Westfalia Herne, 2. Spieltag

Fehlstart für Westfalia – Traumstart für die 5 Freunde im Abseits. So lässt sich der gestrige Abend im Stadion am Schloß Strünkede bezeichnen. Daneben steht die Erkenntnis: Das Tempo in der Oberliga ist nicht nur auf dem Spielfeld gedrosselt, sondern auch im Ausschank.

Um 17.45 Uhr trafen sich die Kollegen Vollspann!, Guru und Goldschuhe aus gemeinsam mit ein Mann starker Unterstützung aus der breiten Leserschaft dieses Blogs in Herne.

Der Abend begann, wie er zu beginnen hatte: Mit Bratwurst und Bier. Besonders herausheben möchte ich die absolute Traum-Wurst. Selten im Stadion etwas so Köstliches verzehrt. Dazu absolut humane Preispolitik: Wurst 1,80 €, Pils 2 €, da kann man beim besten Willen nicht meckern. Und: In Herne schenkt der Vorstand noch höchstselbst das Pils aus.

Der Start auf der Tribüne war also gelungen. War selbige zum Zeitpunkt unseres Eintreffens noch eher schwach gefüllt, änderte sich das pünktlich zum Anstoß. Ich schätze mal blind darauf los und würde sagen, dass sich durchaus ca. 1.000 Zuschauer eingefunden haben könnten. Dazu ein Heimtrainer namens Frank Schulz mit Eintracht-Vergangenheit und im rosa Pulli – alles war bereitet.

Gesättigt und mit durststillenden Flüssigkeiten bewaffnet folgten wir dem Anstoß. Bereits in den ersten Minuten war klar: Der Fehlstart Westfalias nagte an den Spielern, sie wollten Wiedergutmachung leisten. Dem entsprechend gehörten die ersten Minuten den Hausherren, die munter kombinierten, teilweise richtig ansehnlich spielten, dabei aber zu keiner klaren Torchance kamen. Nach einer Viertelstunde war die Anfangsoffensive verpufft und die Gäste aus Oestrich kamen besser ins Spiel.

Kuriosum am Rande: Die mit Abstand besten Offensivspieler der beiden Mannschaft trugen jeweils die Nummer 24, sahen sich von der Tribüne aus zum Verwechseln ähnlich (lustigerweise spielte die Herner 24, Hakan Firat bis letzte Saison noch beim Gegner SF Oestrich) und spielten auch den selben Stil getreu dem Motto: Wir können es besser als der Rest, also spielen wir alleine.

Insbesondere Nr. 24 der Gäste drehte im Laufe der ersten Halbzeit immer weiter auf und zeigte eine starke Leistung. Insgesamt gleich zweimal sorgte er auch für knifflige Situationen im Herner Strafraum, doch im Gegensatz zum Ball war der Schiedsrichter sicherlich nicht sein Freund.

Herne verlor zusehends die Kontrolle über das Spiel und konnte sich sicher nicht beschweren als es mit 0-0 in die Kabine ging.

In dieser Halbzeit kam es auch zum einzigen Skandal des Spieltags: Den Toiletten, die ohnehin schon keinen besonders einladenden Geruchsfaktor aufwiesen, mangelte es an Beleuchtung, so dass die Erleichterung zu einem regelrechten Abenteuer wurde.

Egal, dafür wurde eine zweite Bratwurst und erneut Pils (übrigens schmeckt im Stadion sogar Warsteiner, wenn es “echtes” Bier ist) geordert. Man war zunächst überrascht, dass man bei Warteschlangenposition 4 dennoch 10 Minuten warten musste, aber was soll’s.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit verlor das Spiel etwas an Fahrt. War die erste Halbzeit fußballerisch von beiden Mannschaften durchaus ansehnlich gestaltet, plätscherte der Kick nun vor sich hin.

Ein Sonderlob hat sich meiner Meinung nach Michael Baum, die Nummer 4 Westfalias, verdient. Für mich der beste Mann auf dem Platz. Bockstarker Verteidiger, der seinen Gegner immer im Griff hatte, dazu vorne bei allen Standards immer da, wo es gefährlich wurde. Also wenn ich Regionalligatrainer wäre, den würde ich mir zumindest mal ansehen.

Zurück zum Spiel: Richtig spannend wurde es erst wieder rund um die 70. Minute. Der Schiri pfiff Freistoß in aussichtsreicher Position für Herne und was folgte, war sagenhaft: Der erste Versuch von Dennis Gidaszewski hätte schon so im Kasten geklingelt, dass es gekracht hätte, doch im letzten Moment warf sich ein Verteidiger dazwischen. Die Pille rollte zurück zum Schützen, der aus Verzweiflung so dermaßen ausholte, dass wir den Ball alle schon vor unseren geistigen Augen in die Schloß-Fensterscheiben krachen sahen. Aber weit gefehlt: Trocken und hart in die rechte untere Torseite platziert. Zack. 1-0.

Doch wer glaubte, die Führung würde Westfalia beruhigen, der irrte. In den nächsten Minuten drückte Oestrich aufs Tempo und wollte unbedingt den Ausgleich, was ihnen 5 Minuten später auch gelang. Gleich zweimal bekam die Herner Verteidigung den Ball nach sensationellen Paraden ihres Tormannes nicht aus dem Strafraum, den dritten Versuch ließ sich ein kurz zuvor eingewechselter Spieler Oestrichs, den wir aufgrund seiner Vollglatze und seiner drahtigen 1, 10 Meter Körpergröße nur liebevoll den “Penis” tauften, nicht entgehen. Der menschgewordene Phallus nutzte die Verwirrung in der Westfalia-Abwehr eiskalt aus.

Mit diesem 1-1 wurde das Spiel auch beendet, wenngleich beide Mannschaften in der Folgezeit noch Möglichkeiten besaßen. In den Schluss-Sekunden hatte Westfalia sogar noch eine Riesenchance, die aber relativ blind über die Kiste gepöhlt wurde.

Insgesamt enttäuschend, obwohl die Westfalia nur mit 10 Mann spielten. Denn die Nr. 25, Stürmer Fisnik Zeynullahu, schaffte es tatsächlich 80 Minuten lang bis zu seiner folgerichtigen Auswechselung nicht am Spiel teilzunehmen. Damit ist schon jetzt klar, warum der BVB den Spieler Richtung Herne ziehen ließ.

Beste Spieler bei Westfalia neben Michael Baum: Torwart Christoph Ditterle, Hakan Firat und die Nummer 33, Norman Seidel. Letzterer glänzte durch geschicktes Einsetzen seines Körpers in der Abwehr und unglaubliche Schnelligkeit.

Was bleibt festzuhalten: Super war’s. Durchaus engagierte, wenn auch nicht euphorische Stimmung auf den Rängen. Und natürlich die von mir stets geliebten Rentner-Experten. Gute Verpflegung und ein wirklich ansprechender Kick und das alles in einem geschichtsrächtigen und echten Stadion und keiner sterilen Arena.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass man mich in dieser Saison noch sehr häufig in Herne antreffen wird. Zum Schluss habe ich sogar gemerkt, dass ich richtig mit Westfalia mitfieberte. Ich glaube, die Eintracht bekommt ernstzunehmende Konkurrenz. Zumindest, was Stadionbesuche angeht.