Wir machen den Rubenbauer….. Teil 1

…und ziehen ein Zwischenfazit. Die Politikjournaille räumt einer neuen Regierung 100 Tage Amtszeit ein, bevor sie ihre Leistungen in einer Zwischenbilanz bewertet. Das Fußballgeschäft ist schneller, wechselhafter. Also ziehen wir schon nach 50 Tagen Bundesligasaison 2007/2008 ein erstes Resumée.

Bayern München
Alle Neuverpflichtungen sind Volltreffer. Zumindest die, die spielen dürfen. Mit Miro Klose und Luca Toni haben die Bayern den neuen Traumsturm der Bundesliga. Der Weg zur Meisterschale führt diese Saison – wie so oft – mal wieder nur über Bayern München. Und wenn die Bajuwaren weiter so auftrumpfen, ist das Ding ganz schnell entschieden.

Schalke 04
Das gleiche Bild wie in den letzten beiden Spielzeiten. Nicht gerade ansehnlicher, aber aus irgendeinem Grund wieder erfolgreicher Fußball. Auch in dieser Saison ist es sehr schwer, gegen S04 zu gewinnen. Es ist aber auch nicht ganz so einfach, gegen sie zu verlieren. Denn die Chancenauswertung der Gelsenkirchener lässt zu wünschen übrig. Um daraus aber Kapital zu schlagen, muss man die wenigen Torchancen, die die Innenverteidigung um Bordon zu lässt, auch mal nutzen, Herr Pantelic.

Karlsruher SC
DIE Überraschungsmannschaft der Saison 2007/2008. Zumindest für manche der 5 Freunde. Kollege Goldschuhe aus schwärmte schon letzte Saison von den Karlsruhern um Trainer Ede Becker. In dieser Saison fallen sie durch eine unglaubliche Spielfreude inkl. Kreativität, Passsicherheit und konsequentes Abräumen in Mittelfeld durch eine starke 6 (entweder Gottfried Adoube oder Massimilian Porcello) auf. Da der Wildpark noch nicht sponsorenverseucht und Willi Wildpark ein cooles Maskottchen ist, hoffen wir mal, dass der KSC der neue FCN ist und nicht das neue Alemannia Aachen.

Bayer 04 Leverkusen
Nach holprigem Start und blöden Punktverlusten gegen Cottbus mauserte sich Bayer zu dem, für was viele Experten und Nichtexperten sie halten: zu einem ernstzunehmenden Bayern-Konkurrenten. Auch wenn Gekas irgendwie noch wie ein Fremdkörper im Bayer-Konzept wirkt, auch wenn sich der eigentlich unverletzbare Bernd Schneider beim Zigaretteanzünden den Daumen verstaucht hat, spielen sie teilweise formidabel und haben sich in der Spitzengruppe festgesetzt. Leverkusen wird ein gewaltiges Wort bei der Vergabe der CL-Plätze mitsprechen.

Werder Bremen
Sie wirkten schon wie ein bemitleidenswerter Haufen, deren Zeit nun endgültig abzulaufen schien. Doch nach desaströsem 0:3 in Dortmund fingen sich die unter extremem Verletzungspech leidenden Bremer und meldeten sich mit einem beeindruckenden 8:1 gegen Bielefeld in der Spitzengruppe der Liga zurück. Jetzt trifft sogar Hugo Almeida regelmäßig. Wenn alle Rekonvaleszenten wieder fit sind, läuft es noch besser. Auch wenn es erst anders aussah, Bremen wird wieder oben mitspielen.

Hamburger SV
Huub Stevens brachte das zurück, was unter Thomas Doll vollends flöten ging: Erfolg. Und das Selbstvertrauen. Mit einfachen Mitteln: der HSV steht hinten gut und vorne macht irgendeiner die Bälle rein. Und mit Rafael van der Vaart haben sie einen der besten Spieler der Liga. Selbst wenn der eigentlich nur lustlos über den Rasen trabt, weil er lieber unter spanischer Sonne kicken möchte, reicht es noch locker für die Bundesliga. Der HSV wird sich mit Bremen, Leverkusen und Schalke um die Europapokalplätze kloppen.

Hannover 96
Eine ganz ordentliche Mannschaft, die aber auch ziemlich schlecht auftreten kann. Mit Robert Enke haben sie einen der Besten im Tor, mit Szabolcs Huszti einen Superkicker im Mittelfeld und mit Hanke einen treffsicheren und oft unterschätzten Stürmer. Dass der olle Mike kein großer Sympath ist, bleibt hier jetzt mal außen vor. Doch H96 ist in der Breite nicht so gut aufgestellt. Deswegen ist der momentane Platz 7 in der Bundesliga auch ein Highlight der Saison.

Eintracht Frankfurt
Eine komische Mannschaft. Denn sie können beides: Große Gegner schlagen (HSV) und sich gegen Abstiegskandidaten fast blamieren (Cottbus). Der jetzige Platz 8 spiegelt das Leistungsvermögen des Teams aber gut wieder. Das Team von Friedhelm Funkel ist teilweise noch sehr jung (Marco Russ), Formschwankungen sind da normal. Aber mit Inamoto, Albert Streit und Alex Meier haben die Hessen einige sehr gute Kicker im Kader. SGE-Experte Goldschuhe aus bemängelt aber immer wieder die sehr vorsichtige Spielweise von Friedhelm Funkel mit nur einem Stürmer. Auch der Autor dieser Zeilen meint: Wenn der Trainer mehr riskiert, ist eigentlich für Frankfurt mehr drin, als “nur” der Klassenerhalt oder sicherer Mittelfeldplatz. Wenn nicht, wird es eng für Friedhelm. Denn in Frankfurt ist die Stimmung kritisch-nervös, seit der Heimpleite gegen den KSC. 

Hertha BSC Berlin
Erst Abstiegskandidat, dann Tabellenführer, jetzt Mittelfeld. Ja, was denn nun, Du voll subventionierte Hertha mit dem Hauptsponsor Bundesregierung? Trainer Lucien Favre glänzte immer wieder mit sehr offenen, nicht stromlinienförmigen Interviews. Gab dabei aber auch schon zu, dass er keine Ahnung vom deutschen Fußballmarkt habe. So viel Ehrlichkeit wurde mit einigen Punkten belohnt. Und da ja die Hauptstadt in der Bundesliga vertreten sein muss, hatte der notorisch klamme Verein um Kapitalterminator Dieter Hoeneß kurz vor Ladenschluss mal wieder aus heiterem Himmel zig Millionen parat, um sich spielermäßig nicht von der Resterampe, sondern im erweiterten Feinschmeckerladen zu bedienen. Doch so richtig mag niemand beschwören, dass dieser Luxus-Aktionismus schlussendlich gut geht. Berlin wird sich wohl im Mittelfeld einpendeln.