Der große Maskottchen-Test I

Sie sind flauschig, tapsig, immer gut gelaunt und nerven kolossal: Die Maskottchen der Bundesligavereine. Ob Berni, Emma, Bobby Bolzer oder Wölfi, Kinder haben ihren Spaß an ihnen, Fußballfans sehen sie nicht so gerne auf dem grünen Rasen. Es ist Zeit, die putzigen Fantasietierchen mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen – beim ersten Maskottchentest der Bundesligageschichte.


Bewertet werden hier ganz oberflächlich das Aussehen des jeweiligen Vereinsmaskottchen und das Auftreten im Stadion. Auch der Name muss sich einer genauesten Prüfung unterziehen lassen. Was trägt das Maskottchen? Auch ein wichtiger Punkt. Außerdem bewerten wir noch den Kultfaktor.

Fritzle (VfB Stuttgart)
Standesgemäß beginnen wir mit dem Maskottchen des aktuellen Deutschen Meisters. Fritzle, das lustige Krokodil treibt im Gottlieb Daimler-Stadion sein Unwesen. Etwas ungelenk und ein wenig zu hünenhaft wirkt das grüne Reptil. Und da wären wir auch schon beim nächsten Problem. Die Farbe Grün hat nun mal so wenig mit dem VfB Stuttgart zu tun, wie FC Herne 1957 mit dem Champions League-Titel. Entsprechend absurd sieht das VfB-Trikot an ihm aus. Fritzle, der Name passt natürlich ins Schwäbische, ist seit 13 Jahren mit dem VfB Stuttgart verbunden. Und in die Kommerzmaschinerie schon voll eingebunden: Fritzle lässt sich gerne für Firmenfeiern, Geburtstage, Fan-Treffs oder sonstige Veranstaltungen buchen. Sein “Firmenwagen” ist natürlich ein Benz. Damit tritt er bequem die Reise zum Termin an. Aus der Sicht eines Nicht-VfB-Fans kann so ein Maskottchen nie zum Kultobjekt aufsteigen. Und die Kommerzialisierung eines Plüschtieres gibt dem ganzen noch den Tropfen, der das Fass endgültig überlaufen lässt.

Berni (Bayern München)
Auch der kommende Deutsche Meister hat ein Maskottchen. Berni, ein “bärenstarker Freund” aller Bayernfans. Und dazu ein regelrechter Stelzbock. Jahr für Jahr lässt er sich gerne mit der aktuellen “Miss FCB” ablichten – und grinst dabei übers ganze honigverschmierte Bärenmaul. Anders als viele andere Maskottchen, denen die Existenz von Hosen verschwiegen wird, trägt Berni eine komplette Bayern-Montur. Nur für Stutzen und Schuhe hat es nicht gereicht. Insgesamt gibt Berni ein stimmiges Bild ab. Er wirkt freundlich und ist bestimmt bei allen FCB-Eventfans hochgradig beliebt. Nur: Welcher Berni ist gemeint? Bernd Dürnberger? Außerdem ist die Tiergattung falsch gewählt. Vielleicht hätte man eher ein Plüschtelefon oder ein kuscheliges Internet-Kabel als Maskottchen wählen sollen. Mit dem Bären verbindet man aber eine andere Stadt.

Herthinho (Hertha BSC Berlin)
Der Bär ist das Wahrzeichen der Stadt Berlin. Und deswegen ist es konsequent, dass das Maskottchen der Hertha ein Bär ist. Herthinho – legendärer Name – konnten Fernsehzuschauer schon in so manchem Werbespot beim Abklatschen mit Marcelinho bewundern. Sein Aussehen ist sehr freundlich und gemütlich. Das Hertha-Trikot steht ihm in Blau und auch in Weiß. Herthinho hat laut eigener Aussage “nur Unsinn im Kopf”, genau wie die Hertha-Mannschaft während eines Bundesligaspiels. Er geht nicht nur gern zum Fußball, sondern auch auf Geburtstagsparties, Vereinsfeiern, Firmenveranstaltungen und Kindergartenfeste und – jetzt wird´s peinlich – Hochzeiten. Im Anzug sieht Herthinho albern aus. Genau wie Fritzle scheint er in die Mühlen der Kommerzialisierung geraten zu sein. Kultstatus hat er trotzdem.

Über den Autor: Vollspann!

Optimistischer Pessimist und Schöngeist aus dem Ruhrgebiet (Herne). Als hochtalentierter Passivsportler und Dauergast beim BVB kennt er Höhen und Tiefen des Fußballsports.