Ein Hoch auf das Testosteron

Quelle: www.stern.deSie lauern überall: Die sogenannten Fußball-Ästheten. Sogar hier im Blog hängen sie rum. Meistens wird von selbigen beklagt, dass Fußball ja ach so brutal wäre und doch nur schöne Spielzüge, individuelle Geniestreiche und wunderbare Tore den Fußball ausmachen würden. Selbst ein Aufruf an Herrn Blatter ist für diese Liebhaber des Fußballsports nicht peinlich genug. Was seid ihr alle für “Mädchen” (C. Treutler)! Auch der Don, profunder Kenner des Spiels, weiß es schon lange: “Also ne ordentliche Grätsche ist doch mit das herrlichste, was der Spitzensport zu bieten hat. [...] Gegen Italien oder Argentinien ist die Sache mit dem Ball treffen hingegen eher nebensächlich.”

Ich gehe hier sogar noch einen Schritt weiter: Ohne Grätsche, Aggressivität und ein wenig adäquat angewendeter Gewalt wäre Fußball nicht denkbar. Ein Fußballspiel ohne Aggressivität bleibt unvollendet, da es nichts Ästhetischeres gibt, als wenn sich in einem Moment das gesamte angestaute Testosteron in einer rüden Aktion mit nachfolgender “Rudelbildung” (Zitat: deutsche Sportjournalisten) Bahn bricht. Für alle, die diese Meinung nicht teilen, ist die Saisonpause die schönste Fußballzeit: Nichts als langweilige, unemotionale Testspiele, die für den geneigten Zuschauer in ihren besten Momenten für ein bräsiges Gähnen sorgen.

Und das ist auch genau der einzige Grund, warum ich mir Frauenfußball nicht anschauen kann. Die Kombinationen und die Technik mögen noch so gut und schön sein. Leider fehlt jegliche Aggressivität und Emotionalität. Dann lieber Volleyball.

Ich gebe zu: Brutale Grätschen sorgen auch bei mir mitunter für Entsetzen. Auch sind Schlägereien auf dem Spielfeld im ersten Moment abschreckend. Aber hätten beispielsweise Superpunk ihren wunderbaren “Eric Cantona Stomp” geschrieben, wenn Eric Cantona einem Zuschauer, der das ganze Spiel mit rassistischen Hetzsprüchen gegen einen von Cantonas Mitspielern aufgefallen war, nicht mit einem Kung-Fu-Tritt bescheid gestoßen hätte? Und möchte man ernsthaft auf Fußballer-Spitznamen wie “Die Axt” verzichten, nur weil selbsternannte Schöngeister den Anblick der Grätsche nicht verarbeiten können?

Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Genie und Wahnsinn: Der Fußballsport wird durch das Aufeinandertreffen von Gegensätzen erst zum faszinierenden Spiel. Wie könnte man denn sonst das großartige Talent und unfassbare Genius der besten Techniker würdigen? Es wäre absolut nichts Besonderes mehr. Als schöner Nebeneffekt werden durch die Tretereien Charaktere produziert, die man als gegnerischer Fan ausgezeichnet hassen kann. Bernd Hollerbach und Roy Keane (der den am Boden liegenden Geschädigten danach auch noch aufs Derbste beschimpfte: “You fuckin’ cunt!”) haben im Fußball dieselbe Daseinsberechtigung wie Messi und Ronaldinho. Mangelndes Talent muss mit Kampfgeist und Kompromisslosigkeit ausgeglichen werden. Wer will es den Vinnie Jones’ dieser Welt verdenken? In diesem Sinne: Grätscht rein und haut weiter drauf was das Zeug hält!

Zum Abschluss ein visuelles Schmankerl; bei einigen Szenen würde sich selbst Fernando Meira abwenden müssen.