Strengt euch mal an, ihr Riberys und Pirlos!

So. Wir sind durch. Der Europameistertitel ist so gut wie vergeben. An uns. Jetzt bleibt nur noch die Frage, gegen wen wir bei der EM in Österreich und Schweiz spielen werden. Und einige hoch eingeschätzte Teams sind nicht weit entfernt davon, sich von so genannten Underdogs in der Qualifikation ordentlich blamieren zu lassen. Und wir lachen uns kaputt. Aber wollen wir das wirklich? Möchten wir, dass Frank Ribery oder Andrea Pirlo die EM vor dem TV mitverfolgen müssen?

Wir Deutschen sind verwöhnt. Nicht immer mit Titeln, jedoch zumindest mit Teilnahmen an Endrunden. Wenn man uns mitspielen ließ Ã¢â‚¬â€œ was ja aufgrund des einen oder anderen historischen Faux pas zu Recht nicht immer der Fall war – dann qualifizierten wir uns auch immer für das Turnier. Oft nicht souverän, aber am Ende stand Deutschland stets als Teilnehmer auf der Liste. Das Gefühl des Scheiterns kennen wir nicht. Aber dafür das Gefühl der Schadenfreude über einen Gescheiterten. Was haben wir uns die Bäuche gehalten vor Lachen, als die WM 1994 in den USA ohne England und Frankreich, zwei große Fußballnationen, stattfand. Und die EM 1992 ohne Italien und Spanien. Wie groß war das Vergnügen, als Holland 2002 nicht mit zur WM nach Japan/Südkorea durfte.

Im Moment kämpfen wieder alle genannten Nationen um die Teilnahme an der Euro 2008. Und die Chance ist nicht gerade gering, dass zumindest Italien oder Frankreich strauchelt. Klar wäre das eine späte Genugtuung, wenn der unverdienteste Weltmeister der Welt und aller Zeiten an einer lustigen, sympathischen Trinkernation wie Schottland scheitern würde. Und sicher lachen wir uns kaputt, wenn anstatt Holland die Bulgaren das EM-Ticket lösen würden. Aber: So erfolgreich die WM 2002 für uns auch war: Im Nachhinein ist es mehr als unbefriedigend, dass bis zum Finale mit Saudi-Arabien, Paraguay, USA und Südkorea fußballerische Lehrlinge versuchten, den Aufstand gegen Deutschland zu proben. Im Endeffekt lebt ein Endturnier aber von ständigen Duellen der Großen. Deshalb wollen wir eigentlich nicht, dass England oder Frankreich, Spanien oder Italien schon in der Quali scheitern. Nur die Holländer dürfen sich gerne nicht qualifizieren. Aber wenn sie es trotzdem schaffen – auch nicht schlimm.

Psychologisch wäre ein Scheitern einfach zu erklären. Die Franzosen und Holländer dieser Welt verstehen (oft fatalerweise) die Qualifikation als Testballon für den Ernstfall Endrunde. Oft gehen die Spieler – allesamt Stars – mit einer Mischung aus übertriebener Arroganz und gebremster Spielfreude in die Duelle gegen Georgien, Bosnien und Co. Die Gegner dagegen sind topmotiviert. Und am Ende steht es dann 1:0 für den Zwerg. Das ist für den ein oder anderen Qualifikationsspieltag ok, zum Regelfall darf es aber nicht werden.

Also, ihr kleinen und mittleren Fußballnationen Europas. Ihr hattet jetzt genug Spaß, nun macht mal Platz für die Großen. Ich will die Revanche gegen Italien. Am liebsten im EM-Endspiel. Ich möchte das Messen mit England. Am liebsten im EM-Halbfinale. Ich bin heiß auf ein Duell gegen die Holländer. Am liebsten im EM-Viertelfinale. Und ich brenne darauf, den Franzosen ihre fußballerischen Grenzen aufzuzeigen. Am liebsten in der Vorrunde. Nun beweist mal am Mittwoch, dass auch ihr Bock auf ein EM-Spiel gegen Deutschland habt.