Eindrucksvolle Westfalia

An uns liegt es also nicht: Die Westfalia kann auch gewinnen, wenn die 5 Freunde im Stadion am Schloss Strünkede zu Gast sind. Mit einem 4:2-Sieg gegen den Tabellendritten Sportfreunde Lotte meldet sich Westfalia Herne eindrucksvoll in der Oberliga Westfalen zurück. Der hervorragend heraus gespielte Sieg bot alles, was an Amateurfußball so schön ist: Wunderbare Tore der Herner, absurde Aktionen auf dem Rasen und köstliche Zuschauerbeschimpfungen für die gegnerischen Spieler.

Wer ist denn die Nr. 8?, fragte sich die Delegation der 5 Freunde zu Spielbeginn. Nach zwei Minuten wussten es auch die Lotten. Das ist André Badur. Er bereitete sein 1:0 selbst vor. Die Gäste schliefen noch tief und fest, da lagen sie schon zurück. Als sie dann aufwachten, versuchten sie krampfhaft, den Ausgleich zu erzielen, scheiterten aber immer wieder an der gut aufgelegten Herner Abwehr mit dem überragenden Torhüter Christopher Ditterle. Dabei verhielten sich die Westfalia-Kicker taktisch klug und diszipliniert. Stürmte Norman Seidel, potentieller Abwehrspieler, nach vorne, orientierte sich Rechtsaußen Sven Barton nach hinten. Um nur ein Beispiel für das durchaus gepflegte Taktikverständis der Westfaliakicker zu nennen.

Auf den diesmal eher mittelmäßig gefüllten Rängen war trotz tristem Wetter beste Stimmung. Hitzigste Diskussionen entstanden unter den Fans, wie viele Saisontore denn Dennis “Gida” Gidaszewski schon erzielt habe. Bis einer ein Machtwort sprach: “Ich hab es doch heute noch im RevierSport gelesen. Fünf Tore hat der Gida, glaubt es mir doch!” Wir glauben ihm. Und morgen wird er einen weiteren Westfalia-Schützen in der Torjägerliste antreffen: Arben Tahiri. Der Westfalia-Kapitän, der bisher in der Saison nur durch wechselndes Schuhwerk auffiel, nutzte eine Unaufmerksamkeit der Lotter Abwehr und köpfte eine Kopfballverlängerung eines langen Einwurfs nach etwa einer halben Stunde zum 2:0 locker ein. Psychologisch geschickt versuchte Tahiri übrigens, das Publikum wieder an seine zwischenzeitlich abgelegten gelben Fußballschuhe heranzuführen. Die Hälfte der ersten Halbzeit spielte er mit einem gelben und einem schwarzen Laufgerät.

Ab Halbzeit 2 waren sie dann wieder in ihrer Ganzheit zu bewundern: the yellow shoes of Arben Tahiri are back. Und back war auch die zielstrebig agierende Westfalia. Nach einem wiederum sensationellen Freistoß von André Badur in Minute 47 belohnte sich Westfaliastürmer Edin Terzic für seine großartige Leistung und ließ den Ball über seinen Scheitel unhaltbar ins Lotter Tor einschlagen. 3:0. Damit war der Drops eigentlich gelutscht. Doch die Westfalia ließ nicht locker. Etwa 10 Minuten später setzte sich Rechtsaußen Sven Barton mustergültig durch und bediente “Gelbschuh” Tahiri. Der legte seinen Körper artistisch quer in die Luft, um den Ball mit dem Kopf unter die Latte zu knallen. 4:0. Unglaublich. Vor allem, weil das Offensivspiel mit André Badur und Edin Terzic diesmal auch zählbares produzierte, was ja in den vorangegangenen Spielen nicht immer der Fall war. Da zeigte sich sogar die Sonne, um die Kunde von der formidablen Westfalia zu überprüfen.

SF Lotte rannte nun wütend an, aber scheiterte immer wieder an der immer noch aggressiven Herner Abwehr. Auch die Westfalia-Zuschauer wurden nun mutiger. Die Lotter Spieler mussten sich immer wieder anhören, dass sie “eine Gurkentruppe” seien, die besser “im Frauenfußball” ihr sportliches Heil suchen solle. Der Nr. 17 der Gäste, Daniel Reher, wurde sogar nahe gelegt, die Sportart zu wechseln. “Hallenhalma” oder “Unterwassermikado” lauteten die Vorschläge des Herner Fachpublikums. Rehers verächtliche Geste in Richtung der Zuschauer lässt aber eher vermuten, dass er nicht die Absicht hat, den gutgemeinten Rat zu beherzigen.

In der Folgezeit genossen der angeschlagene Arben Tahiri, Edin Terzic und der MoM (Man of the Match) André Badur bei ihren Auswechselungen die Ovationen des Publikums. An diesen Wechseln lag es aber nicht, das Lotte noch in der 84. Minute mit einem Billardtor das 1: 4 und in der 88. mit einem unberechtigten Freistoß das 2: 4 erzielte. Das Ding war durch. Nach drei Minuten Nachspielzeit pfiff der mittelmäßige Schiri, der ein erstaunlich gut aussehendes Retro-Schiri-Trikot trug, die Partie ab. Mit diesem vollkommen verdienten Sieg gegen die SF Lotte, die nach Aussage von Westfalia-Coach Frank Schulz eigentlich mit den VfL Bochum Amateuren und Preußen Münster in einer eigenen Liga spielen würden, bewies die Westfalia, dass sie das Zeug dazu hat, das Minimalziel Platz 11 (Qualifikation für die Oberliga) zu erreichen. Außerdem zeigten die Herner Kicker über 90 Minuten sehr guten und gepflegten Fußball. Westfalia – eine Mannschaft mit Potential, die Spaß macht. Oder wie Kollege “Goldschuhe aus” mitten im Spiel trefflich in einem Satz zusammenfasste: “Mensch, was fühle ich mich wohl hier.”