Was Lothar Matthäus im Kicker-Sonderheft nicht tippen wird

Quelle: bookmark-verlag.deAn anderer Stelle wurde in diesem Blog zu recht moniert, die Tipperei der sogenannten Fußballexperten im Vorfeld einer Saison sei stets von größter Phantasielosigkeit geprägt – Meister wird Bayern und die Aufsteiger steigen wieder ab. Genau hieran wollen wir arbeiten, daher stelle ich hiermit meine persönlichen Abstiegstips vor.

Platz 18 – 16 Punkte, 20-63 Tore

VfL Wolfsburg

Erster Grund für diesen Tip ist: Ich will diesen Verein einfach nicht mehr sehen. Aber auch neben meiner persönlicher Einstellung gibt es andere Gründe, die mit absoluter Sicherheit zu der Erkenntnis führen, dass der VfL endlich absteigt.

1.

Wer jahrelang immer ganz tief hinten drin hängt, den erwischt es einfach. Wolfsburg wurde zweimal in Folge 15. und hat mit Hängen und Würgen die Liga gehalten. Das Beispiel Gladbach in dieser Saison verdeutlich, dass so etwas nicht ewig gut geht. Und dieses Jahr ist es so weit.

2.

Mit Klimowicz und Hanke wurde der komplette Sturm abgegeben. Beide für sich genommen waren sicher keine Granaten, aber Mainz hat in dieser Saison gezeigt, wie gefährlich es sein kann, die komplette Sturmfraktion ohne Not auszutauschen. Zumal bisher nur auf die Cottbus-Rumänen gesetzt wird, bei denen ich stark bezweifele, dass die nochmal auch nur annähernd so kicken wie letzte Saison. Mit Hofland wurde dazu ein wichtiger Spiel in der Verteidigung abgegeben. Ob die Neuzugänge insgesamt wirklich was taugen, wage ich zu bezweifeln.

3.

Magath ist alles andere als ein Wundertrainer. Bis auf die Stuttgarter Zeit war sein Erfolg als Trainer stets bescheiden. Und in Stuttgart habe ich das Gefühl, dass die jungen Wilden damals eher trotz Magath erfolgreich waren als wegen Magath. Dazu sorgt er für einen Größenwahn in Wolfsburg, der in Anbetracht der sportlichen Situation sehr gefährlich werden wird. Man redet (mal wieder) davon, dass Wolfsburg in absehbarer Zeit Champions Legaue spielen wird und vergisst dabei, dass es in dieser Saison in Anbetracht des Kaders und trotz eines auch nicht mehr jünger werdenden Marcelinhos nur gegen den Abstieg gehen kann.

Platz 17 – 32 Punkte, 33-54 Tore

Hertha BSC Berlin

1.

Die ewigen Geldprobleme und die desolate Vereinsführung durch den inkompetenten Hoeneß-Bruder werden nicht ewig zu kaschieren sein. Die Mannschaft ist schlecht, hat mit Bastürk noch den letzten Spieler verloren, der etwas mit der Kugel anfangen kann und man ist offensichtlich finanziell und konzeptionell nicht in der Lage, sinnvolle Neuverstärkungen zu tun. Zumindest bislang.

2.

Die Stimmung in der Mannschaft ist mies. Richtig mies. Die junge Sido-Garde des Kaders sorgt für Ärger, wo sie nur kann. Die Boatengs haben beide trotz bisher gezeigter Nicht-Leistung vollkommen die Bodenhaftung verloren, in der letzten Saison wurde bereits häufig die Respektlosigkeit der fußballerisch talentierten Jungspunde gegenüber den älteren Spielern thematisiert; dies wird sich noch verstärken.

3.

Nicht nur bei den Talenten kracht es. Auch die Posse um Dick van Burik spricht Bände über das Innenleben dieser Mannschaft, ganz gleich, welche der vom Verein geäußerten Vorwürfe nun wahr sind oder nicht. Wenn die Atmospähre im Verein schon weit vor dem ersten Spiel so vergiftet ist, dann lässt das für die Hauptstädter nicht viel erhoffen. Die Frage ist nur, ob Frau Merkel und die Regierung im Zweifelsfall einschreiten, wenn dem Verein, der von ihnen gehauptsponsored wird der Gang in Liga Zwei droht.

Platz 16 – 36 Punkte, 37-48 Tore

1. FC Nürnberg

Auf die Nürnberger wartet eine sehr schwere Saison: Die Euphorie der abgelaufenen Spielzeit mit Platz 6 in der Liga und dem verdienten Gewinn des DFB-Pokals wird Spuren hinterlassen.

1.

Die Doppelbelastung bringt immer Gefahren mit sich. Ich meine keine körperlichen, denn im Gegensatz zur herrschenden Meinung denke ich, dass es körperlich überhaupt kein Problem ist, ein paar Spiele mehr zu machen. Das Problem dürfte eher die Konzentration sein, die leidet, wenn viele Spieler erstmals Europapokal-Stimmung schnuppern. Dabei kommt dann gerne mal der “Alltag” Bundesliga zu kurz. Zudem ist es zwar nicht schwer, die zusätzlichen Spiele körperlich durchzuhalten, aber die kollektive Form über die gesamte Saison mit UEFA-Cup zu halten, ist für Mannschaften ohne relevante Ersatzbank kaum zu stemmen. Irgendwann in dieser Saison wird Nürnberg daher definitiv in eine Krise geraten.

2.

Überhaupt die Form. Die Nürnberger Mannschaft hat es auch dank der hervorragenden Arbeit Hans Meyers in der letzten Saison geschafft, quasi 34 Spieltage lang über ihrem Niveau zu spielen. Nahezu jeder Spieler im Kader hat permanent das Optimum aus sich herausgeholt. Das wird kein zweites Jahr lang möglich sein. Die Neuzugänge sind zwar prinzipiell vielversprechend (besonders: Misimovic, Kluge und auch Charisteas), ich denke dennoch nicht, dass es reicht, um die vorprogrammierten Schwächen der bisherigen Stammkräfte zu überdecken.

3.

Hans Meyer ist Gott, das wissen wir alle. Ich habe bei ihm aber immer das Gefühl, seine Lust auf Trainerämter ist sehr zerbrechlich. Er betont immer, seine große Stärke sei seine Unabhängigkeit, da er nicht an seinem Trainerstuhl klebe. Andererseits birgt diese Unabhängigkeit auch die Gefahr, dass – wenn es mal nicht so läuft – nicht mehr mit letztem Engagement um die Sache gekämpft wird. Ich wünsche es dem Club nicht, aber irgendwie habe ich das Gefühl als würde der Verein die Saison nicht mit Meyer beenden, weil dieser von sich aus aufgibt. Und damit würde einer der gewichtigen Gründe für die überdurchschnittliche Entwicklung der Mannschaft in der letzten Zeit wegfallen. So oder so: Spielern wie Saenko traue ich nicht nochmal eine solche Saison zu wie diesmal.

Und achja, kleine Randnotiz: Der HSV wird sich erst am vorletzten Spieltag retten und am Ende 13. werden…

Über den Autor: Goldschuhe aus

Agent provocateur erster Güte. Ansonsten Misanthrop und Eintracht Frankfurt-Fan. Frisur: vorhanden.