bei Real Madrid stieß seine defensive Spielausrichtung bereits auf großen Widerstand, das wird in England schnell ähnlich sein.

Was sagen die Jungs von Arsenal, wenn der Nationaltrainer ihnen etwas von “kollektiver Rückwärtsbewegung” und “Spiel breitmachen” erzählt? Ihr Franzose erklärt es ihnen nun mal täglich komplett anders.

Vermutlich werden Spiele der englischen Nationalmannschaft in Zukunft so aussehen: Sechs englische Verteidiger spielen sich in höchstem One-Touch-Tempo in der eigenen Hälfte die Pille zu. Bis einer Probleme mit der Ballannahme bekommt und Klose dazwischensprintet.

Gary Lineker wird sich bestätigt fühlen.