Das große Missverständnis

Quelle: www.eintracht.de

Mit viel Getöse verlässt Lincoln die königsblauen Schalker in Richtung Kalli Feldkamp. Was für ein komischer Typ. Mit wenig Getöse verlässt Benni Huggel die Frankfurter Eintracht in Richtung Schweizer Heimat. Was für ein komischer Typ.

Benni Huggel – welch ein Missverständnis. Als im Jahr 2005 sein Wechsel zur Frankfurter Eintracht feststand, wurden viele Vorschußlorbeeren gedruckt. Den Frankfurter Fans wurde ein dynamischer und robuster Antreiber versprochen, dazu ein intelligenter Spieler. Eine moderne “Nummer 6″ eben.

Nur: halten konnte er davon nichts. Im Gegenteil. In Frankfurt spielte er regelmäßig behäbig, körperlich und geistig langsam. Dazu kam, dass er das Gegenbeispiel zu Lothar Matthäus darstellt: Während dumme Menschen offensichtlich so etwas wie Fußballintelligenz besitzen können, können leider auch kluge Menschen das Spiel komplett missverstehen.

Seine ohnehin schon dürftigen Leistungen kombinierte er mit stellenweise hanebüchenen Fehlern. Wenn gar nichts half, wurde auch mal ein sinnloser Elfmeter für den Gegner produziert. Gepaart war dies alles mit einer (zumindest öffentlich) nicht existenten Fähigkeit zur Selbstkritik. Man hatte immer den Eindruck, der Huggel-Benni sei mit sich und seinen Leistungen absolut im Reinen. Er fühlte sich stets verkannt, zu Unrecht an den Pranger gestellt, dabei war nach einigen Wochen bereits klar, dass Huggel der einzige war, der sich stets verkannte.

Ehrlich gesagt, und sowas geht einem bei Spielern des eigenen Vereins ja wahrlich nicht leicht über die Lippen: Huggel war stellenweise auf dem Platz kaum zu ertragen. Wann immer er zwei Alternativen hatte, wählte er die Falsche, sein Stellungsspiel war desolat. Dazu haufenweise tumbe Fouls, die an Sinnlosigkeit kaum zu überbieten waren. Und der Ball war auch nie sein Freund. Insgesamt also: Das exakte Gegenteil der modernen Nummer 6. Seine größten Stärken lagen, wie allseits bekannt sein dürfte, eher in der 3. Halbzeit.

Auch der gemeinsam mit Huggel aus der Schweiz gewechselte Kollege Christoph Spycher hatte zu Beginn seiner Zeit große Probleme mit der Umstellung auf die Bundesliga. Doch im Gegensatz zu Huggel hat er die Kurve bekommen, besitzt inzwischen zumindest so viel Qualität, dass er als solider Linksverteidiger gilt, der zwar selten spektakulär, aber noch seltener huggelesk schlecht spielt.

Diese Kurve hat Huggel nicht nur nicht bekommen, er hat sie niemals auch nur in Sichtweite gehabt. Nun, nach zwei Jahren des kläglichen Versuchs, sich in der Bundesliga zurechtzufinden, gibt er also auf und geht zum FC Basel, um sein Traumziel – die Teilnahme an der EM im eigenen Land – doch noch zu erreichen, und man ist geneigt zu sagen: In die Schweiz passt er auch besser hin. Für die Bundesliga reichte es nie.

Vielsagend das Zitat Heribert Bruchhagens zu Huggels Wunsch nach Freigabe in der FAZ: “Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, werden wir ihm keine Steine in den Weg legen”. Ich meine da zu lesen: Sensationell, dass wir für Dich sogar noch Geld bekommen, aber vielleicht interpretiere ich das über.

Seine Zeit bei der Eintracht hat keinerlei Spuren hinterlassen. Das hätte ich geschrieben, wäre da nicht das drittletzte Saisonspiel gegen Aachen gewesen: 3. Minute. Benni Huggels einziges Tor für die Eintracht. Ein sensationeller Schuss und der Beginn des wohl besten Spiels der Eintracht-Saison, wenngleich gegen einen desolaten Gegner. So kann man sagen, dass Huggel es kurz vor seinem Abgang zum ersten und einzigen Mal geschafft hat, positiv aufzufallen. Zu wenig insgesamt, um in Erinnerung zu bleiben. Huggel-Benni, Du magst ein netter, eloquenter Typ sein, aber um Deinen Abschied zu bedauern, ist diese Bilanz nach zwei Jahren einfach zu schwach.

Dennoch: Viel Erfolg in der Schweiz und vielleicht reicht es ja, um bei der EM 2008 einen der fünf Elfer der Eidgenossen im Viertelfinale zu verbolzen.